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Wachstum ist kein Schicksal und schon gar keine Lösung

Von Jochen Hoff am Montag, 25. Mai 2009, 22:55 Uhr

Von Jochen Hoff | Duckhome

Nun reden sie wieder alle vom Wachstum. Selbst der Altbundeskanzler Schmidt stößt auf dem Evangelischen Kirchentag in das gleiche Horn. Wachstum soll die Wirtschaft und damit das Großkapital und die Banken retten. Selbstverständlich soll dann das Wachstum auch noch weiteres Wachstum erzeugen. Die Wirtschaft soll sich mit Wachstum sozusagen selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen. Eine niedliche Vorstellung.

Nach dem Ende des real existierenden Sozialismus wurde weltweit das Wachstum gepredigt, und alle Marktregeln wurden abgeschafft. Es kam zu Firmenzerschlagungen in großen Mengen, Arbeitsplätze wurden vernichtet oder verlagert, um noch mehr Wachstum zu erzeugen. Zusätzlich wurden die US-Amerikaner dazu animiert, immer mehr Schulden zu machen, um mehr konsumieren zu könne. Das Ergebnis ist bekannt. Die Weltwirtschaftskrise.

Es gibt zwei grundlegende Probleme, die ein ewiges Wachstum verhindern. Um zu wachsen, braucht man Kunden. Kunden brauchen Geld, um kaufen zu können. Zwar wächst die Weltbevölkerung immer noch, aber daraus entsteht kaum ein echtes Wachstum, weil dieser Zuwachs meist zu arm ist oder weitaus mehr Menschen verarmen, als zuwachsen.

Arme Leute sind aber keine Kunden. Das gilt eben auch für die chinesischen Wanderarbeiter, die zwar eine Scheinblüte erlebt haben, aber extrem wenig verdienen. Um sie aber zu wichtigen Kunden zu machen, müssten sie mehr verdienen. Verdienen sie mehr, sind ihre Produkte nicht mehr wettbewerbsfähig und das System bricht in sich selbst zusammmen.

Tatsächlich hat sich das Wachstum der Vergangenheit aus schlechter Entlohnung und höherer Verschuldung finanziert, und diese Art von Wachstum schwebt den heutigen Predigern des Wachstums weiter vor. Gleichzeitig wird der Lebenszyklus eines Produktes künstlich verkürzt. Eine Waschmaschine, die früher mindestens 20 Jahre hielt, ist heute so gebaut, dass sie spätestens nach vier oder fünf Jahren am Ende ist.

All diese Arten von Wachstum sind also nur ein Scheinwachstum. Ein echtes Wachstum lässt sich nur aus einem praktisch schuldenfreien bedarfsgerechten Konsum entwickeln, der zudem nicht durch gewollten Verschleiß angeregt wird. Wachstum gibt es also nur, wenn die bisherigen Armen zu Geld kommen und wenn der Bedarf an neuen Produkten durch Innovationen angeregt wird.

Zu den Dingen, die Wachstum fördern, gehört auch die Wiederherstellung von Qualität, wobei Qualität natürlich auch bedeutet, dass durch längere Produktlebenszyklen ein Teil dieses Wachstums wieder aufgefressen wird. Bis aber alle Güter durch langfristig haltbare Produkte ersetzt sind, gibt es einen großen Markt für etliche Jahre.

In diesen Jahren hat man Zeit, neue Funktionen zu entwickeln, die ihrerseits zu einem Neukauf animieren. Allerdings würden dazu völlig andere Manager gebraucht. Menschen die über ein Quartal hinaus- und bis in das nächste Jahrzehnt hineindenken können. Solche Manager werden aber heute gar nicht mehr ausgebildet. Schmalspurstudiengänge für Berufe, die nur kurzzeitig Bestand haben und dann wieder verschwinden sowie die neoliberale Ideologie, die verantwortungsvolles Denken unmöglich macht, stehen dagegen.

Tatsächlich ist natürlich die Politik schuld. Diese hat es längst aufgegeben, eigene Konzepte zu entwickeln, sondern lässt sich vom Großkapital wie Mohn/Bertelsmann, der INSM oder der Deutschen Bank die Gesetze schreiben, die dann von den Parteileitungen praktisch ungelesen durch den Bundestag geprügelt werden.

Die zur Zeit aktiven Politiker haben sich nicht nur das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lassen, sie könnten gar nicht mehr handeln, selbst wenn sie wollten, weil in allen Parteien nicht der freie Mandatsträger, sondern das gehorsame Stimmvieh in die Mandate geschoben wird. Selbst wenn diese Politiker wollten, wären sie unfähig zu eigenem Denken und selbstständigen Entscheidungen.

Die Parteien haben in einer Art und Weise Besitz von der Republik genommen, dass es fast aussichtslos scheint, etwas ändern zu können. Aber das ist nur der Anschein. Die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich täglich. Spätestens nach der Bundestagswahl wird es überall zu Massenentlassungen kommen, weil die Manager nicht genügend Verstand haben, eine Zukunft für ihre Unternehmen zu schaffen.

Es scheint jetzt schon feste Pläne in der CDU/CSU zu geben, harte Einschnitte ins Arbeitslosengeld und bei Hartz IV zu machen, während gleichzeitig die solidarischen Versicherungssystem weiter ausgehöhlt werden und den privaten Versicherern die Unglücklichen in Scharen zugetrieben werden. Die Unvernunft von Management und Politik und die unbändige Gier der selbsternannten neoliberalen Eliten werden eine revolutionäre Situation schaffen.

Die wichtigste Aufgabe ist, für diese Situation Konzepte und Vorgehensweisen zur Verfügung zu haben, die verhindern, dass ein blutiges Desaster geschaffen wird, in dem zwar einige der Verantwortlichen getötet werden, aber im Endeffekt die größten Kriminellen völlig unversehrt davon kämen. Es muss schnell eine freie Justiz geschaffen werden, die durchaus unter Verwendung der aktuellen Gesetze zum Handeln fähig ist, wenn man sie aus der Bindung an heutige Urteile entlässt.

Lügende Wissenschaftler begehen auch schon jetzt Betrug, genau wie Manager, die durch ihr Handeln Geld und Arbeitsplätze vernichten, auch heute schon haftbar wären, würde die Justiz sie anklagen. Dass Mehdorn, Zumwinkel, Ricke, von Pierer und viele andere frei rumlaufen, liegt nicht in erster Linie an den Gesetzen. Es liegt daran, dass die Gesetze nicht auf die herrschende Klasse angewandt werden.

Das zur Zeit real existierende Europa ist eine von Lobbyisten gesteuerte Bürokratie, deren Gesetze und Anordnungen niemandem nutzen, aber vielen schaden. Deshalb ist es sinnvoll, die EU und ihre Einflussmöglichkeiten zurückzufahren und den Nationalstaat zu stärken. Um aus der Schuldenfalle herauszukommen ist zu überlegen, ob man den Euro unbedingt behalten will, oder vielleicht nicht doch besser wieder zur D-Mark zurückkehrt.

Die sogenannte Globalisierung war ein Irrweg, weil sie nur dazu diente, die Interessen der Menschen gegeneinander auszuspielen. Die Chinesen, die ihre Äcker verließen um sich als Wanderarbeiter in den Billiglohnfabriken zu verdingen, haben alles verloren. Äcker und Arbeit. In Afrika weitet sich der Hunger immer mehr aus, und in Lateinamerika werden jetzt sogar die Äcker vernichtet, um Monsantos Gier zu befriedigen.

Der freie Handel ist eine wunderbare Sache, wenn er denn wirklich frei und fair ist. Die Produktionsbedingungen in Fragen des Umweltschutzes und die Produkthaftung müssen gleich sein. Damit sind viele Länder vollständig überfordert. Sie brauchten ein langsameres Wachstum, um ihre Infrastruktur und ihre Verwaltung anzupassen.

Ein weiteres Problem sind die sogenannten Global Player. Es gibt keinen sinnvollen Grund für derartige Riesenkonzerne. Zum einen verlieren sie wie Siemens oder General Motors jeden Bezug zu ihren Produkten und Mitarbeitern, zum anderen sind sie nicht wirklich in Richtung auf eine hochwertige Qualität, Langlebigkeit und Ressourcenschonung auszurichten, da ihr einziger Maßstab ein Gewinn ist, der eigentlich nur entsteht, weil in letzter Konsequenz völlig unethisch und verantwortungslos gearbeitet wird.

Großkonzerne bekommen zu leicht politisches Übergewicht und neigen dazu, Innovationen wegen der damit verbundenen Risiken abzulehnen. Deshalb sind sie meist ein Hemmschuh für eine schnelle fortschrittliche und innovative Entwicklung. Sie stehen damit auch dem möglichen Markterfolg kleinerer Unternehmen im Wege.

Die Börse ist kein Teufelswerk, aber sie muss komplett wieder in die Realität zurückgeholt werden. Alle Produkte, die nicht der Kapitalbeschaffung von Unternehmen dienen, müssen mit einer Börsenumsatzsteuer in Höhe der vollen Mehrwertsteuer belegt werden, die auch nicht verrechnet werden darf. Dividendenzahlungen bei Verlusten müssen verboten werden, während die Umwandlung von Gewinnen in haftendes Kapital steuerlich geschützt werden muss.

Inhabergeführte Unternehmen müssen einen starken steuerlichen Schutz zur Eigenkapitalbildung bekommen, da hier das persönliche Haftungsrisiko gegenüber dem von Managern geführten Unternehmen sehr hoch ist. Natürlich müssten direkte Wahlen und Abwahlen von Mandatsträgern und die Schaffung einer Verfassung auch in eine Planung für eine neue Republik einfließen.

Quelle: Duckhome

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