Mord an Palästinensern um ihrer Organe willen

Von Khalid Amayreh خالد العمايرة
Übersetzt von Einar Schlereth. Lektoriert von Fausto Giudice – Tlaxcala

BESETZTES OST-JERUSALEM –  Israelische Beamte und Sprecher haben auf eine führende schwedische Zeitung geschimpft, weil sie einen Bericht veröffentlicht hat, in dem es heisst, dass die israelische Besatzungsarmee Palästinenser ermordet, um deren Organe für Transplantationen jüdischer Patienten zu benutzen.

Die Boulevardzeitung Aftonbladet, eine der beliebtesten Zeitungen Schwedens, hat am Donnerstag, den 18. August berichtet, dass israelische Besatzungssoldaten palästinensische Jugendliche in Westjordanland ermordet haben, um deren Organe zu entfernen und zu verkaufen. Im Bericht wurde auch ein Foto gezeigt, das die Leiche eines Opfers einer solchen Hinrichtung zeigt, die eine lange Naht vom Kinn bis zum Bauch aufweist.


Bilal Achmed Ghanan, 19 J., wurde von israelischen Soldaten erschossen und abgeführt. Sein Körper wurde mit einer grosse Naht vom Bauch bis zum Kinn zurückgegeben. Foto: Donald Boström</STRONG< td>

Der Bericht zitiert die Familie eines der Opfer, die sagte, dass „unseren Söhnen ihre Organe gestohlen wurden“. Der Bericht stellt auch eine Beziehung zu dem jüngsten Korruptionsskandal in New Jersey her, in dem gewählte Volksvertreter, Rabbis und illegaler Organhandel eine Rolle spielen.

Der Autor des Berichts, Donald Boström, sprach von einem starken Verdacht unter Palästinensern, dass die Organe junger Palästinenser  von der israelischen Armee gestohlen werden. Er schlägt vor, dass der Internationale Gerichtshof in Den Haag eine Untersuchung dieser Angelegenheit einleiten sollte.

Ein Zeuge

Boström zitiert einen palästinensischen Zeugen, der einen Fall beschreibt, bei dem die israelische Besatzungsarmee einen jungen Palästinenser  aus einem Dorf in Westjordanland erschoss und dann seine Organe entfernte. Der palästinensische Zeuge heisst Bilal Ahmed Ghanan.

„Er wurde von einem israelischen Helikopter mitgenommen und fünf Tage später von der Armee zurückgebracht, tot. Als ihn seine Familie beerdigte, entdeckten sie eine grosse Naht, die vom Bauch bis zum Kinn reichte.“

Boström zitiert auch andere Augenzeugen, die angaben, dass ihre Söhne zwangsweise als „Organspender“ benutzt wurden.

„Ritualmordlegende“

Israelische Sprecher und Beamte des Aussenministeriums rasten und eiferten gegen Aftonbladet und bezichtigten die Massenzeitung, der „Ritualmordlegende“ zu fröhnen und „Zeitungsenten“ gegen Israel zu veröffentlichen.

Der israelische Sprecher Yigal Palmor, die schwedische Zeitung habe „die Dämonisierung Israels zu einer heiligen Sache gemacht“.

Andere israelische Beamte drohten, das schwedische Blatt wegen der Ritualmordlegende anzuklagen und behaupteten, dass der Bericht ein Ausdruck von Antisemitismus wäre.

Israel hat mit übertriebener Empfindlichkeit gegenüber der internationalen Kritik an seiner offensichtlich harschen Behandlung der Palästinenser  und dem schamlosen, mit dieser Behandlung verbundenen Rassismus reagiert.

Zu Anfang dieses Jahres hat die israelische Armee unter Verwendung von international geächteten Waffen einen massiven und tödlichen Blitzkrieg gegen die praktisch schutzlose Bevölkerung des Gazastreifens eingeleitet, bei dem tausende unschuldiger Zivilisten, einschliesslich hunderter Kinder getötet, verstümmelt und verbrannt wurden.

Menschenrechtsorganisationen beschrieben den gewaltigen Amoklauf mit Terror und Tod, der mehr als 20 Tage dauerte, als „eindeutiges Kriegsverbrechen“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ beschrieben.

Gleichermassen hat Israel tausende von unschuldigen Zivilisten in Westjordanland getötet, und viele der Opfer wurden für Autopsieoperationen in das forensische Institut von Abu Kabir geschickt.

Es ist jedoch nicht klar, ob die lebenswichtigen Organe dieser jungen Opfer immer beseitigt oder für Transplantationen jüdischer Patienten herausgenommen wurden.

Die israelische Armee, die in Israel einen ungeheuren Einfluss auf Politik und Justiz hat, widersetzte sich fast immer einer Untersuchung ihrer Operationen in Westjordanland, die unter extremer Verletzung internationalen Rechts, besonders der internationalen Menschenrechtsgesetze durchgeführt werden.

Präzedenzfälle

Im Januar 2002 gab ein israelischer Minister des Kabinetts stillschweigend zu, dass palästinensische Opfern entnommene Organe für Transplantationen an jüdischen Patienten ohne Wissen der Familien der palästinensischen Opfer benutzt worden sein könnten.

Der Minster Nessim Dahan sagte als Antwort auf eine Frage eines arabischen Knesseth-Abgeordneten, dass er weder verneinen oder bestätigen könne, dass Organe von durch die israelische Armee getöteten palästinensischen Jugendlichen und Kindern für Transplantationen oder wissenschaftliche Forschung entnommen würden.

„Ich könnte nicht mit Sicherheit sagen, dass dergleichen nicht geschähe.“

Es wird angenommen, dass der arabische Knesseth-Abgeordnete, der Dahan die Frage stellte, Ahmed Teibi war. Teibi betonte, dass er glaubwürdige Beweise erhalten habe, das israelische Ärzte am forensischen Institut von Abu Kabir derlei lebenswichtige Organe wie Herz, Nieren und Lebern von Körpern palästinensischer Jugendlicher und Kinder, die von der israelischen Armee in Gaza und in Westjordanland getötet wurden, entnähmen.

In einem Interview mit Al Jazeera Fernsehen 2002 klagte der verstorbene Yasser Arafat das israelische Apartheid Regime an, palästinensische Kleinkinder, Kinder und Jugendliche zu ermorden, um lebenswichtige Organe für Transplantationen zu entnehmen.

„Sie ermorden unsere Kinder und benutzen deren Organe als Ersatzteile. Warum schweigt die ganze Welt? Israel nutzt dieses Schweigen, um seine Unterdrückung und seinen Terror gegen unser Volk zu verstärken,“ sagte ein erboster Präsident Arafat.

In dem Interview, das am 14. Januar 2002 stattfand, hob Arafat Fotos von verstümmelten Kinderkörpern hoch.

„Ich bin nicht um mich selbst besorgt,“ sagte der Präsident, der unter Hausarrest stand, „sondern ich bin besorgt um das palästinensische Volk, das seit 15 Monaten im Belagerungszustand lebt.“

Israel hatte zugegeben, dass Ärzte vom L. Greenberg Institut für forensische Medizin in Abu Kabir Organe von drei palästinensischen Jugendlichen entnommen hatten, die von der israelischen Armee in der Nähe von Khan Younis getötet worden waren.

Nach 10 Tagen wurden die Leichen der drei Opfer ihren Familien zur Beerdigung ausgeliefert, denen Organe und selbst die Augen entfernt worden waren.

Israel hat niemals eine ernsthafte Untersuchung darüber und andere Vorkommnisse angestellt, bei denen die Entfernung vitaler Organe von Leichen palästinensischer  Opfer, die von der israelischen Besatzungsarmee getötet worden waren, im Spiel waren.

Laut dem Reporter Saira Soufan sind die illegale Entnahme von Organen von palästinensischen Soldaten und Freiheitskämpfern seit 1990 und davor dokumentiert.

„Nach Rückgabe der Körper der Soldaten an die trauernden Familien wurde die Plünderung von Körperteilen beim Prozess der Beerdigung entdeckt.

Die leeren Körperhöhlungen wurden mit Abfall wie Baumwolle, Gartenschläuchen und Besenstielen gefüllt, dann zusammengenäht als Ergebnis einer sogenannten Autopsie.“

Gelegentlich stehlen israelische Behörden auch Körperorgane aus Leichen von Touristen, die in Israel sterben.

Ein unveröffentlichter Vorfall ereignete sich 1998, als der Schotte Alistair Sinclair unter merkwürdigen Umständen in einer Gefängniszelle des Flughafens Ben Gurion starb.

Die Eltern von Sinclair strengten ein Verfahren gegen die israelischen Behörden an, nachdem sie herausgefunden hatten, dass das Herz und andere Organe ihres Sohnes fehlten.  Ersatzherz und -organe wurden seiner Mutter geschickt, die nicht glaubte, dass es diejenigen ihres Sohnes waren.


Quelle: der Autor-Murdering  Palestinians for their organs
Originalartikel veröffentlicht am 20.8.2009
Über den Autor
Einar Schlereth und Fausto Giudice sind Mitglieder von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.
URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8425&lg=de

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