Siedler erfinden neue Strategien, um die palästinensischen Nachbarn zu verscheuchen

Von Amira HassHaaretz
Übersetzt von Ellen Rohlfs

Einige Siedler wenden eine neue Strategie an, um Palästinenser von ihrem Land im nördlichen Jordantal zu vertreiben, hat Haaretz erfahren. Eine Anzahl von Siedlern, zum Teil Bewohner der Siedlung Maskiot, setzten ein Protestzelt neben das eines Beduinenhirten in der Nähe von Wad el-Maleh auf privates palästinensisches Land. Nachdem sich die Palästinenser bei der Zivilverwaltung beklagten, wurden den Israelis und den Palästinensern Anordnungen ausgehändigt, die dieses Gebiet zur geschlossenen militärischen Zone erklärt. Unterzeichnet war es vom Brigadekommandeur Yochai Ben-Yishai.

Die Israelis verließen das Gebiet. Auch die Palästinenser, die seit 40 Jahren dort lebten. Sicherheitskräfte sagten zu Haaretz: obwohl die militärische Anordnung nur eine vorläufige sei und verhindern wolle, dass es zu Reibereien zwischen der Beduinenfamilie und der Siedlergruppe kommt, waren die Palästinenser aus Angst vor den Siedlern nicht wieder zu ihrem Land zurückgekehrt. Mitglieder eines Komitees für allgemeinen Kampf im Jordantal fürchten, dass die Siedler dieselbe Methode auch an anderen Stellen anwenden werden.

Die Familie erzählte Aktivisten der Machsom Watch- Menschenrechtsgruppe, die den Ort am Dienstag und Donnerstag besuchte, dass die Siedler dort bis spät in der Nacht blieben, laute Musik spielten und dass der Hund der Siedler ihre Herde belästigte. Sie gingen zum örtlichen IDF-Distrikt-Koordinationsbüro, um sich zu beklagen, sagten sie. Aber beide – die DCO-Vertreter und Soldaten, die schließlich zu dem Ort kamen – sagten, dass die Siedler genau so lange dort bleiben könnten wie die Palästinenser.

Aktivisten von Machsom Watch sagten zu Haaretz, dass die Siedler selbst ihnen gesagt hätten, ihre Maßnahme sei ein „Protest“ gewesen, weil die Beduinen „ ihre Zelte überall, wo sie wollen, aufschlagen können“.

Am letzten Donnerstag kamen viel Militär, Polizei und Leute der Zivilverwaltung, um beiden Seiten die Anordnung zu überreichen. Einige anwesende Palästinenser protestierten gegen die Anordnung: einer wurde verhaftet, weil er – wie die Polizei sagte – einen Siedler angegriffen habe. Der Aktivist, der die Beschuldigung leugnete, wurde gegen Kaution freigelassen. Er muss innerhalb eines Monats vor Gericht erscheinen. Um die Mittagszeit schlugen die Palästinenser ihr Zelt ab und gingen dorthin, wo sie ihr Winterlager haben.

Der IDF-Sprecher veröffentliche folgende Antwort: „Keine der beiden Parteien hatten gutbegründete Ansprüche auf das Land. Um die beiden Parteien zu trennen und aus Sorge, Leben wäre gefährdet, veröffentlichte der Brigadekommandeur eine Order, dass dieser Ort mit ca. 50 m Radius für wenige Stunden ein gesperrtes militärisches Gebiet sei. Nachdem die Order herausgegeben war, verließen sie die Zelte, ohne dass Gewalt angewendet werden musste.

(Aus dem Englischen: Ellen Rohlfs)


Ellen Rohlfs ist Autorin des Buches: »Nie wieder!«? – Was geschieht eigentlich hinter der Mauer in Palästina? »Nur« Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder schleichender Völkermord? – Eine Dokumentation von Ellen Rohlfs«.
Zu beziehen bei der Autorin (Ellen.Rohlfs[at]freenet.de) gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro.


Besten Dank an Frau Rohlfs und dem Womblog!

Über Ellen Rohlfs

Ellen Rohlfs ist eine sehr engagierte Übersetzerin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Artikel über Palästina und Israel ins deutsche zu übersetzen.
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