Die zwei Arten von Piraterie in Somalia: warum ignoriert die Welt die zweite?
Von Mohamed Abshir Waldo, Journalist/Consultant
Zur Zeit stehen die Schiffsrouten in den somalischen Gewässern im Zentrum des Weltinteresses. Kriegsschiffe großer und kleiner Mächte versammeln sich in den somalischen Gewässern im Golf von Aden und im Indischen Ozean. Die vor kurzem erfolgte Kaperung des saudischen Öltankers und des ukrainischen Schiffs MV FAINA, beladen mit Waffen für Kenia, vor der Küste Somalias durch somalische Piraten erregte die Aufmerksamkeit der Medien. Folgerichtig wurde der Krieg gegen diese offenkundige neue Piraterie ausgerufen. Die bereits lange bestehende und Mutter aller Piraterien in Somalia hingegen – die illegale Fischerei durch Ausländer – in den somalischen Gewässern wird ignoriert. Das weist auf das falsche und einseitige Verständnis der internationalen Gemeinschaft bezüglich der verschiedenen untereinander verflochtenen Gegebenheiten hin, sowie auf die Unmöglichkeit, mit den vorgeschlagenen Methoden Wege zur effektiven Lösung der Bedrohung durch die Piraterie zu finden.
Ein Chor von Rufen nach härteren internationalen Maßnahmen führte zu einem multinationalen und einseitigen Marineaufmarsch mit dem Ziel, in die somalischen Hoheitsgewässer und Fischfangzonen einzudringen und diese zu kontrollieren. Der UN-Sicherheitsrat, von dessen Mitgliedern einige durchaus daran interessiert sind, ihre illegalen Fischereiflotten in den somalischen Gewässern zu schützen, verabschiedete die Resolutionen 1816 und 1838, quasi Freikarten für jedes Land, das einen Teil der somalischen Gewässer haben möchte. Sowohl NATO als auch EU erteilten entsprechende Befehle und Russland, Japan, Indien, Malaysia, Ägypten, Yemen und wer immer sich ein bewaffnetes Schiff mit Mannschaft einige Monate lang leisten konnte, gesellten sich zu diesem Haufen.
Jahre lang scheiterten Versuche, die die Bekämpfung der Piraterie auf den Meeren der Welt mittels UNO-Resolutionen zum Ziel hatten hauptsächlich daran, dass viele der Mitgliedsländer erkannten, dass derartige Resolutionen ihre Souveränität und Sicherheit schwer beeinträchtigen würden und sie die Kontrolle und Überwachung ihrer eigenen Gewässer nicht aufgeben wollten. Die UNO-Resolutionen 1816 und 1838, gegen die eine Anzahl von westafrikanischen, karibischen und südamerikanischen Ländern auftraten, wurden dann so zurechtgestutzt, dass sie nur mehr auf Somalia zutrafen, das über keine Vertretung bei der UNO verfügte, die stark genug gewesen wäre, um entsprechend für die Verteidigung der Souveränität aufzutreten. Die Widerstände aus der somalischen Bevölkerung gegen diese Resolutionen wurden ignoriert.
Die massive Invasion durch diese „globale Armada” findet unter dem Vorwand statt, die frequentierten Schiffshandelsrouten im Golf von Aden und im Indischen Ozean vor der somalischen Piraterie zu beschützen, die diese internationale Lebensader zu unterbrechen droht. Obwohl es zwei gleichermaßen widerliche, kriminelle, inhumane und ausbeuterische Piratenbanden in Somalia gibt, wird nur über eine davon in den westlichen Medien berichtet: die somalischen Schiffspiraten, die Handelsschiffe in den Gewässern attackieren, in denen auch die verbrecherischen Schwarzfischer aktiv sind.
Die illegale Fischpiraterie
Viel größere Schäden in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt und Sicherheit hat die massive illegale ausländische Fischpiraterie verursacht, die die Ressourcen der somalischen Gewässer in den letzten 18 Jahren nach dem Zusammenbruch der somalischen Regierung im Jahr 1991 ausgefischt und zerstört haben. Mit ihrer üblichen Doppelmoral in Afrika betreffenden Angelegenheiten tritt die „internationale Gemeinschaft” kräftig auf, um die somalischen Fischer, die als Piraten tätig sind, zu verdammen und ihnen den Krieg zu erklären, während sie insgeheim ihre schützende Hand über die zahlreichen illegalen, außerhalb des Lichts der Öffentlichkeit operierenden und sich an keine Gesetze haltenden (Illegal, Unreported, Unregulated – IUU) Fischereiflotten aus Europa, Arabien und dem Fernen Osten halten.
Einseitige UNO-Resolutionen, Befehle großer Mächte und Medienberichte sind weiter dabei, die Kaperung von Handelsschiffen durch somalische Piraten im Indischen Ozean und im Golf von Aden zu verurteilen. Wäre die Reaktion auf beide Landplagen ausgewogen und fair, wären diese Verurteilungen gerechtfertigt. Die Europäische Union, Russland, Japan, Indien, Ägypten und Yemen beteiligen sich gemeinsam an dieser Kampagne gegen die Piraterie, in erster Linie um ihre illegalen Fischereiflotten in den somalischen Gewässern zu decken und zu beschützen.
Warum wird in diesem Piraterie-Tamtam und in den Kampagnen die zweite Art der Piraterie, die IUU-Fischpiraterie ignoriert? Warum beinhalten die UN-Resolutionen, NATO-Befehle und EU-Dekrete betreffend die Invasion der somalischen Gewässer nicht den Schutz der somalischen Meeresressourcen vor den IUU-Flotten in eben diesen Gewässern? Diese skandalöse Fischpiraterie wird nicht nur missachtet, sondern die illegalen ausländischen Schwarzfischerflotten werden ermutigt, ihre Raubzüge fortzusetzen, da keine der Resolutionen, Befehle und Dekrete gegen sie gerichtet sind und sie unbeeinträchtigt in den somalischen Gewässern „arbeiten“ können. Die somalischen Fischer können jetzt nicht mehr die IUU-Flotten verscheuchen aus Angst, selbst als Piraten abgestempelt und von den ausländischen Marineschiffen angegriffen zu werden, die rechtswidrig die somalischen Gewässer kontrollieren. Sogar die traditionellen somalischen Handelsdhaus befürchten, für Piraten gehalten zu werden.
a.) IUU-Bedrohung und illegaler Fischhandel
Es besteht kein Zweifel daran, dass die IUU-Flotten ein ernstes globales Problemsind. Laut HSTF (High Seas Task Force – Hochsee-Überwachungseinheit) respektieren IUU-Flotten weder nationale Grenzen noch Souveränität, beuten Bestände, Meerestiere und Lebensräume rücksichtslos aus, untergraben Arbeitsbestimmungen und verzerren die Märkte. „IUU-Fischerei schadet dem Ökosystem Meer, da sie sich über die Regeln hinwegsetzt, die den Lebensraum Meer schützen sollen und Beschränkungen beinhalten betreffend den Fang von Jungtieren, den Schutz von Laichgründen und die Anpassung der Ausrüstung, um Fehlfänge möglichst zu vermeiden. … Dadurch stehlen sie eine außerordentlich wertvolle Proteinquelle von einigen der ärmsten Völker der Erde und ruinieren den Lebensunterhalt redlicher Fischer; das Eindringen von Fischdampfern in die küstennahen Gewässer, die dem herkömmlichen Fischfang vorbehalten sind, kann zu Zusammenstößen mit lokalen Fischerbooten, Zerstörung von Fischerausrüstung und zum Tod von Fischern führen,“ sagt HSTF. In dem Bericht „Das Netz schließen: die illegale Hochseefischerei beenden“ schätzt HSTF den Wert der illegalen IUU-Fänge auf 4 – 9 Milliarden US$, einen großen Teil davon aus Afrika südlich der Sahara, hauptsächlich Somalia.
Die IUUs verschleiern ihre illegalen Fänge durch schwimmende Fischfabriken, die auf See bleiben und dort umgeladen und versorgt werden. „Das heißt, dass Schiffe monatelang auf See bleiben können, wo sie betankt und mit Nachschub versorgt werden und die Mannschaft wechseln können. IUU-Fischdampfer brauchen nie einen Hafen anzulaufen, da sie ihre Fänge auf Transportschiffe umladen. Illegal gefangene Fische werden an Bord der Transportschiffe mit legal gefangenen gemischt,“ schreibt HSTF. Offensichtlich ist Fisch"wäsche", die hunderte Millionen Dollars auf dem Schwarzen Markt erbringt, nicht so kriminell wie Geldwäsche! Länder, in denen somalische Fische „gewaschen“ werden, sind unter anderem die Seychellen, Mauritius und die Malediven.
Nachdem die EU viele ihrer Fischgewässer 5 bis 15 Jahre lang zwecks Regeneration der Bestände gesperrt, Asien seine Meere überfischt hat, nachdem die internationale Nachfrage nach nahrhaften Meeresprodukten steigt und die Angst vor einer weltweiten Lebensmittelknappheit wächst, sind die reichen, unkontrollierten und ungeschützten somalischen Gewässer zum Ziel der Fischereiflotten vieler Länder geworden. Untersuchungen durch Sachverständige der UNO, Russlands und Spaniens kurz vor dem Sturz der Regierung Barre 1991 haben ergeben, dass schätzungsweise 200.000 Tonnen Fisch pro Jahr durch herkömmliche und industrielle Fischerei gefangen werden könnten – und das ist das Ziel der internationalen Fischerbande.
Zweifelsohne sind die Aktionen der Schiffspiraten abzulehnen und diese Zeitung will gar nicht versuchen, ihre abscheulichen Aktionen zu rechtfertigen oder zu erklären. Ihnen muss Einhalt geboten werden. Das kann aber nicht geschehen, wenn nicht gleichermaßen auch die IUU-Piraterie bekämpft wird.
b.) Der Ursprung des Kampfes um die somalische Piraterie
Der Ursprung der beiden Arten der Piraterie geht zurück ins Jahr 1992, auf den Sturz der Regierung des Generals Syad Barre und den Zerfall der Küstenüberwachung durch die somalische Flotte und Polizei. Nach schweren Trockenperioden 1974 und 1986 wurden zehntausende Nomaden, deren Viehbestände durch die Trockenheit ausgelöscht worden waren, in den Dörfern entlang der 3.300 km langen somalischen Grenze neu angesiedelt. Sie entwickelten sich zu großen Fischereigenossenschaften, die ihren Lebensunterhalt aus dem Fischfang in küstennahen Gewässern bezogen. Vom Beginn des Bürgerkriegs in Somalia 1991/1992 an begannen illegale Fischdampfer, in somalische Gewässer einzudringen und dort zu fischen, einschließlich der 12-Meilen-Zone, die für die herkömmliche Fischerei vorbehalten war. Die Schwarzfischer vergriffen sich an den Fischgründen der heimischen Fischer im Wettkampf um die reichlich vorhandenen Felsenhummer und hochwertigen Tiefseefische in den warmen Fluten entlang des Kontinentalsockels am Horn von Afrika.
Hier begann der Pirateriekrieg zwischen einheimischen Fischern und den IUUs. Die einheimischen Fischer dokumentierten Fälle, in denen Fischdampfer heißes Wasser auf die Fischer in ihren Booten schütteten, deren Netze zerschnitten oder vernichteten, kleinere Boote rammten und deren Besatzung töteten und andere Misshandlungen, denen sie ausgesetzt waren, als sie versuchten, ihre nationalen Fischgründe zu verteidigen. Später bewaffneten sich die Fischer. Im Gegenzug bewaffneten sich viele der Fischdampfer mit raffinierteren Waffen und begannen, die Fischer zu überwältigen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die einheimischen Fischer ihre Taktik überdachten und ihre Ausstattung modernisierten. Diese Spirale der gegenseitigen Bekämpfung dreht sich seit 1991 bis in die Gegenwart. Sie entwickelt sich jetzt zu ausgewachsenen Konflikten rund um illegale Fischerei und Schiffspiraterie.
Laut HSTF hielten sich zu einem Zeitpunkt im Jahr 2005 mehr als 800 IUU-Fischdampfer gleichzeitig in somalischen Gewässern auf, indem sie die Unfähigkeit Somalias ausnützten, seine Hoheitsgewässer und Fischereizonen zu überwachen und zu schützen. Nach Schätzungen entnehmen die IUUs Somalia jährlich über US$ 450 Millionen Wert an Fisch. Sie entschädigen weder die einheimischen Fischer, noch zahlen sie Steuer oder Pacht noch beachten sie irgendwelche Bestimmungen betreffend den Schutz von Fischbestand und Umwelt – im Gegensatz zur gesetzeskonformen Fischerei. Man nimmt an, dass die IUUs aus der EU allein fünfmal mehr aus dem Land herausholen als die jährliche Entwicklungshilfe ausmacht.
Illegale ausländische Fischdampfer, die seit 1991 in Somalia gefischt haben, gehören hauptsächlich Firmen im Bereich der EU und in Asien – Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland, Russland, Großbritannien, Ukraine, Japan, Südkorea, Taiwan, Indien, Yemen, Ägypten und vielen anderen. Unter den illegalen Schiffen, die vor der somalischen Küste von somalischen Fischern im Zeitraum von 1991 – 1999 gekapert wurden, befanden sich die taiwanesischen Trawler Yue Fa No.3, Chian Yuein No.232 und FV Shuen Ko No.11; die italienischen Schiffe MV Airone, MV De Giosa Guiseppe und MV Antonietta, registriert in Italien; MV Bahari Hindi, registriert in Kenia, im Besitz der Marship Company in Mombasa. Eine Anzahl von in Italien registrierten SHIFCO-Dampfern, koreanischen und ukrainischen Trawlern, indischen, ägyptischen und yemenitischen Booten wurden ebenfalls von Fischern gekapert und Lösegelder in verschiedener Höhe für ihre Freilassung bezahlt. Viele spanische Schiffe, die häufig in die somalischen Fischgründe eindringen, konnten einige Male der Kaperung entkommen.
Laut einem Bericht in der Daily Nation vom 14. Oktober 2004 haben sich sogar in Kenia registrierte Fischdampfer an der Ausbeutung der somalischen Fischereigründe beteiligt. Am 4. Oktober 2004 ersuchte der kenianische Koordinator des SAP (Seafarers Assistance Program – Unterstützungsprogramm für Seefahrer) Herr Andrew Mwangura die kenianische Regierung, bei der Einstellung der illegalen Fischerei in Somalia behilflich zu sein. „Nachdem Somalia länger als elf Jahre ohne Regierung war, haben kenianische Trawler illegal in dessen Hoheitsgewässern gefischt und dadurch gegen die Bestimmungen von UNCLOS (United Nations Convention on the Law of the Sea – Seerechtsabkommen der Vereinten Nationen) und FAO (Welternährungsorganisation) verstoßen,“ sagte er. Weiters berichtete er, dass 19 in Kenia registrierte Fischereifahrzeuge illegal in somalischen Gewässern operierten.
Nach Übereinkommen mit somalischen Warlords wurden im Ausland neue Gesellschaften gegründet, die gefälschte Fischereilizenzen vertreiben sollten. In Europa und Arabien errichtete mafiöse Gesellschaften in somalisch-europäischem Besitz arbeiteten eng mit somalischen Warlords zusammen, die jedem ausländischen Fischpiraten falsche Fischerei’lizenzen’ ausstellten, der die somalischen Merresschätze ausbeuten wollte. Die in Großbritannien und Italien angesiedelten AFMET (African and Middle East Trading Co.) und PALMERA, sowie SAMICO in den UAE waren einige der korrupten Vehikel, die gefälschte Lizenzen ausstellten und als Anlaufstelle für die Warlords fungierten, die an der Beute beteiligt waren.
Unter den technischen Beratern dieser Mafiafirmen – AFMET, PALMIRA udn SAMICO – befanden sich angeblich seriöse Firmen wie MacAllister Elliot & Partners im Vereinigten Königreich. Die Warlords General Mohamed Farah Aidiid, General Mohamed Hersi Morgan, Osman Atto und Ex-Präsident Ali Mahdi Mohamed übertrugen offiziell und schriftlich die Befugnis, Fischerei’lizenzen’ auszustellen, an AFMET, was die einheimischen Fischer und Merresexperten ganz einfach als „Handel zwischen Dieben” bezeichnen. Laut African Analysis vom 13. November 1998 erteilte AFMET allein 43 „Lizenzen“ zum Preis von US$ 30.000 für eine viermonatige Saison hauptsächlich an Spanier. Die spanische Pesca Nova bekam die „Lizenz“ von AFMET, während die französische Cobracafgruppe ihre von SAMICO zum Diskontpreis von US$ 15.000 pro Schiff und Saison erhielt.
Um nicht zu kurz zu kommen stellte im Oktober 1999 die Verwaltung von Puntland einer anderen Mafiagruppe namens PIDC, registriert in Oman, einen Freischein aus, um zu fischen, Lizenzen zu erteilen und die Küste von Puntland zu überwachen. PIDC wiederum tat sich zusammen mit der britischen Hart Group und gemeinsam plünderten sie die somalischen Fischgewässer nach Kräften, wobei sie in zwei Jahren über US$ 20 Millionen Profit machten. Ursprünglich war beabsichtigt, den Gewinn zu teilen, aber PIDC lieferte den Beuteanteil nicht an die Verwaltung von Puntland ab, worauf die Lizenzen widerrufen wurden. Nachdem sie ihren Teil der Vereinbarung nicht eingehalten hatten, verließen PIDC/Hart das Land mit einem stattlichen Gewinn.
Somalische Beschwerden und Aufrufe gegen illegale Fischerei und Entladung von gefährlichen Abfällen
Ein weiteres großes Problem, das mit IUUs und illegaler Fischerei in Zusammenhang steht, ist die gewerbsmäßige Entladung von giftigen und nuklearen Abfällen vor und an den Küstengebieten Somalias. Somalische Behörden, einheimische Fischer, Bürgerorganisationen und internationale Organisationen haben darüber berichtet und vor den gefährlichen Folgen dieser verbrecherischen Handlungen gewarnt. In einer Presseaussendung am 16. September 1991 gab der SSDF, der zu dieser Zeit die nordöstlichen Regionen Somalias verwaltete, die strenge Warnung heraus “an alle nicht autorisierten und illegalen ausländischen Fischereifahrzeuge, mit sofortiger Wirksamkeit jegliche weitere gesetzwidrige Fischerei einzustellen und sich aus den somalischen Gewässern zu entfernen.” Im April 1992 schrieb der Vorsitzende des SSDF General Mohamed Agshir Musse an den damaligen italienischen Außenminister Gianni de Michelis einen Brief, in dem er ihn auf die Raubzüge und Umweltzerstörungen durch illegale italienische Fischereifahrzeuge in somalischen Gewässern aufmerksam machte.
Im September 1995 schickten die Vorsitzenden aller politischen Fraktionen Somalias (12 zu der Zeit) und zwei größere somalische NGO-Netzwerke gemeinsam einen Brief an den UNO-Generalsekretär Dr. Boutros Boutros Ghali, mit Kopien an EU, Arabische Liga, OIC, OAU und andere Beteiligte, in dem sie die Krisen aufgrund der illegalen Fischerei und Entladung gefährlicher Abfälle in den somalischen Gewässern schilderten und die UNO ersuchten, eine Einrichtung zum Schutz und für die Überwachung dieser Wasserwege zu schaffen. Sie wiesen darauf hin, dass der Luftraum Somalias bereits durch die ICAO verwaltet verwaltet wird und nach diesem Beispiel IMO oder eine neue Organisation die somalischen Gewässer verwalten könnten, bis eine somalische Regierung die Kontrolle übernehmen kann. In der Folge haben von 1998 bis 2006 die jeweiligen Fischereiminister des somalischen Staates Puntland wiederholt an die internationale Gemeinschaft appelliert: an UNO, EU, OAU, Arabische Liga und einzelne Nationen, sie sollten helfen, illegale Fischereischiffe von den somalischen Gewässern fernzuhalten. Die Minister beschwerten sich auch über Ölverschmutzung und die Entladung von giftigen und nuklearen Abfällen an der Küste Somalias.
Auch somalische Fischer aus verschiedenen Regionen des Landes beschwerten sich bei der internationalen Gemeinschaft über die illegale Fischerei, die armen Fischern den Lebensunterhalt stiehlt, über Abfallverschmutzung und andere ökologische Katastrophen, einschließlich des rücksichtslosen Einsatzes aller verbotenen Methoden der Fischerei: Treibnetze, Unterwassersprengladungen, die alle „gefährdeten Arten“ wie etwa Meeresschildkröten, Orkas, Haie, Walbabies usw. töten und Riffe, Biomasse und lebenswichtige Lebensräume für Fische im Meer zerstören (IRIN vom 9. März 2006). Fischer in Somalia haben an die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft appelliert, ihnen dabei zu helfen, die Küsten des Landes von ausländischen Schiffen zu befreien, die dort illegale Fischerei betreiben. Die Welternährungsorganisation FAO schätzte, dass 2005 rund 700 ausländische Schiffe illegalen Fischfang in somalischen Gewässern betrieben haben. Die FAO sagte, dass es „unmöglich sei, deren gesamte Fischproduktion zu überwachen, gar nicht zu reden vom Zustand der Fischereiressourcen, die sie ausbeuten … es besteht auch ein starker Verdacht, dass industrielle und nukleare Abfälle an der somalischen Küste entladen werden (IRIN vom 9. März 2006).
„Sie stehlen und rauben nicht nur unsere Fische, sie versuchen auch, uns vom Fischen abzuhalten,” sagte Jeylani Shaykh Abdi, ein Fischer in Merca, 100 km südlich von Mogadishu. „Sie haben unsere Boote gerammt und unsere Netze zerschnitten,” fuhr er fort. Mohamed Hussein, ein anderer Fischer aus Merca sagte „unsere Existenz hängt von der Fischerei ab.” Er beschuldigte die internationale Gemeinschaft, „nur vom Problem der Piraterie in Somalia zu reden, aber nicht von der Zerstörung unserer Küste und unserer Leben durch diese fremden Schiffe.“ Jeylani bemerkte, dass die Anzahl der fremden Schiffe im Lauf der Zeit angewachsen ist. „Es ist jetzt normal, sie jeden Tag zu sehen, wenige Meilen vor unserer Küste“. (IRIN vom 9. März 2006)
Indem sie diese Aktivitäten als „ökonomischen Terrorismus” bezeichneten, berichteten somalische Fischer IRIN, dass die Schwarzfischer nicht nur die Fischbestände plünderten, sondern auch das Meer mit Abfällen und Öl verschmutzten. Sie beklagten, dass die somalische Regierung nicht stark genug sei, um dem Einhalt zu gebieten. „Wir wollen, dass uns die internationalen Organisationen bei der Bewältigung dieses Problems helfen,“ sagte Hussein. „Wenn nichts unternommen wird, werden bald nur mehr wenige Fische in unseren Küstengewässern übrig sein.“ Musse Gabobe Hassan und Mohamed Hassan Tako vom Meeresforschungs- und Fischereiinstitut in Mogadishu beschuldigen die fremden Schiffe, illegal zu fischen und gefährliche Abfälle in somalische Gewässer zu entsorgen. „Somalias Gemeinwesen an der Küste, die mühsam ihren Lebensunterhalt dem Meer abringen, appellieren an die internationale Gemeinschaft, ihnen dabei zu helfen, die illegalen Fischereiflotten aus Industrienationen wie aus Entwicklungsländern davon abzuhalten, die Reichtümer unserer Gewässer zu rauben und die Lebensräume zu verschmutzen,” sagten sie.
Wie der UN-Sicherheitsrat präsentierte auch Chatham House, eine Beratungsagentur für internationale Angelegenheiten, in einem viel publizierten neuen Papier über Piraterie in Somalia keine ausgewogene Darstellung der Angelegenheit und konzentrierte sich auf die Schiffspiraterie-Seite der Münze. Der Verfasser des Papiers Roger Middleton erwähnt immerhin so nebenbei, dass Europäer, Asiaten und Afrikaner (Ägypter und Kenianer) illegal in den somalischen Gewässern fischen. Indem sie den grundlegenden IUU-Faktor ignorieren, der überhaupt erst zu der Schiffspiraterie geführt hat, scheinen UNO sowie Roger Middleton entweder fehlgeleitet zu sein oder stehen unter Druck, diese einseitige Vorgangsweise zu vertreten, da mächtige Interessen das profitable Geschäft der illegalen Fischerei geheimhalten und beschützen wollen.
Diese Krisen betreffend illegale Fischerei, Abfallentsorgung, Warlord/Mafia-Abkommen und die lauten Beschwerden der somalischen Fischer und Zivilgesellschaft sind UNO-Agenturen und internationalen Organisationen hinreichend bekannt gemacht worden. Die UNO-Agenturen und Organisationen, die volle Kenntnis dieser Tatsachen hatten, brachten oft Bedauern und Wehklagen zum Ausdruck, unternahmen aber keinerlei Schritte gegen diese kriminellen Aktivitäten. Es sieht so aus, als hätten sie auch den UN-Sicherheitsrat über diese Tragödie nicht informiert, bevor dieser seine Resolutionen 1816 und 1838 am Beginn dieses Jahres verabschiedete.
Herr Ould Abdalla, Sonderbotschafter des UN-Generalsekretärs für Somalia, der es eigentlich besser wissen sollte, verurteilte weiterhin in einer Reihe von Presseaussendungen höchst einseitig die somalische Schiffspiraterie. In seiner Presseaussendung vom 11.11.2008 begrüßte er wärmstens das Übereinkommen von EU-Mitgliedsstaaten, Schiffe zur Bekämpfung der Piraterie vor Somalia zu entsenden. „Ich bin höchst erfreut über diese Entscheidung der EU,“ verlautete Herr Ould Abdallah. „Die Piraterie vor der somalischen Küste ist eine ernste Bedrohung für die Freiheit der internationalen Seefahrt und die regionale Sicherheit.“ Er vergaß allerdings, die Fischpiraterie zu verurteilen, die Sicherung des Lebensunterhalts der somalischen Fischergemeinwesen zu erwähnen und konkrete Aktionen vorzuschlagen, wie mit den beiden Arten der Piraterie verfahren werden sollte, die nur zwei Seiten der selben Münze bilden.
Fortsetzung demnächst
erschienen auf www.radiodaljir.com am 15. April 2009 > http://radiodaljir.com/xview.php?id=433
Quelle: antikrieg.com
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» Von SaarBreaker (1894) am Sonntag, 19. April 2009, 12:45 Uhr
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am Montag, 20. April 2009 11:15
Mmmmmh sag mal hab ihr eigentlich schon mal gehört das die Somalischen Piraten die Bundesregierung bzw die Bundesrepublik Deutschland verklagen wollen . Letzte Woche sind somalische Piraten von der Bundesmarine gefangen worden die dann in Kenia an Land gesetzt wurden sind bzw den dortigen Behörden übergeben worden sind. Jetzt wollen diese Verbrecher ich nenne sie mal so denn das sind sie, die BRD verklagen weil sie sich dort nicht richtig verteidigen können.
Haben diese Idioten eigentlich noch alle Steine auf der Schleuder würde Fred Feuerstein jetzt sagen.Piraten oder sollte man besser sagen paramilitärische bewaffnete Kombatanten sind völkerrechtlich mit Partisanen gleichzusetzen und dürfen nach der Hager Landkriegskonvention und der Genfer Konvention hingerichtet werden.Diese Leute ich weiß einfach nicht wie ich sie nennen soll besitzen die Frechheit uns alle zu veklagen.Das ist wohl eine verkehrte Welt sie haben mit ihrern Aktionen auf See eigentlich ihr Leben verwirkt das müßte ihnen eigentlich klar sein .Wenn ich auf dem Wannse in einem Ruderboot sitze und fuchtle mit einer Plastikpistole rum kommt das SEK und schiesst mir ein paar Löcher in die Weste oder wenn ich Glück habe erwarten mich mehrere Jahre Gefängnis Aber Nein jetzt pochen sie noch auf Rechte die sie eben nicht haben.Auch wenn ich verstehen kann das sie sich gegen Überfischung wehren wollen, aber das wird wohl nicht der einzige Grund sein.Die gezahlten schon Lösegelder übersteigen den Somalischen Haushalt wahrscheinlich um ein Vielfaches sie sind einfach nur Habgierig.Hätten sie das Geld aufgeteilt könnten alle Fischere und deren Familien in Somalia jahrelang wie die Maden im Speck leben .Und wenn sie so arm sind wie sie vorgeben.Woher kommt das Geld für Waffen und Ausrüstung?Sie operieren inzwischen ja schon von Mutterschiffen aus!!! Also es wird nicht mit kleinen Holzschaluppen aufs Meer gerudert .Nein sie habe große Schiffe von denen sie operieren das impliziert doch eher den Schluss das das eher eine großangelegte Verbrecherische paramilitärische Vereinigung ist und nicht der kleine arme Fischer der mit der Steinschleuder bewaffnet um die Existenz seiner Familie kämpft .Die sind bestens ausgerüstet .Russische Waffen Panzerfäuste und Raketen schnelle Schlauchboote und Operationsschiffe. Wenn man mal Somalia beleuchtet wo als politische Form praktisch die Anarchie herrscht und der Bürgerkrieg tobt, versuchen nur die örtlichen Warlords (oder Wahnsinigen) hier sich Werte oder Devisen zu beschaffen die sie dann im Kampf gegen ihre Landsleute wieder einsetzen ( in ihrem eigenem Land ist ja nix mehr zu hohlen da sie das ja schon ausgebeutet und kaput gemacht haben) um diese dann erbarmungslos abzuschlachten,oder sich persönlich zu bereichern
Nur so als Denkanstoß warum ist eigentlich die Bundesmarine mit Zerstören und Fregatten dort? Vielleicht wäre es einfacher die Besatzungen der Schiffe auch Waffen zu geben dann könnten sie sich selbst verteidigen.Oder man könnte Marinesoldaten auf den Schiffen mitfahren lassen.Und warum fahren diese Idioten eigentlich immer allein durch diese Gewässer ( allein das ist schon sträfflich) vielleicht wäre die alte Konvoistrategie doch mal zu reaktivieren dann wären sie besser zu beschützen und man würde auch viel mehr der Piraten fangen.Aber vielleicht setzt sich ja die UN jetzt für die armen Piraten ein und wir finanzieren ihnen einfach einen herrlichen Lebenstandart der sie zufrieden in ihren Hütten schlummern läßt!!!
Es kommt noch soweit das es ernste militärische Konflikte wegen dieser Verbrecher gibt .Vielleicht sollten wir uns vorsichtigerweise auch mal bewaffnen
da bei uns ja ein Großteil der Bevölkerung auch am Rande des Existenzminimums Leben (Harz 4) und bald marodierende Horden durch die Strassen ziehen,dann möchte ich mal sehen wie die Weichgespülten Sandalenträger damit umgehen wenn sie in den Lauf einer Kalashnikow gucken .
MFG Detlev
am Mittwoch, 22. April 2009 12:25
Lieber Detlev,
die Piraten vor der Küste Somalias sind nicht das wahre Übel. Das wahre Übel sind die westlichen Besatzungsmächte, die meinten sie müssten Recht und Ordnung an Orten verteidigen wo sie nichts zu suchen haben. Warum gibt z.B. deine geliebte Bundesregierung der BRD das Geld nicht für Sozialhilfeempfänger aus anstatt es für Marineeinsätze hinauszuschleudern um irgendwelche Schiffsbesatzungen zu beschützen, die an der Ausbeutung Afrikas beteiligt sind, weil diese nämlich z.B. durch billiges Getreide den afrikanischen Markt überschwemmen und einheimische Produzenten ihr Getreide durch die Konkurrenz nicht mehr loswerden. Was die Piraten vor der Küste Somalias machen ist also reine Selbstverteidigung um ausländische Konkurrenz von ihren Märkten fernzuhalten. Das selbe äußerte auch der libysche Staatschef Ghaddafi, leider nicht berichtet von den deutschen Medien, die sich immer damit brüsten sehr moralbewusst zu sein.
am Sonntag, 26. April 2009 21:01
[...] Nicht nur dass in der Folge Millionen von Menschen in diesem kriegsgebeutelten Land an ihrem Hunger ersticken und Gewalt ihren Alltag bestimmt, gibt es darüber hinaus noch ein Phänomen, dass nur wenigen bekannt ist. Fischereiflotten unterschiedlicher Länder, darunter auch europäische Staaten, betreiben seit geraumer Zeit eigene Beutezüge in somalischen Gewässern. Sie fischen illegalerweise Somalias Gewässer leer, bedrohen und schikanieren einheimische Fischer und bleiben trotzdem unbehelligt. (Schöner Artikel dazu: saarbreaker.com) [...]
am Montag, 3. August 2009 17:31
Wieder einmal wurde im Fernsehn und in sonstigen wichtigen Medien nur eine Halbwahrheit verbreitet. An dieser Halbwahrheit muss der Bürger eine Entscheidung treffen auf welche Seite stellt…
Der westliche Luxus fordert Opfer die in diesem Fall als “Piraten” dargestellte Fischer die aus ihrem eigenem Zuhause vertrieben wurden.
Warum das alles?? : Damit der Reiche seinen exotischen Fisch essen kann!
Europäische Fischer leeren illegaler Weise Somalias Meere und dass mit kräftiger Unterstützung von “legalen” Firmen.
Also wem trauen wenn der liebe und nette Fischhändler blutigen und erklauten Fisch verkauft?