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Lieberose/Jamlitz – Spät, aber nicht zu spät

Von Jochen Hoff am Donnerstag, 23. April 2009, 8:44 Uhr

Von Jochen Hoff, Duckhome

Heute beginnt in Jamlitz (sorbisch Jemjelnica), das zum Amt Lieberose (niedersorbisch Luboraz) gehört, die Suche nach dem Massengrab, in dem die Waffen-SS 753 jüdische Häftlinge, die sie zuvor ermordete, verscharrt hat.

Das "Arbeitslager Lieberose", welches sich in Wirklichkeit in Jamlitz befand, war von der Waffen-SS als Außenlager zum KZ Sachsenhausen aufgezogen worden und diente dazu, der Waffen-SS Arbeitssklaven für die Errichtung des SS-Truppenübungsplatzes „Kurmark" mit Kasernen, Straßen und sonstigen Bauten zu verschaffen. Es war von Anfang an ein Vernichtungslager. Nur sollte dort nicht mit Gas vernichtet werden, sondern durch Arbeit.

Man schätzt, dass zwischen 6.000 und 10.000 Juden aus ganz Europa dort untergebracht waren, wobei die Hälfte dort verstarb oder nach Auschwitz-Birkenau zur Vernichtung gebracht wurde. Leider sind die Zahlen nicht genauer zu bekommen, da die Waffen-SS ihre Spuren gründlich vernichtete, und als das NKWD der Sowjetunion dort und in Oranienburg die Macht übernahm, wurden auch keine Spuren gesichert, da die Lager sofort wieder mit neuen Häftlingen gefüllt wurden, die meist genauso unschuldig wie ihre Vorgänger waren.

Es gibt auch keine Zahlen, wieviele Menschen in den Lagern des NKWD umkamen. Sicher ist nur, dass auch dort sehr viel gestorben wurde. Zur Zeit der DDR wurde 1971 bei Staakow ein Massengrab entdeckt, aber schon damals war klar, dass es auf dem Gelände in Jamlitza ein weiteres Massengrab geben musste. Auch hier gibt es die unterschiedlichsten Zahlen. Demnach sollen mindestens 1.500 Häftlinge nach Oranienburg getrieben worden sein, und die nicht gehfähigen 1.000 – 1.500 wurden erschossen und in zwei Massengräbern verbuddelt.

Da die DDR ihrerseits keine Anstrengungen machte, nach dem zweiten Massengrab zu suchen, konnte dies erst nach der "Wiedervereinigung" in Angriff genommen werden. Seltsamerweise weigerte sich der Besitzer des Grundstücks über lange Zeit, seine Erlaubnis zur Suche auf den ungenutzten Grundstücken zu erteilen. Erst Ende letzten Jahres konnte dank der jahrelangen Bemühungen der Lieberoser Verwaltung vor Gericht ein Kompromiss gefunden werden, der die Suche ermöglicht.

Natürlich kann es sein, dass die Suche nichts bringt, weil die SS ja auch das andere Massengrab in weiter Entfernung angelegt hatte, um keinen Verdacht auf sich zu lenken. Es gab aber Aussagen, die immer wieder darauf hinweisen, dass das Massengrab auf dem ehemaligen KZ-Gelände sei, da die Waffen-SS das Gebiet schnell nach Westen verlassen wollte. Bereits Anfang Februar stand die 1. Weissrussische Front bei Frankfurt/Oder und es war klar, dass die Russen diese 50 km schnell überwinden würden.

Aber selbst wenn das Massengrab dort nicht gefunden wird, muss die Suche weitergehen. Wir schulden den Opfern und ihren Angehörigen wenigstens ein anständiges Grab.

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» Von (68) am Donnerstag, 23. April 2009, 8:44 Uhr
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