Die NATO-Streitkräfte in Afghanistan sollen unter US-Kommando gestellt werden
Von STARS AND STRIPES
Übersetzt von Wolfgang Jung
Die US-Streitkräfte sollen im Herbst das Kommando über die NATO-Operationen im südlichen Afghanistan übernehmen, berichtete die Londoner TIMES. (s. http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/Afghanistan/article6987194.ece )
In einem am Donnerstag veröffentlichten Artikel meldete die Zeitung, dass die gegenwärtige Befehlsstruktur, die jährlich zwischen Großbritannien, den Niederlanden und Kanada wechselt – wobei der stellvertretende Kommandeur immer ein US-Amerikaner bleibt – durch zwei Divisionskommandos mit jeweils 30.000 Soldaten im Südosten und Südwesten ersetzt werden soll.
Das gegenwärtige System ruht auf den drei Nationen, die seit dem Einzug der NATO in Südafghanistan die meisten Truppen stellen; 2006 haben sie das Kommando von einer kleinen US-geführten Einheit übernommen. Durch die Ankunft von 21.000 US-Soldaten im letzten Jahr haben die britischen, niederländischen und kanadischen Truppen ihre Zahlenmäßige Überlegenheit verloren, und das Zahlenverhältnis wird sich noch weiter verschieben, wenn die in diesem Jahr erwarteten 18-bis 20.000 zusätzlichen US-Soldaten eintreffen.
Eine neue Befehlsstruktur würde auch den sich verändernden Realitäten Rechnung tragen. Die Niederlande, die insgesamt 2.160 Soldaten nach Afghanistan entsandt haben, wollen im August (2010) mit ihrem geplanten Abzug aus der Provinz Uruzgan beginnen und bis Ende 2010 alle Soldaten abgezogen haben. Kanada, das 2.830 Soldaten in Afghanistan hat, plant, seine Kampfeinsätze in der Provinz Kandahar ab Juli 2011 zu reduzieren und bis Ende 2011 seine Truppen abzuziehen. Höhere Repräsentanten beider Länder haben jedoch öffentlich angekündigt, dass ihre Truppen in der von der NATO geführten Koalition von 42 Staaten andere Rollen übernehmen könnten. (Karte s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP00610_050110.pdf )
Die TIMES meldete, dass der britische Generalmajor Nick Carter, der seit November 2009 die NATO-Streitkräfte im südlichen Afghanistan befehligt, seinen Posten bis zur Einführung der neuen Befehlsstruktur im Herbst behalten wird.
Offizielle des britischen Verteidigungsministeriums debattieren noch, ob sie für das geplante Regionalkommando Südwest einen regelmäßigen Wechsel der Befehlsgewalt fordern sollen, berichtete die TIMES. Das neue Kommando wird die Provinz Helmand umfassen, in der gegenwärtig etwas mehr als 9.000 britische Soldaten neben etwas mehr als 10.000 US-Marineinfanteristen eingesetzt sind. Wenn das neue Kommando eingerichtet wird, sollen die Zahlen auf 10.000 britische und 20.000 US-Soldaten angewachsen sein. Das britische Verteidigungsministerium wollte den Bericht der TIMES nicht kommentieren.
Die Zeitung hat auch gemeldet, (Generalmajor) Carter habe ein Statement veröffentlicht, in dem er die Ankunft weiterer 20.000 Soldaten im südlichen Afghanistan bestätigte und erklärte, über die Organisation der neuen Kommandos sei noch nicht entschieden.
Col. (Oberst) Wayne Shanks, ein Sprecher der NATO-Streitkräfte in Afghanistan, teilte mit, die NATO habe noch keine Entscheidung über die Befehlsstruktur im Süden des Landes getroffen.
(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen in Klammern und Hervorhebungen versehen.)
Kommentar von Wolfgang Jung
Die US-Streitkräfte nutzen den geplanten Abzug niederländischer und kanadischer Kampftruppen aus Afghanistan, um ihren ohnehin dominieren Einfluss auf die Operationen der Truppen anderer NATO-Staaten und sonstiger Koalitionspartner noch stärker auszubauen. Das geschieht nicht nur durch die in dem Artikel angekündigten US-Truppenverstärkungen im Süden, auch im Operationsgebiet der Bundeswehr im Norden wird die US-Präsenz verstärkt (s. http://www.welt.de/politik/ausland/ article5726145/USA-wollen-2500Soldaten-nach-Kundus-schicken.html ). Damit wird die Bundeswehr in Afghanistan vollends zur Fremdenlegion, die nur noch nach US-Befehl zu agieren hat. Deshalb darf der Bundestag keinesfalls noch mehr deutsche Soldaten nach Afghanistan schicken; unsere Volksvertretung muss endlich den von 71 Prozent der Bundesbürger geforderten Abzug der deutschen Soldaten aus diesem völkerrechts- und verfassungswidrigen US-Angriffskrieg beschließen.
Quellennachweis: Luftpost, Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein. http://www.luftpost-kl.de. Kommentare in kursiv und Anmerkungen in klammern wurden vom Verfasser eingefügt.
Ramsteiner Appell: Angriffskriege sind verfassungswidrig – von deutschem Boden darf kein Krieg ausgehen!
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» Von SaarBreaker (1894) am Dienstag, 19. Januar 2010, 20:41 Uhr
» read: 7612 · today: 18 · last: 19. März 2010
» Kategorien: Krieg und Frieden, NATO, Politik
» Tags: Afghanistan, Krieg und Frieden, Luftpost, NATO, Obama, Politik, USA, Völkerrechtsverletzung
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am Samstag, 23. Januar 2010 07:43
Zum Einsatz der Bundeswehr im Ausland mutet mich doch die Haltung der SPD seltsam an. Unabhängig davon verstehe ich nicht, was wir da zu suchen haben. Allerdings, als man an der Regierung war, war mal geil drauf Deutschland am Hindukusch zu verteidigen (SPD Politiker Struck) und jetzt diese Haltung. Das mutet mich doch seltsam an.