Finanzkrise – Die zweite Welle kommt (I)
Von Michael Poost – aristo Blog
Die Finanzkrise wurde und wird oft mit einem Tsunami verglichen. Von derartigen Vergleichen halte ich nichts. Ein Tsunami ist ein nicht vorhersehbares Naturereignis. Die Finanzkrise war und ist das nicht. Was jedoch sowohl auf einen Tsunami, als auch auf die Finanzkrise zutrifft, ist die zweite Welle.
Bei einem Tsunami ziehen sich die Wassermassen nach der ersten zerstörerischen Welle zurück. Es herrscht Ruhe. Aber diese Ruhe ist trügerisch, ja verlockend. Man spaziert, wenn man die erste Welle überlebt hat und die Angehörigen wohl auf sind, in Richtung Strand. Um einem einmaligen Naturschauspiel bei zu wohnen. Die ersten Freudentänze werden aufgeführt. Sei es aus Dankbarkeit, die Welle überlebt zu haben, sei es aus Freude, weil man die Liebsten um sich hat.
Das hat nichts mit der Finanzkrise gemeinsam. Wenngleich die Hütchenspieler schon wieder aktiv sind, als wäre nichts passiert. Es gibt aber eine Gemeinsamkeit. Die Ruhe. Und, ein Tsunami kehrt nach der ersten Welle wieder. In Form einer zweiten zerstörerischen Welle und reißt die Menschen am Strand mit sich, die sich schon in Sicherheit wähnten.
Die zweite Welle der Finanzkrise kommt erst noch. Sie wird gewaltiger werden als die erste Welle. Sie wird den letzten kümmerlichen Rest von Vertrauen auffressen. Vertrauen in Politiker, Manager, Medien und Berufsoptimisten. Die Experten, die fast in jeder Talkshow auftreten, wird die Ahnungslosigkeit im Gesicht stehen.
Politiker werden wieder starke Sprüche verbreiten, weil man hinter diesen Unfähigkeit am besten verbergen kann. I do it like Bohlen, werden sich manche sagen. Sie werden wieder den hohlen Spruch vom Gürtel predigen, denn man nun enger schnallen müßte. Die Rattenfänger warten schon. Und auch diesmal werden die „Ich-habe-es-schon-immer-gewußt- Menschen“ in Shows, Interviews etc. auftreten.
Sie werden sich fragen, wovon ich rede. Ich rede von dem größten Betrug seit der Wiedervereinigung. Die Wiedervereinigung hat aus Unternehmen, die Transferleistungsbezieher waren, Schuldner gemacht. Aber um konkret zu werden, ich rede von Mortgage Backed Securities. Sie haben eine Lebens- oder Rentenversicherung? Dazu später mehr. Mortgage Backed Securities sind besicherte Anleihen, also durch Vermögenswerte gesicherte Wertpapiere, deren Bargeldflüsse durch die Zins- und Tilgungszahlungen eines Pools von grundpfandrechtlich gesicherten Forderungen getragen werden. Im Gegensatz zu Pfandbriefen erscheinen sie nicht in der Bilanz der originierenden Stelle (zum Beispiel eine Bank), da diese den Pool der deckenden Vermögenswerte zur Durchführung der Verbriefung an die ausgebende Stelle (eine Zweckgesellschaft) überträgt.
"Commercial MBS (CMBS) sind durch Gewerbe- und Mehrfamilienimmobilien (wie etwa Wohnanlagen, Einzelhandels- oder Bürogebäude) besichert. Die Eigenschaften dieser Darlehen variieren. Während die längerfristigen Darlehen (5 Jahre oder länger) häufig feste Zinssätze und Beschränkungen auf vorzeitige Tilgungen haben, gibt es kurzfristigere Darlehen (1-3 Jahre) normalerweise mit variablem Zinssatz und freier vorzeitiger Tilgung.
Da Hypothekenschuldner vorzeitig tilgen können, sind die Geldflüsse im voraus nicht bekannt und können nur geschätzt werden. Diese vorzeitige Tilgung wird als Prepayment bezeichnet und stellt ein Risiko für MBS Investoren dar."
Quelle siehe oben.
Zugegeben, das ist leicht schwer verständlich. Im Klartext, Banken etc. haben dutzende von Zweckgesellschaften. In diesen Gesellschaften schlummern Risiken ungeahnten Ausmaßes. Doch diese Zweckgesellschaften haben nicht nur Banken, sondern auch Versicherungen, Hedgefonds etc.
Ich zitiere eine aktuelle Zeitungsmeldung:
„Wegen des Problems der Gewerbeimmobilien-Kredite droht ein Rückschlag am Aktienmarkt“, sagt Jörg Märtin, der für Georgieff Capital deutsche Unternehmen bei Börsengängen und Kapitalerhöhungen berät. Selbst Börsen-Optimisten wie David Kostin, für US-Aktien zuständiger Stratege bei Goldman Sachs, hält US-Gewerbeimmobilien für „ein echtes und ernsthaftes Problem“. Immer mehr Kredite würden ausfallen, deshalb mache er sich Sorgen um die US-Regionalbanken.
„Das größte Problem ist die Unmöglichkeit, bestehende Kredite zu refinanzieren“, sagt Kostin. „Es gibt einfach keine Käufer für verbriefte Immobilienkredite.“ Wenn Banken Kredite verlängern würden, blieben sie also auf dem Risiko sitzen. Tatsächlich wurden in den zwölf Monaten bis November 2009 nur 48 Milliarden Dollar in verbriefte Immobilienkredite („Commercial Mortgage Backed Securities“, CMBS) investiert.
In den zwölf Monaten bis Oktober 2007 waren es dagegen 547 Milliarden Dollar — elf Mal so viel. Der Markt liegt am Boden. „Das Problem wird von den optimistischen Aktien-Investoren ignoriert, viele wissen nicht, was CMBS heißt“, sagt der ehemalige JP-Morgan-Banker Märtin. „Aber das kann sich schnell ändern. Vor zwei Jahren wusste auch kaum jemand, was Subprime-Immobilien sind.“ (Quelle)
Ich will keine Panik verbreiten, aber sollten Sie eine kapitalbildende Lebensversicherung oder eine Rentenversicherung haben, liquidieren. Legen sie das Geld in Metalle an. Für einen Risikoschutz genügt eine Risiko-LV.
Quelle: aristo Blog, Danke Michael.
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» Von SaarBreaker (1894) am Montag, 1. Februar 2010, 19:30 Uhr
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