Es muss was geschehen

Von Arno Hirsch 

Vorwort
Ich habe mir mit diesem Artikel mehr Arbeit aufgehalst als mir eigentlich lieb war. In den paar Zeilen alles das, von dem ich sprechen wollte, verständlich unterzubringen, ist ganz und gar unmöglich. Darum habe ich mich vielfach den Worten und Gedanken von anderen bedient, manchmal auch ohne die Quellen zu nennen. Ich hoffe, man verübelt mir das nicht, aber gibt es eine Wahrheit, die Besitz sein kann? Meine Gedanken jedenfalls kennen kein Copyright.

Ein Satz, der mich immer weiter treibt und den ich schon von vielen anderen gehört habe, ist der Kern, der Grund, warum ich das schreibe. "Gibt es da sonst gar nichts? War das schon alles?". Kann man sich mit der Gegenwart so wie sie ist zufrieden geben? Werden nicht so viele Freuden so teuer erkauft, müssen andere nicht großes Leid ertragen, damit die einen ohne Sorgen sind? Die Vorstellung in meinem Kopf zeigt mir ein inakzeptables Bild der Verhältnisse und wie es besser sein könnte, das ich hier zu Papier bringen wollte. Vielleicht trägt jeder so ein Bild in sich.

Inzwischen bin ich mir aber sicher, das dieses innere Bild mehr Täuschung und Selbstbetrug ist. Die Welt ist kompliziert genug und in ständigem Wandel, doch unser Gehirn macht aus den Teilen immer ein Ganzes. Es ist eben so, "an einer Wahrheit teilzuhaben, heißt immer auch ermessen, das es andere gibt, an denen wir noch nicht teilhaben" [Alan Badiou].

Mir geht es nicht darum, jemand meine Interpretationen der Realität als Wahrheiten aufzutischen, sondern vielmehr darum, meinen Teil zum Diskurs beizutragen.

Hamlet
Das unsere Moderne sich in einer tiefen Krise befindet, das spürt sicher jeder und nicht erst, seit das Bankensystem "beinahe" zusammengebrochen ist. Die Krise ist allumfassend, sie betrifft die gesamte Menschheit. Die Umwelt, die Ressourcen, die Nahrung, die Gesundheit, die Wirtschaft, die Demokratie, die Kulturen, alle werfen schwer lösbare Probleme auf, denen wir uns in jedem Falle stellen müssen.

Wir müssen uns dazu entschließen, für die Probleme oder bessergesagt deren Lösungen verantwortlich zu sein. Denn eins ist gewiss, die Welt wird sich in den nächsten Jahrzehnten grundlegend ändern müssen. Wenn wir Menschen uns verantwortungsbewusst für eine Veränderung im Sinne aller Menschen entscheiden, so wird das, was wir aufgeben müssen, durch das, was wir dabei gewinnen mehr als aufgewogen. Die vergangenen Jahre vom scheinbaren Aufschwung und dem Traum vom Wohlstand für alle, hat unsere Gesellschaft in einen Taumel und blinden Glauben in Wirtschaft, Politik und Medien gebracht. Doch der Traum ist für viele schon längst vorbei.

Viele sind sich sicher, es muss was geschehen. Wie Prinz Hamlet, der längst gemerkt hat, das etwas faul im Staate ist. Als ihm der Geist seines Vaters erscheint und berichtete von der feigen hinterhältigen Tat, dem Mord an seiner Person, ist sich Prinz Hamlet gewiss, das er die Tat sühnen muss. Doch Hamlet ergibt sich Zweifel, sucht nach anderen Beweisen, vielleicht war ja der Geist ein böser Geist. Doch kein Beweis kann ihn zum Handeln drängen, mal ist der Ort nicht gut, mal die Zeit nicht passend. In seinen Zweifeln zerstört er alles, was ihm lieb ist, er selbst wird zur Katastrophe. Als er endlich handelt, ist es schon zu spät.

"Das unentdeckte Land, von des Bezirk kein Wanderer wiederkehrt – den willen irrt, dass wir die Übel die wir haben, lieber ertragen, als zu unbekannten fliehen. So macht Gewissen Feige aus uns allen" [Hamlet 3.Aufzug 1.Szene].

Verabschiedung der Einheitssucht
Damit uns unser Leben am Ende nicht vertan erscheint, ist es notwendig in der Geschichte weiterzugehen und nicht daran zu verzweifeln. Das Leben als Bewegung, als nie abgeschlossene Entwicklung der Gemeinschaft von Lebendigen. Damit die Ideen nie in Ideologien erstarren, denn jede Ideologie wird irgendwann falsch, das ist der Lauf der Welt, die selbst nie stille steht.

Das System der Vermarktung von allem und jedem ist eine Sackgasse, es führt nur zu neuen, in diesem System unlösbaren Problemen. Dieses System ist eine Maschine, ein sich selbst regulierendes Etwas, deren Veränderungen nicht nach den lebendigen Menschen fragt. Der Mensch ist zum Diener dieses Dings geworden. Die welche vorgeben, das sie dieses System steuern, sind selbst nur Marionetten. Diese Maschine darf sich nicht selbst überlassen bleiben, zudem sind die Menschen viel zu unterschiedlich, als das sie sich nahtlos in dieses "autopoetische System", wie es Luhmann liebevoll nennen würde, integrieren könnten. Sachzwang ist das Schlüsselwort, für die Verteidiger dieses Systems, das magische Wort, das jedes Argument zum verstummen bringt.

Was wir aber brauchen, ist eine "Ablehnung des Denkens der Form von entweder/oder zugunsten des Denkens sowohl als auch" wie das der Soziologe Ulrich Beck formuliert hat. Es ist unmöglich, alle Ideen unter einen Hut zu bringen, darum ist jede Ideologie, auch die gutgemeinte, kein Teil der Lösung, da jede Ideologie einen Teil ausschließt und dadurch den Sinn für die Gemeinschaft verliert. Aber "durch den Sinnverfall von Ideologie erhält der Mensch seine Entscheidungs­autonomie zurück" [Zymunt Baumann, Soziologe]

Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, wir Bürger der Welt bilden eine plurale Gemeinschaft. Das bedeutet aber auch den Abschied vom Glauben, man könnte die gemeinsamen Ideen in einem Konsenz vereinen. Genau das wäre ja wieder diese Einheitsideologie des Ausschlusses derjenigen, die nicht zum Konsenz bereit wären. "Die Vielfalt der verschiedenen Denk- und Sprechweisen der Lebensweisen und Wertorientierung muss nicht mehr gegen homogenisierende und totalisierende Einheitsideologien erkämpft werden, sie ist ein Faktum geworden". [Michael Dreher,Jacques Derrida] Ein plurales Wissen bedeutet darum "weniger an Sicherheit, als an Unsicherheit, weniger an Konsens als an Dissens interessiert zu sein." [Michael Dreher] Es ist dies das unbekannte Land, von dem Hamlet spricht, das er selbst aus Furcht vor dem Ungewissen nie betritt.

Mythen des Alltags [Roland Bartes]
Alles, auch die Kultur, unterwirft sich den Gesetzen des Marktes. Jedes Ereignis wird von den Medien in Szene gesetzt und so lange ausgebeutet, bis das Interesse daran zum Erliegen kommt. Vom Gammelfleisch bis zur Naturkatastrophe, vom Krieg bis zur Banalität wird alles inszeniert in einem Spektakel. Doch keine Betroffenheit reicht an das wirkliche Leid, das Elend der Welt selbst wird noch vermarktet. "Die Zeichencodes der modernen Städte, der Werbung und der Medien geben nur noch vor, entschlüsselbare Botschaften zu sein. In Wahrheit dagegen sind sie reiner Selbstzweck, mit dem das Gesamtsystem der Gesellschaft aufrecht erhalten wird, damit jeder an seinem Platz bleibt" [Jean Baudrillard, Der symbolische Tausch und der Tod].

Der Mythos des Alltags, wie es Roland Bartes nennt, umfasst unser ganzes Dasein. Doch immer wieder entwickelt sich etwas neues, das sich dem Markt nicht zu unterwerfen scheint, man könnte es Subkultur nennen, wenn dieser Begriff nicht selbst schon Mythos wäre. Alles wird aufgesogen und verinnerlicht von dieser großen Maschine Marktwirtschaft. Zum Frauentag der passende Lippenstift, zur Demo das zugehörige T-Shirt, für das Bedürfnis nach Gerechtigkeit gibt es Fair Trade, und für die geschändete Kreatur kauft man Bio-Eier von glücklichen Hühnern. Warum sollte man überhaupt noch etwas ernst nehmen? Im Kabarett lachen wir über die Wirklichkeit. Von Zeit zu Zeit gönnen wir uns eine Dokumentation über die wahren Verhältnisse auf dieser Welt und dann empören wir uns für einen Augenblick. "Das Denken darf sich nicht allzu viel herausnehmen, die Welt ist voller verdächtiger und nutzloser Alibis, man muss sein Urteilsvermögen kurz halten, muss die Leine auf das Mass eines berechenbaren Realen reduzieren" [Roland Bartes, Mythen des Alltags].

Arbeit, Arbeit, Arbeit…
"Es ist schlimm für eine Arbeitsgesellschaft, wenn ihr die Arbeit ausgeht!" [Hannah Arendt]. Dieser Satz sollte eigentlich jeden aufschrecken, denn er beschreibt die Situation der Arbeitswelt, nicht nur in Deutschland, wie kein anderer. Die Aussage ist nicht etwa neu, wie man vielleicht denken könnte. Damals vor etwa 50 Jahren, sorgte der Ausspruch für ein wenig Aufregung, man machte sich darüber Gedanken, wie der Mensch damit umgehen könnte. Aber man tat das in erster Linie damit, das man sich fragte, wie der Mensch mit der Freizeit zurecht kommen sollte. Nicht nur die Banalisierung der Arendt’schen These, nein, die ganze Thematik verschwand aus den öffentlichen Diskursen. Damals wie heute übersah man die schlichte Tatsache, das der Mensch im Kapitalismus mit der Arbeitsvergütung, dem Lohn, sein Leben bestreitet. Es ist also nicht die Frage, was mache ich mit der Freizeit, sondern wovon bestreite ich meinen Unterhalt.

Wir sollten uns nichts vormachen, uns geht die Arbeit aus (vgl. Kapitalverwertungs­krise). Was schafft nach Adam Smith oder Karl Marx oder Max Weber und anderen die Werte? Schafft die Putzfrau, der Küchenhelfer, der Banker, der Arzt, … die Werte?. Die Werte sind verdinglichte Arbeit. Der Gewinn, den ein Banker macht, ist letzten Endes dort abgezweigt worden, durch Zins oder Pacht oder wie auch immer. Wir können also das Problem nicht dadurch lösen, indem wir Arbeit durch Beschäftigung ersetzen. Denn das würde nur vorläufig die Symptome lindern, wäre aber keine Lösung.

Viele Gewerbezweige, die maßgeblich an der Schaffung von Werten beteiligt sind, also verdinglichte Arbeit schaffen, sind für uns nicht mehr vorhanden. Die Zentren der Produktion haben sich verlagert. Die Planung und die Konsumierung der Waren wird sich ebenfalls verlagern, denn das ist nicht mehr als Logik. Das Know How braucht etwas länger, bis es sich dort gebildet hat. Die Idee, "wir sind der Kopf und die anderen die Hände" (vgl. Faust II) ist nichts als Überheblichkeit, Überheblichkeit einer zu Ende gehenden Kultur. Denn es geht bei allem auch um Macht, die global agierenden Konzerne sind nicht an Nationen gebunden. Ohne die verdinglichte Arbeit, bzw. dem Anteil daran, sinkt die Kaufkraft und auch die Nachfrage nach Dienstleistung.

Noch immer ist die Zahl der Beschäftigten hoch, doch die Arbeitszeit, die insgesamt erbracht wird, sinkt nachhaltig. Immer mehr Leute, vor allem Frauen, müssen sich mit einem nomadischen Arbeitsverhältnis abfinden. Mal 1 Woche hier, mal 4 Stunden dort arbeiten und in der Zwischenzeit auch mal nicht arbeiten. Ohne zusätzliche Transferleistungen geht da gar nichts. Für diejenigen, die selbst dieses Elend nicht teilen dürfen, die Langzeitarbeitslosen, hält man sogenannte Schulungsmaßnahmen oder 1 Euro-Jobs bereit. Es handelt sich dabei um Institutionen der Disziplinierung. Die Wirkmechanismen und Methoden der Disziplinierung wurde von Michael Foucault am Beispiel der Schulen, Gefängnisse und Kliniken vergangener Epochen untersucht. Foucault hat die Machtstrukturen, die dabei im Spiel sind, nicht generell negativ bewertet. Der Sachverhalt ist aber derart komplex und kann hier nur etwas einseitig behandelt werden. Hier geht es nur um die repressiven Mechanismen der Macht. "Die Disziplinierungsgesellschaft hatte zum Ziel gezähmte Körper herzustellen, perfekte uniforme Bürger…"[Riki Wilchins, Menschenrechtlerin].

Wir müssen dem Problem ins Auge sehen, auch wenn es weh tut. Denn das, was wir denjenigen, die von der Verwertung ausgeschlossen sind, damit antun, ist ein entsetzliches Elend. Wir gefährden mit diesem Ignorieren nichts weniger als den sozialen Frieden. Wir dürfen das nicht als Normal hinnehmen und so tun, als sei alles in Ordnung. “Die schwersten psychischen Wunden werden immer in jenen Gemeinschaften zugefügt, in denen scheinbar die größte Normalität herrscht” [Jacques Lacan, Psychoanalytiker].

Alternativen?
Der Kategorische Imperativ von Marx besagt: es gilt "alle Verhältnisse umzustoßen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist." Das klingt gut, doch was sind diese Verhältnisse? Für Marx und seine Anhänger ist die Sache klar, es ist der Kapitalismus selbst. Das würde aber bedeuten, man müsste das gesamte ökonomische und politische System auswechseln. Das Heil der besseren Gesellschaft liegt also vollkommen in der Zukunft und das schon ziemlich lange. Wenn man es genau betrachtet, ist diese zukünftige Gesellschaftsordnung eine Art Heilsversprechen, eine große Erzählung.

Wer will, mag darin eine Alternative sehen, mir persönlich ist die Denkweise zu materialistisch. Das Ursache Wirkungsprinzip, das im Kommunismus den Ton angibt, ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Zudem finde ich es schlichtweg falsch, die Geschichte rein deterministisch zu deuten. Außerdem vermisse ich bei den Kommunisten eine glaubbare Vergangenheitsbewältigung. Schließlich gab es schon einige Großversuche, die mich ein wenig an die dunkle Vergangenheit erinnern. Sicher, das war kein Kommunismus oder Sozialismus, aber man hat diese Systeme in der Absicht geschaffen, einen solchen Kommunismus zu verwirklichen.

Doch mir geht es nicht darum, den Kommunismus schlecht zu machen, mir kommt es mehr darauf an, eine Form der Veränderung zu finden, die nicht vollkommen in der Zukunft liegt. Sondern dort ansetzt, wo die jeweiligen Probleme auf Lösungen warten. Es geht darum, die Richtung zu ändern, das Heil ist die Entwicklung in Richtung einer menschlicheren Gesellschaft mit Rücksicht auf spätere Generationen.

Darum denke ich, wir als Menschen müssen uns für unsere Situation verantwortlich zeigen und entsprechend handeln. Das wir das nicht verursacht haben, ist kein Argument dagegen, denn es geht nicht um Schuld oder sonstige moralische Kategorien, es geht darum, die Verhältnisse zu verändern. Wir müssen die Forderungen erheben, um den Markt der Menschlichkeit dienstbar zu machen.

Das noch nie betretene Land, von dem Hamlet spricht, ist für mich eine Gesellschaft, in dessen Mittelpunkt der Mensch steht und zwar unabhängig von Stand, Herkunft und Geschlecht. Dem Kapitalismus und deren vermeintlichen Verwaltern müssen wir dabei misstrauen, vieles was an Regierungstischen entschieden wird, scheint mir wahnsinnig zu sein. Wir wissen ja nicht nur von Hamlet, "Wahnsinn bei Großen darf nicht ohne Wache gehen".

Nachwort
Meine Absicht war es nicht andere von meinen Meinungen zu überzeugen, heute wird vielfach die fehlende Solidarität beklagt, ich wollte auch ein wenig in diese Richtung sensibilisieren. Bedenken wir, das auch verschiedene Meinungen nebeneinander existieren können. Wenn es uns gelingt, trotz dieser Tatsache uns darüber auszutauschen, wenn wir es sogar als Gewinn sehen, dann sind wir schon ein Stück weiter. Machen wir uns nichts vor, die Welt ist so vielschichtig, das kein Mensch je in der Lage sein wird, alles zu überblicken. Und je nach Standpunkt kann sich so eine andere Sichtweise ergeben. Entscheidend ist, das man sich seine eigene Meinung aus innerer Überzeugung bildet. Die Dummheit beginnt dort, wo man sich weigert, nach eigenen Überzeugungen Stellung zu beziehen oder einfach nur Stimme für andere ist.

Ich glaube, da ich mehr Pessimist bin, das all die Probleme der Menschen nicht von den Menschen gelöst werden, sondern von der Natur, indem sie die halbe Welt entvölkert, vielleicht aus Gleichgültigkeit, vielleicht aus Gier und Eigennutz, vielleicht aus Dummheit. Kein Einzelwesen, egal wie klug, kann alleine soviel erreichen. Um dieses festgefahrene Denken aus seinen Schienen zu befreien, muss die Einsicht und der Wille aus jedem Einzelnen entspringen, ohne links noch rechts ohne oben noch unten. Es kann keinen Führer geben, das ist ein Fehler der Geschichte. Man kann keine Verantwortung übertragen. Auch wenn es paradox klingt, so halte ich es für wahr, nur das ist wirkliche Gemeinsamkeit, die ganz ohne Moral, Beliebigkeit, Nutzen noch anderen Hilfskonstrukten, sondern nur aus innerem Wollen entsteht.

Thx Arno!

10 Replies to “Es muss was geschehen”

  1. Sich selber als verantwortlich sehen – das ist doch eigentlich das, was den erwachsenen Menschen ausmacht. Und das wird immer wieder weggeschoben. Ja, man muss immer wieder daran erinnern.

  2. Es muss was geschehen

    WARUM ?

    „Das Gleichnis von den ungleichen Söhnen

    Matthäus 21,28 Was dünkt euch aber? Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und er ging zu dem ersten und sprach: Sohn, mache dich auf und arbeite heute in meinem Weinberg! 29Der aber antwortete und sprach: Ich will nicht! Hernach aber reute es ihn, und er ging. 30Als aber der Vater zu dem andern dasselbe sagte, antwortete dieser und sprach: Ja, Herr! und ging nicht. 31Welcher von diesen beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sprachen zu ihm: Der erste. Da spricht Jesus zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, die Zöllner und die Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr! 32Denn Johannes ist zu euch gekommen mit dem Wege der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht. Die Zöllner und die Huren aber glaubten ihm; und obwohl ihr es sahet, reute es euch nicht einmal nachträglich, so daß ihr ihm geglaubt hättet.

  3. Denke ich auch, nur wenn jeder an seine eigene Nase fest, könnte die Zukunft ein wenig besser ausssehen.

  4. Hallo Arno,
    Danke für diesen wichtigen Artikel!
    Es gibt noch eine weitere Möglichkeit. Eine, die es schon vor der Kapital gab. Die „Erfinder“ nannten die Gesellschaftsform Anarchie: Ordnung ohne Hierarchie.
    Allerdings hatte die damaligen Denker zu wenig über die Ökonomie nachgedacht.
    Sie hatte zwar daran gedacht, das Leitbild von Kinkurrenz auf Kooperation umzustellen, dabei hatte sie aber die Macht des auf Zins-basierten Geldsystems wohl vergessen, dessen Krise wir gerade mit allen Konsequenzen sehen.

  5. Die Realität ist viel bitterer als den Menschen bewusst ist, nicht nur im Bereich des Bankenwesens, auch im Bereich der Arbeitslosigkeit, des Bildungswesens, des Gesundheitswesens usw. Es brennt an allen Enden, aber keiner will es wahrhaben.

    Aber selbst wenn man um diese Dinge weiß, ist das eigentlich so lange akademisches, unfruchtbares Wissen, wie man nicht daran interessiert ist, diese Zustände zu verändern. Um diese Zustände verändern zu können, muss man allerdings wissen, wie man eine Lösung herbeiführen kann.

    Ich persönlich verstehe einfach viel zu wenig von all diesen Dingen, als dass ich da etwas beitragen könnte. Und so geht es fast jedem. Also bleibt alles beim Alten, jeder meckert vor sich hin, der eine oder andere hat vielleicht auch mal eine isolierte Einsicht, die aber folgenlos bleibt, und nach der nächsten Katastrophe sagt jeder: Wie konnte das denn nur passieren?

    Aber auch diese Frage ist eigentlich eher rhetorischer Natur, denn man wird wie immer weitermachen, als ob nichts geschehen sei, und die Kleinen werden die Zeche bezahlen wie eh und je.

    Da muss man sich doch fragen, ob es nicht irgendwo jemanden gibt, der etwas davon versteht? Jedes Jahr werden Nobelpreise für herausragende Leistungen auch im Bereich der Wirtschaftswissenschaften vergeben – aber einige Wirtschaftswissenschaftler wissen wenigstens, dass ihre Theorien noch nie etwas genutzt haben und sich sogar widersprechen. Lösungen kann man von denen nicht erwarten. Sie haben Zeit genug gehabt, welche zu entwickeln, und es ist ihnen nicht gelungen.

    Desto unerwarteter die Erkenntnis, dass ein gewisser Jörg Gastmann, ein absoluter Noname, schon 2006 ein Buch mit dem Titel „Die Geldlawine“ vorgelegt hat, das nicht nur eine Fülle von Gegenwartsproblemen kenntnisreich und mit offiziellen Daten gut belegt und das Irrenhaus von Politik und Verwaltung gnadenlos anprangert, sondern eine Lösung präsentiert, die logisch, einfach und vor allen Dingen wirksam ist.

    Aber wer ist schon an Lösungen interessiert? Sobald man eine Andeutung davon macht, kommen schon die Einwände, ohne dass sich der Angesprochene überhaupt mit der Sache beschäftigt hätte. Der Volksmund sagt dazu: „Wat de Buer nich kennt, dat frett hei nich.“

    Dagegen sein ist absolut vorrangig, protestieren ist sexy, man fühlt sich in der Masse so wunderbar, Solidarität ist wie eine Droge. Ich kann mich noch daran erinnern, wie es 1968/69 an der Freien Universität Berlin zuging – und deshalb kann ich der Euphorie der Griechen überhaupt nichts abgewinnen. Dabei wird nichts herauskommen außer Gewalt und Leid, mit Sicherheit aber keine Lösung.

    Lösungen müssen her, doch daran sind die Protestierenden gar nicht interessiert, insofern unterscheiden sie sich nicht von jedermann. Wie sollten sie auch? Warum sollten ausgerechnet die Menschen auf der Straße an Lösungen interessiert sein? Es ist doch viel einfacher, anderen Leuten die Schuld zuzuschieben und Wut und Hass zu pflegen. Und so wird die Welt sich halt weiterdrehen wie immer. Deshalb gibt es auch gar keinen Grund zur Besorgnis.

    Ich wette, dass auch von denen, die dieses hier lesen und sich möglicherweise mit den Griechen solidarisch fühlen, niemand sich für das genannte Buch und die mit dem Stichwort Bandbreitenmodell bezeichnete Lösung interessieren wird, geschweige denn für die Frage, wie man diese Lösung tatsächlich praktisch durchsetzt.

    Letzten Endes kommt es nur auf die Durchsetzung der Lösung an, auf nichts anderes. Dazu muss man freilich erst eine Lösung haben, und die haben die Protestierenden in Griechenland nicht und auch sonst niemand in Deutschland und in der Welt.

    Und eine nicht vorhandene Lösung kann man auch nicht durchsetzen. Wollen wir wirklich ewig so weiterwurschteln? Oder macht sich mal jemand die Mühe, sich zu informieren und denjenigen Kredit zu geben, die sich bereits intensiv damit beschäftigt haben, statt gleich loszupoltern und billig zu polemisieren?

    Technische Probleme sind lösbar, wissenschaftliche Probleme sind lösbar, wirtschaftliche Probleme sollen nicht lösbar sein? Googeln Sie doch mal nach den Stichwörtern Gastmann und Bandbreitenmodell und investieren Sie ein paar Stunden! Sie werden eine Menge lernen und vielleicht Hoffnung für die Zukunft schöpfen. Vielleicht wird sich auch Ihr Leben ändern. Und zwar zum Positiven.

  6. Zahlen, Fakten, die Märkte, der Euro, Konsolidierung, Rettungsschirm, Bankenkontrolle, die Einheitswährung, Rettungsgipfel, Stabilitätspackt, Koalitionsmehrheit, Geld,…Geld… – Geld.

    Das ist in kürze die Zusammenfassung dessen, was der Bauer an Körnern dem Huhn vors Gesicht schmeißt um es zum Holzbock zu führen. Das Huhn ist mit dem aufpicken der Speisen so beschäftigt, dass der Kopf durch das viele hoch und runter beim Picken nur noch so wackelt und hämmert. Doch erst mal am Holzblock angekommen ist Schluss mit Körner und hier bleibt dem ahnungslosen Huhn keine Zeit mehr aufzublicken! Es wird gepackt, die Axt des Bauern hebt sich, und…

    So ist der Zustand der europäischen Bevölkerungen am ehesten beschreibbar. Während in Griechenland die Bürger massenhaft verarmen und ihre Löhne und Rentenansprüche drastisch gekürzt werden und sie zum Teil seit mehreren Monaten auch kein Gehalt oder Arbeitslohn erhalten haben, wird den Bürgern hier in Deutschland die neue Glücklichkeitsstudie um die Ohren geschmissen. Da staatlich verordnet Fachkräftemangel herrscht, die Zahl der Arbeitslosen sich auf wundersame Weise halbiert hat und die Konjunktur in Jubel ausbricht, zieht die Propaganda Lokomotive noch mal so richtig an! Und immer noch finden sich genügend geblendet analytische Diskutanten die sich in Abwägung bilateraler Problembewältigung wichtig nehmen und alle deutlichen Zeichen einer massiven Globalisierung, wie sie die Welt bisher noch nie gesehen hat, als Verschwörungsfantasie abtun und zur Besonnenheit mahnen.

    So sicher wie das Amen nach dem Gebet, so sind die Hinweise der Bibel bezüglich des nahenden unheiligen Imperiums. Willig und mit riesen Schritten geben die Staats und Regierungschefs ihre Königreiche aus der Hand und es wird einen geben, auf dem sich dann alles Zentriert. Und noch zum Abschluss eine Bemerkung: solche erst seit kurzer Zeit angewandten Gesten und Handzeichen wie die des berüchtigten „Merkelizer“ verstärken nur noch die sichtbaren Zweifel ob jene überhaupt noch Herr über ihren eigenen Willen sind oder doch schon ferngesteuert!

    susi

  7. Hallo Arno,

    Problematisch ist Folgendes: Die einen sind gegen Krieg (weswegen auch immer), die anderen dafür. Wie soll man sich einigen, Demokratie? Werden dabei nicht den Menschen, die gegen den Krieg sind (nehmen wir an, es ist die Minderheit) eine fremde Meinung auf gezwungen? Werden sie sich dagegen wehren und sich (terroristisch) dagegen wehren (gegen diese Gesellschaft). Sie dürfen ihre Meinung übrigens frei äußern und und zu terroristischen Akten gegen die Gesellschaft aufrufen. Schließlich sollte alles durch vernünftige Argumente gelöst werden können. (Hatten Sie eigentlich noch nie einen Streit, mit Ihrer Frau/Freundin oder Kollegen/Mitarbeitern bei dem Sie sich nicht einigen konnten?)
    Im privaten Kreis könnte man den Streit aufschieben, vergessen/verdrängen aber was soll die Gesellschaft bei einem aufgezwungenen Krieg machen?
    Natürlich könnte man die freie Meinungsäußerung einschränken. Mit ein wenig Glück dauert es länger, bis wir bei den USAnischen-Gesetzen sind. (Schreiben Sie was Sie wollen, dazu wird es über kurz oder lang führen, wenn eine einzige noch so kleine Ausnahme gemacht wird.)

    Kurz gefasst: Es ist egal, wie toll die Gesellschaft wird, es wird dennoch zu unseren „modernen“ Gesellschaftsform hin führen. Sie könnten die „Obrigkeit“ höchstens durch Angst im Zaum halten.
    Letztendlich könnten einzig private „Sicherheitsorgane“ diese Aufgabe übernehmen, da die staatlichen Korrupt werden müssen. Ob es durch vorher gerichtlich beschlossene Urteile (privates Komitee) oder einfach mal nach Gutdünken geschieht, sie der Gesellschaft überlassen.

    MfG

    PS: „private „Sicherheitsorgane““ würden heute viele Politiker als Terroristen bezeichnen.
    Übrigens steht/stand auch heute schon (und auch „damals“) für jede Obrigkeit der Mensch im Mittelpunkt, nämlich das eigene Ich.

  8. Ich habe mein Auto in die Garage gestellt und abgemeldet und bin auf das Fahrrad umgestiegen.
    Ich habe das Auto nicht verkauft, denn dies würde Geld bei den Banksters bewegen, oder jemand würde einen Kredit aufnehmen und damit neues Geld produzieren.
    Ich backe mein Brot selbst.
    ich kaufe nur FairTrade Schukolade.
    Kein Nestle.
    Kein Supermarkt.
    Kein Benzin.
    Niemals in den Urlaub Fliegen.
    So wenig wie möglich Geld benutzen.
    Nicht benötigtes Geld von der Bank in Bar abheben und verbrennen.
    Den Geldkreislauf nachhaltig stören wo es nur geht.
    Alle Konten auflösen, max eins behalten.
    Alles in Bargeld machen.
    Kein Paypal, keine Kreditkarten, kein virtuelles Geld.
    Kein westlicher Luxus.
    Nichts von globalen Konzernen kaufen.
    Cola, Nestle, Ferrero, Mäcces etc.pp. meiden.
    Kein Fisch aus dem Ozean essen.
    Kein Huhn essen das man nicht selbst aus einer kleinen Zucht bei einem Bauern gekauft hat.
    Nichts essen was Palmöl enthält.
    Niemals Soldat werden.
    Niemals für einen Konzern arbeiten.
    Niemals eine Waffe zum töten benutzen.
    etc.pp.
    etc.pp.
    etc.pp.

    Wer seine Produkte nicht verkauft der existiert nicht.
    Die Konzerne und Bankster würden von heute eingehen und krepieren, wenn der VERBRAUCHER seiner VERANTWORTUNG wahrnehmen würde.

    Prost

  9. Geistes- und Energiepotential sind der Antrieb aller Prozessabläufe auf der Erde. Wer über große Geldvermögen verfügt, verfügt i. d. R. auch über hohe Geistes- und Energiepotentiale. Wer über hohe Geistes- und Energiepotentiale verfügt, der bestimmt auch maßgeblich die Prozessabläufe auf der Erde.

    Das Verhalten der/des Menschen wird tonangebend von diesen Prozessabläufen bestimmt. Unstimmige Prozessabläufe verursachen Missstände, die wiederum ihrerseits zu Fehlverhalten in und zwischen den Gesellschaften führt. Fehlverhalten, das Leid und Unrecht bringt.

    Fazit: Wer das Leid und das Unrecht auf unserer Erde bekämpfen bzw. beseitigen will, der sollte die Menschen in einem offenen Wettbewerb führen. Sie dazu auffordern, ihre momentanen Prozessabläufe zu erklären – sie möglicherweise in Frage zu stellen. Er sollte die Menschen nach Alternativen suchen lassen, die dazu taugen, die Prozesse stimmig/er ablaufen zu lassen.

    Fakt ist: Stimmige Prozessabläufe führen zu einem stimmiges Verhalten – in und zwischen den Gesellschaften.

    Eckhard Bock IKS Hessen

  10. Ein sehr guter Artikel. In ihm habe ich viele Gedanken gefunden, welche mir ebenfalls im Kopf rumschwirrten. Für mich gibt es eigentlich nur eine sinnvolle Geisteshaltung und zwar die des Humanismus. Jedoch auch unter Einbezug der Umwelt. Philosophie, Soziologie, Psychologie bringen einem beruflich nicht außerordentlich weit, aber sie erklären einem die Welt, sowie den Menschen in seinem Handeln und Denken, die daraus resultierende Erkenntnis sollte die Rahmenbedingungen schaffen für Wirtschaft und Politik. Der Kapitalismus schenkt dem Humanismus keine Beachtung und zwingt jedem seinen Willen auf. Der Wahnsinn des „immer- noch- mehr“, wie es Stéphane Hessel beschrieben hat in seinem Buch „Empört Euch!“. Menschen wie Sigmund Freud, Erich Fromm und Richard Sennett sind fast in Vergessenheit geraten und das obwohl ihre Erkenntnisse mehr als aufschlussreich sind in unserer heutigen Zeit. Sie zeigen Begleiterscheinungen des kapitalistischen Systems und ihre katastrophalen Auswirkungen auf uns Menschen. Ich habe ein Blog, welcher mir als Ventil und Sammelbecken meiner Bedenken dient. http://2012missionphoenix.wordpress.com/ Würde mich freuen, wenn ich Sie als Leser gewinnen könnte.

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