DIE PILLE UND MEHR

DIE PILLE UND MEHR
KurzTexte von Ines Fritz

FÜNFZEHNTE FLASCHENPOST AN DIE NACHGEBORENEN

Die folgenden drei Kurztexte von Ines Fritz aus/in Madgeburg/Elbe, einer im Selbstverständnis streitbaren linken Autorin anarcha-feministischer Richtung, erinnern in dichter Beschreibung in doppelter Weise an öffentlich Verdrängtes sowohl aus den späten DDR-Jahren und ihre Folgen als auch an Segmente der versteckten Gesellschaft im Sinne des norwegischen Soziologen Vilhelm Aubert („The Hidden Society“ [1965]).

Den „Nachgeborenen“ werden in Form kurzer Texte scheinbar-alltägliche Banalitäten mitgeteilt über Sexualität im Schülermilieu der weiland DDR, über Frauen und die „Frauenfrage“ und über den Geschlechter­zusammenhang in der Nutzungsweiseöffentlicher Toilettenanlagen. Ines Fritz´ Textmignetten erinnern nicht nur ans bekannte Dictum Siegfried Kracauers („Der Ort, den eine Epoche im Geschichtsprozeß einnimmt, ist aus der Analyse ihrer unscheinbaren Oberflächenäußerungen schlagender zu bestimmen als aus den Urteilen der Epoche über sich selbst“ [1927]). Sondern weiterführend auch besondere mikrohistorische Forschungen anregen: Immer dann, wenn es keine anderen wesentlichen Quellen gibt (so schon der italienische Soziologe Vilfredo Pareto, Tarattato di sociologia generale I, ²1923 -> http://www.duckhome.de), können auch "fiktionalliterarische Werke, Märchen und ähnliche Schriften" von zunächst geringe(re)m Quellenwert wichtig(er) werden und "von großem Wert" sein, "um uns mit den Gefühlen vertraut zu machen; und manchmal ist ein indirektes Zeugnis in dieser Form wichtiger als ein direktes Zeugnis […] und vermittelt uns eine bessere synthetische Vorstellung als direkte, vielfältige und verwirrende Zeitzeugnisse.“

Damit widerspreche ich als unabhängiger plebejischer Link(sintellektuell)er selbstbewußt der kürzlich von Professor Georg Fülberth (junge Welt: 24. November 2010) vertretenen doppelt falschen Ja-Nein-Vorstellung von „Erinnerung“ mit klarem Jein und Jaber: Ein Korn ist ein Korn ist ein Korn, Körner sind Körner und keine Haufen“ (Richard Albrecht: Aufklärung und Kritik, 14 [2007] 2: 295-296 -> http://ricalb.files.wordpress.com/2009/07/korntext.pdf) – Es gibt sowohl Drittes als auch Viertes: Erinnerungen und Vorstellungen vergangener Zeiten und ihrer alltäglichen Lebensweisen als künstlerische Bilder und als wissenschaftliche Begriffe. Eines dieser vergangenen Bilder scheint als Bild einer Vergangenheit beispielsweise in Ines Fritz´ erstem Kurztext DIE PILLE spurenhaft auf und verweist zugleich auch darauf, daß – vielleicht schon im nun begonnenen nächsten Jahrzehnt – Literatur in Ganzdeutschland nicht wie gegenwärtig eine delectarisch so spannungslose wie prodessisch so dumpfe "gediegene Mittelstandsparty" (Ursula März: Die Zeit, 7. Oktober 2010) bleiben muß … auch wenn, zugegeben und weder als richtungsweisend noch als ermutigend zu bewerten, die Steigerung von literarischem Müll 2009 sogar für nobelpreiswürdig erklärt wurde. Freilich gilt auch hier: Das letzte, was Du verlierst, ist immer die Hoffnung: La esperanza es lo último que se pierde … und daß Du, wenn Du den letzten Weg gehst, nie sagen sollst: No digas nunca que esta senda es la final …

Die Autorin der folgenden literarpublizistischen Mignetten, Ines Fritz, ist Anfang vierzig, lebt in Madgeburg/Elbe und engagiert sich sowohl in der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union Madgeburg (FAA -> http://faumagdeburg. blogsport.de/) als auch im dortigen Libertären Zentrum (LIZ -> http://squatmagdeburg.blogsport.de/). Die Autorin betreibt seit 2008 ihre Netzseite Isis-Welt (-> http://isis-welt.blog.de/) und schreibt für die Berliner Zeitschrift „Das Blättchen“ (-> http://das-blaettchen.de/). [Dort wurden auch zwei der (hier von der Autorin geringfügig bearbeiteten) Texte erstveröffentlicht;] e-Post -> inesfritz[at]alternativ.net [ra]

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DIE PILLE UND ANDERE ENTHEMMER

Bevor ich enthymisiert wurde, nahm ich schon die Pille. Meine Mutti erklärte mir, dass die auch gegen Pickel hilft und gegen Regelschmerzen. Außerdem kostet sie nichts. Vati kennt sich mit Frauenfragen nicht aus. Dass es nichts kostet, fand er gut. Während unserer Mutter-Tochter-Gespräche, zeigte sie mir „Einlagen“, die aussahen wie „Surfbretter“ und wo die Yvett Intim Waschlotion steht. Vati war da bestimmt im Garten oder Abwaschen. Aber Mutti hatte Ahnung, und ihre Frauenärztin war dann auch meine. Eine kräftige Frau mit zupackenden Händen. Ihre Praxis hatte sie in einer Parterre-Wohnung im Nachbarblock.

Überhaupt sei die Pille gut, schadet nicht und nütze nur, so hieß es. Mein Freund sagte das auch. Er war schon in der 10., sah im Halbdunkeln aus wie Pierre Cosso in „Cinderella ´80“ und hatte eine blau und gelb lackierte ETZ 125, sehr schick, sehr auffällig und sie röhrte dazu. Manchmal fuhren wir einfach in den Sonnenuntergang, aber häufiger verbrannte ich mir beim Absteigen am verchromten Auspuff den nackten Unterschenkel. Stolz führte ich dann meine Brandwunden in den Hofpausen vor und erklärte ausführlich deren Herkunft. Während des Unterrichts lernten wir auch wie man Kinder macht und – sehr wichtig – zu verhüten. Wir lernten auch, wie man sich selbstverwirklicht, nach sozialistischen Werten. Die Darstellungen zur Anatomie der Geschlechtsorgane eines normgerechten DDR-Bürgers waren simpel, die Texte eingängig und das Wissen überschaubar, wie alles in der DDR. Man sagte im öffentlichen Sprachgebrauch Scheide und Penis und im Privaten Muschi und Pullermann und kannte alles in Natura und aus nächster Nähe, eben vom FKK, aus der Umkleide, der Funzel und aus dem Magazin. Scham war selten, Nacktheit und Zoten alltäglich, wir waren eben aufgeklärt. Aber von der Liebe wusste ich nichts, auch nicht um deren Fehlschläge. Vor dem Probieren in der Liebe hatte aber auch ich keine Angst. Der Pille und dem Kinderbuch Verlag Berlin haben wir Schlüsselkinder die sexuelle Freiheit zu verdanken. Auch wusste ich, dass man es immer jemandem sagen kann, wenn einem etwas Schlimmes passiert, den Eltern, dem ABV, dem Pionierleiter oder dem FDJ-Sekretär. Aber eigentlich dachte ich, die wüssten sowieso alles und würden es schon irgendwie verhindern.

So wirklich schlimme Sachen gab es bei uns auch nicht. Weder zuhause noch in der Schule. Einmal munkelte man, eine aus der zehnten wäre schwanger, aber sie war es dann irgendwie doch nicht. Später erfuhr ich, dass es Abtreibungen auch umsonst gab. Darüber redete aber niemand gern. Meine Eltern nie. Beide arbeiteten in Schichten. Meine Mutter im staatlichen Wochenheim, mein Vater im Schwermaschinenbau, dem Thälmannwerk. Die Hausarbeit teilten sich beide, Vater das Grobe, Mutter die Feinheiten. Vater lebte und arbeitete mit einem weißen Unterhemd, Mutti im pastellfarbenen Baumwollkittel, manchmal auch aus geblümten Dederon. Tanzabende und Theater gab es für sie selten, ich war ein verwöhntes Kind. Aber zwischen Vatis Aufbruch in die Spätschicht und Muttis Ende der Frühschicht, lagen fast genau zwei Stunden Langeweile. In denen stöberte ich am liebsten in Schränken. Auch im Schlafzimmerschrank, ganz oben und ganz hinten. Kein Weihnachtsgeschenk war vor mir sicher. Und kein Buch öde genug, um nicht durchblättert zu werden. Trotzdem glaubte ich jedem „Geheimtip“ unter Pickelgesichtigen und schmierte mir auch mal Perlodont auf die Stirn und fönte die weiße Schicht bröckelig. Erfolglos.

Ich glaube, meine Eltern wussten von meinen Hobbys, also mindestens von einem, dem Lesen der Bücher aus der elterlichen Minibibliothek. Irgendwann – und ich glaube, es war kein Zufall – fand ich ein buntes, schmales Buch: Denkst du schon Liebe? Ich stöberte prompt und nun war die Liebe kein Geheimnis mehr, dachte ich. Mit der Pille war ich auf der sicheren Seite und mit Mondos konnte er umgehen, hoffte ich. Wahrscheinlich würde es bluten und mir ein bisschen wehtun, aber später wird es dann auch für mich richtig schön, hoffte auch mein Freund. Ich begriff noch nicht, dass es dabei auch irgendwie um mich gehen wird. Wir machten es dann im Schlafsack beim Lagerfeuer am Baggersee. Und nun müsse ich auch bei ihm bleiben, weil er mich entjungfert hatte. Ich fand das damals sehr romantisch. Den ersten Mann vergisst keine Frau, aber ich wusste da leider noch nicht, dass ich nun auch eine war. Von sozialer Bedingtheit sexueller Beglückung wusste mein Freund leider nichts. Und mir war die „die vollzogene Gleichberechtigung von Mann und Frau in unserer sozialistischen Gesellschaft“ immer noch ein Rätsel: An der Werkbank: ja – aber im Bett?

Ich schlief mit ihm, da war ich noch ein Thälmannpionier. Aber eben dank DDR-Aufklärungslektüre nicht, weil er so wollte, sondern um ihm meine Liebe zu beweisen. Und es konnte ja auch nichts passieren. Pickel waren die schrecklichsten Angstgegner meiner Pubertät und Zahnpasta der Sieger. Geliebt zu werden war auch in der Polytechnischen Oberschule Herman Danz das Wichtigste für Mädchen und Sex eben die Lösung. Gegen alle sonstigen Risiken gab es ja die Pille. Verhindern konnten meine sexuellen Experimente weder die FDJ noch meine Eltern, aber niemand musste sich mehr Sorgen machen, von denen ich noch nicht wusste, dass es sie überhaupt gab.

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DIE FRAUENQUOTE

Ich hatte mal ´n Freund. Sehr schöner Mann. Groß, schlank, dunkel, sportlich, graumeliertes, kurzes Haar, wunderbare Brummstimme, Stoppelbart, alles in allem ´ne Wucht mit Tüte. Er hat Politik studiert. Und Soziologie. Und Germanistik. Irgendetwas davon brachte er auch bis zu ´nem Abschluß. Als ich ihn kennen lernte war er Doktorand. Als er Colloquium sagte, bekam ich einen Ohrmuschelorgasmus. Er war auch sonst sehr klug, und auch links, wenn auch so westlinks, also Marxist light. Politisch nicht ganz mein Ding, aber geht eben noch. Gerade so. Sein IQ liegt bei 146, ließ er mich wissen, mehrfach, und auch jeden anderen. Er pflegte Widerspruch mit Phrasen wie „Apriori“ und „Ich habe das studiert“ abzubügeln, das war cool und klappte auch fast immer. Ich glaubte ihm sowieso jedes Wort sofort. Wir mochten ähnliche Musik (wenigstens das gleiche Genre), wir mochten scharfes Essen (und manchmal aßen wir gemeinsam), wir mochten beide gute Bücher (ich las sie, er meckerte darüber) und wir liebten beide ihn. Er war toll, sehr speziell, was Besonderes. Ich hätte ihm alles verziehen, selbst den Marxismus, nur eines nicht: Dummheit. Dumme Männer sind sexuell zu unattraktiv.

Aber es kam wie es kommen musste, mit vierzig beginnt der Ernst des Lebens: Raus aus dem Kapuzenpulli, rein ins Berufsleben. Er musste sich bewerben, maximal halbtags, aber ausgerechnet im öffentlichen Dienst. Die Chancen standen nicht schlecht, sein zukünftiger Chef war zugleich sein bester Freund. Trotzdem brauchte er drei Tage Bedenkzeit, endlich seine Bewerbung abzusenden. Natürlich per Email.

Noch am gleichen Tag rief er mich an und erzählte mir seine Ängste. Davon, dass er den Job bestimmt nicht bekäme, er überqualifiziert sei (das sagte eigentlich ich) und dass er immer Pech habe. Dass zumindest ihm diese Angst kommt, wußte ich vorher, er ist ein Schwarzseher. Dass er mich darum anrufen würde, ahnte ich nicht. Ich versuchte, zu beschwichtigen und riet ihm, erstmal abzuwarten, bis er die Ablehnung in der Hand hielte, um dann eben Recht zu behalten. Und vielleicht wird es ja auch ´ne Zusage. Es sollte ein Witz sein. Er lachte nicht. Aber er erzählte mir, warum man ihn nicht nehmen wird, denn er ist ein Mann und im Öffentlichen Dienst – vorsorglich hielt ich den Hörer vom Ohr – gäbe es eine Frauenquote. Beim Wort Frauenquote hob er seine Stimme und ich wurde still. Frauenquote klang bei ihm schon im Ruhezustand etwas zu spitz. Über meine Bemerkung, dass er mir das hätte vorher sagen müssen, das mit dem Mannsein, lachte wieder nur ich. Über seinen latenten Machismo war ich bereits informiert. Er aber bemühte sich, mir zu erklären, dass das eben so üblich sei, Männer abzulehnen, weil sie Männer sind. Ich bemühte mich anzudeuten, dass es daran liegen könne, dass es zu viele Bewerber auf zu wenige Stellen gibt und darum sicher auch Frauen Ablehnungen bekommen, die dann aber kein Suspensorium enger schnallen und auf Weiber schimpfen … und ich wurde übertönt: „DISKRIMINIERUNG“ schnarrte er ins Telefon. „ÜBERVOLLER ARBEITSMARKT“ plärrte ich zurück. Dann legten wir auf und ich unsere Beziehung ad acta. Den Job hat er dann bekommen, meine Achtung vor ihm ging für immer verloren. Wir trennten uns recht bald. Er hatte jetzt viel zu tun und ich wenig Zeit.

Allerdings hatte es auch was Gutes: Er hat gelernt, vor zehn Uhr morgens aufzustehen und ich, wie man effektiv flirtet. Die Frage nach der Frauenquote gehört jetzt zu meinem Standardflirtrepertoire. Dabei bin ich nicht mal dafür. Ich finde eine Elternquote wichtiger. Aber ich möchte mich mit keinem Mann kontinuierlich streiten müssen, der gegen Frauenquoten ist, weil er zu blöd ist, sie zu begreifen.

Auch wenn er noch so hübsch ist.

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DER CHRISTOPHER-STREET-DAY

Neulich war ich beim CSD in Magdeburg. Die Schwulen und Leben engagieren sich für eine Erweiterung des Artikels 3 des Grundgesetzes um der Diskriminierung wegen der sexuellen Identität ein Ende zu setzen. Das ist ´ne gute Sache und es geht uns alle an. Inhaltlich steh ich voll dahinter. Meine sexuelle Identität ist nämlich die einer Männer mordenden (oder verachtenden, je nach Gusto) Alleinerziehenden, die vom Sex immer noch schwanger werden kann, aber davon langsam die Schnauze voll hat. Und dann wundere ich mich immer über die Schlange vor dem Damenklo. Von Unisextoiletten wollten die da auch nun nichts wissen. Und von Scham beim unzüchtigen Techtelmechteln auch nicht. Komisch fand ich darum, wie sexy Schwule und Lesben feiern. Aber die können ja auch.

Ansonsten traf ich nur nette Menschen, erlebte eine schöne Feier und fand es wichtig, dabei zu sein. Ich geh ja auch gern mal aus. Getroffen habe ich auch ein paar Leute, die wohl nicht getroffen werden wollten. Manche habe ich gegrüßt, andere mich nicht. Selbstredend musste dann auch die After-Show-Party im Gummibärchen sein. Zu viert zogen wir los, bunt gemischt – von allem was: haarmäßig, altersmäßig, personifizierte Milieuverirrungen.

An der Bar traf ich auf einen adretten, jungen Mann: weißes Hemd. Lederarmband am Handgelenk, schicke Brille mit rotem Gestell. Er hieß Rönäh. Wahrscheinlich war er schwul und ich darum sehr mutig: „Ist das hier immer so voll?“ Eigentlich sei es leer, meinte er. Ich saß im ersten Fettnapf und schob es auf den Alkohol. Aber er wusste schon: es war ja CSD, Feiern erlaubt. Feiern – war sowieso mein Stichwort. Da konnte ich dann wieder mitreden und hatte auch Eindrücke zu schildern, vom wenig subtilen Sex, der da so überall mitschwingt und dass ich das ein bisschen viel finde. So als Ossi ist man eben anders, da findet Sex weniger öffentlich statt. Man zeigt ihn nicht, sondern hat ihn. Mir ist darum ganz gleich, wer sich da knutscht, wenn ich ´ne Zunge sehe, fühle ich mich wie ein Voyeur. Für ihn sei das ganz normal, so unter Schwulen, und im Osten werde das versteckt. Im Köln gehört das schwule Leben dazu wie eben der Karneval. (Gut, mein Kopf war aus der Schlinge, ich mag ja auch keinen Karneval, dann bin ich also nicht homophob sondern nur ein Spießer.) Aber hier im Osten, holte er aus, gibt es ja auch so viele Nazis und die wirkten dann doch schon bedrohlich und die Schwulen-Szene sei klein, die Treffpunkte begrenzt. Nicht schön, das alles. Dafür hatte ich bedauerndes Verständnis. Geht uns Linken nicht anders: Wir suchen eben auch ein libertäres Zentrum. Nur ohne Dark-room. Aber wer weiß das schon. Dann unterhielten wir uns über Beziehungen, da konnte ich wieder beherzt mitreden. Dachte ich. Mein neuer schwuler Freund konnte aber nicht verstehen, warum ich mir nicht nehme, was ich will, so wie er denkt, dass ich es müsste, um so zufrieden wie er zu sein. Nachts, auf dem Rastplatz. Daß ich das Schwanger werden verhindern kann, ist mir nicht neu und ein oft gehörter Rat, aber dass ich das Verhüten nicht will, ohne dennoch dauernd Kinder zu kriegen, verstand er nicht. Wie auch? Ich- als Frau – mag dieses Wissen um Fruchtbarkeit und Verantwortung und will das nicht weg hormonen, so wie ich auch keine Drogen nehme, obwohl mir manchmal das Herz wehtut. Ich bin gern eine erwachsene Frau und dazu gehört, dass ich überlege mit wem und wann und wie ich schlafe. Über das Warum streite ich mich nicht, sondern höchstens um das Wie. Er wusste nur viel über das Wo und wohin man gehen muß, für so ´n Quickie. Er könne – anders als ich – zwischen Sex und Liebe trennen und ich fand es schade, denn das heißt auch zwischen Sex und Verantwortung zu unterscheiden. Aber das ist mehr so´ne Frauensache und Männern kaum vermittelbar. Leider.

Aber wenn ich mal ´nen wasserfesten Stift mit habe, weiß ich, was ich auf die Klotür in der nächsten Schwulenbar schreibe:

Die Wegmanipulation der vollmenschlichen Eigenschaft “mütterliche Fruchtbarkeit” greift die Frau in ihrer Seelenebene an und verletzt sie schwer.

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© Autorin (2011)

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