Christian Schäffer hat sich umgebracht

Von He-Ka-TeDuckhome
Übernommen von: Bloegi.wordpress.com

Am 1. April wurde im Amtsgericht Augsburg, Zweigstelle Schwabmünchen gegen Christian Schäffer prozessiert. Er soll einen Polizeibeamten aus Königsbrunn und dessen Freund verleumdet haben. Ich war als Zeuge vorgeladen worden. Was ich zur Wahrheitsfindung des Gerichts beitragen sollte, wurde mir nicht mitgeteilt. Ich wusste auch nicht, was im Gerichtssaal vorging. Denn während laufend Polizeibeamte und Freunde von Polizeibeamten als Zeugen in den Saal gerufen wurden, musste ich draußen warten. Zum Glück waren ProzessbeobachterInnen drinnen. Hier ein erster Bericht von einer:

Nicht genug damit, dass Christian Schäffer wegen Veröffentlichung der angeblich unveränderten Namen seiner Peiniger in den Pechvogel Geschichten zu über 4000 Euro verdonnert wurde. Nein, in der Gerichtsverhandlung im Amtsgericht Schwachmünchen, die passenderweise am 1. April stattfand, wurde der wegen Verleumdung Angeklagte mit folgendem Juristendeal übertölpelt:

Ihm wurde angedroht, die Zeugen, die zu seinen Gunsten hätten aussagen können, in BEUGEHAFT zu nehmen. Diese Zeugen waren der kranke Vater des Herrn Schäffer und Dr. Brosa, auf dessen Namen die Ermittlungsbehörden beim Durchsuchen von Schäffer’s Computer gestoßen waren.

Damit die Zuschauer von dieser Schweinerei nichts mitbekommen sollten, hatte die Richterin vorher verkündet: “Ich unterbreche jetzt die Verhandlung”. Dann folgte anscheinend ein Gekungel von Verteidiger, Richterin und Staatsanwältin. Die hatte sich die Sache mit der Beugehaft ausgedacht.

Der deprimierende Ausgang dieses “Prozesses” ist Herrn Schäffers Anständigkeit zuzuschreiben, der weder seinem Vater noch Herrn Dr. Brosa Haftbedingungen zumuten wollte, wie er sie selbst erlebt hat und in seinen Pechvogelgeschichten schildert (Seite 164ff).

Susanne Buchmann 03.04.2009 00:58

Christian Schäffer starb spät am 3. oder früh am 4.4.2009: “Der Schritt des Suizid ist ist meinem Fall eine Erlösung gewesen.”

Seit 15 Jahren oder länger wohnen die Eltern von Christian Schäffer in der Nähe eines Polizeibeamten und haben Probleme mit ihm. 1994 und 2000 beschwerte sich Schäffers Vater über diesen Polizisten, dieser würde auf seinem Hausgrundstück auffällig oft private Feste veranstalten, über das normale Maß dem Alkohol zusprechen … Natürlich nutzten die Beschwerden nichts. Stattdessen bekam Schäffers Vater vom Amtsgericht Augsburg einen Strafbefehl wegen falscher Verdächtigung (§ 164 Strafgesetzbuch): “Sie erstatteten am 20.06.2000 um 14.23 Uhr im Polizeipräsidium Schwaben, Sachgebiet E 3, telefonisch Anzeige gegen den Polizeibeamten xxxxx xxxxxx xxxxxx …”.

§ 164 StGB setzt fest, dass eine falsche Anzeige nur dann strafbar ist, wenn sie “wider besseres Wissen” erstattet wurde. Diese Hürde ist sehr hoch, höher sogar als bei der Rechtsbeugung. Im Strafbefehl gegen Schäffer senior jedoch behauptet Richter Heitzer einfach nur: “Sie wußten hierbei, dass es für diese Darstellung keinerlei Beweise gibt.” Das ist bei Polizei und Justiz der gängige Trick um Kritik an Behörden zu unterdrücken. Jeder derartige Missbrauch des § 164 StGB verstößt gegen Artikel 17 des Grundgesetzes:

Jedermann hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden.

Christian Schäffer veröffentlichte den Strafbefehl gegen seinen Vater auf einer seiner Internet-Seiten und bekam Anfang 2008 selbst einen Strafbefehl wegen angeblicher Verleumdung dieses Polizeibeamten und dessen Freund. Gegen diesen Strafbefehl legte Schäffer junior Widerspruch ein, so dass es am 1.4.2009 zur Verhandlung kam.

Gegenstand der Verhandlung, so wurde mir nachher gesagt, sei just der alte, im Internet veröffentlichte Strafbefehl gegen Schäffer senior gewesen. Auf dem ist jetzt der Name dieses Polizeibeamten schwarz überstrichen, aber irgendwann sei er lesbar gewesen. Gegen die Wahrheit dieser Behauptung spricht, dass der Polizeibeamte keine einstweilige Verfügung beantragt hat. Was tut man, wenn eine Waffe auf einen gerichtet ist? Man versucht die Waffe wegzubekommen. Eine einstweilige Verfügung wäre weitaus effizienter als eine Strafanzeige gewesen um namentliche Verleumdungen Anschuldigungen aus dem Internet zu entfernen.

Ich hatte die Pechvogel-Seiten Mitte 2007 kennengelernt, war nach einiger Durchsicht davon begeistert und empfehle diese Seiten noch heute. C.Schäffer war Ingenieur. Techniker und Naturwissenschaftler sind gewohnt Sachverhalte zu beweisen, wovon Polizei- und Justizangehörige sich keine Begriffe machen.
Ende 2007 sah ich mit die Pechvogel-Seiten nochmals durch und fand darin an anderen Stellen – nicht auf der Kopie des Strafbefehls – den Namen “Amann”. Per E-Mail wollte ich von Schäffer wissen, ob das der wirkliche Name seines Nachbarschaftspolizisten sei. Schäffer antwortete: Nein, der sei anders, und nannte mir den wirklichen Namen, als ich ihm zugesichert hatte, dass ich den wirklichen Namen nicht weitergebe. “Amann” ist tatsächlich nicht der wirkliche Name und der wirkliche Name ist “Amann” nicht einmal ähnlich.

Wenn ich in Schwabmünchen angehört worden wäre, hätte ich gesagt, dass ich den wirklichen Namen dieses Polizisten nicht von Schäffers Internet-Seiten wusste, und hätte den Zeugen der Gegenseite damit vielleicht widersprochen. Schäffers Vater wartete als Zeuge ebenfalls vor dem Gerichtssaal. Er war bereit zu bekunden, dass er seinem Sohn beim Überstreichen des Polizistennamens auf dem alten Strafbefehl zugesehen hatte.

Nach dem, was mir ProzessbeobachterInnen hinterher erzählten, waren die Beweise gegen Schäffer junior eher dürftig. Auch schien die Strafrichterin um eine ausgewogene Darstellung der Wahrheit bemüht. Sie wies selbst auf das Fehlen einer einstweiligen Verfügung hin und erfragte nicht nur die Verwandtschafts-, sondern auch die Freundschaftsverhältnisse der Zeugen. Doch nachdem die Belastungszeugen angehört worden war, unterbrach sie die öffentliche Verhandlung und beraumte ein Rechtsgespräch im Hinterzimmer an.

Nach der Verhandlung erklärte Schäffers Verteidiger, Rechtsanwalt Lindenmeir, anderen und meiner Geringfügigkeit, was dort geschehen sei: Die Staatsanwältin hätte sofort Strafverfahren wegen Falschaussage gegen Schäffers Vater und mich eingeleitet und uns in Beugehaft genommen. “Wir sind in Bayern”, sagte Lindemeir. Er empfahl seinem Mandanten den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen. Christian Schäffer hatte Angst um seinen Vater und um mich. Er folgte Lindenmeirs Rat.

Genau so, wie Susanne Buchmann es oben beschreibt, habe auch ich Lindenmeir verstanden. Ich rief ihn daher am 6.4.2009 an um von ihm den Namen der Staatsanwältin zu erfahren. Wir hätten ihn falsch verstanden, antwortete Lindenmeir nun, weder Richterin noch Staatsanwältin hätten etwas von Beugehaft gesagt. Er habe nur darauf hinweisen wollen, dass möglicherweise die Gefahr bestanden hätte. Es war auch Lindenmeir, der das Rechtsgespräch beantragt hatte. Beim Umgang mit Juristen muss man stets mit Überraschungen rechnen.

Christian Schäffers Selbstmord kommt nicht von ungefähr. Er und sein Vater werden seit Jahren mit Prozessen überzogen. Z.B. folgte dem oben erwähnten Strafbefehl wegen angeblich falscher Verdächtigung ein Zivilprozess wegen Schmerzensgeld und Schadensersatz. Das Haus der Schäffers wurde in den letzten Jahren sechsmal durchsucht. Beim letzten Mal hatten die Vollzugsbeamten sogar schon einen Schlüssel. Schäffer junior wurde immer wieder als gefährlicher Gewalttäter gefangen gehalten, obwohl er – wie die Überwachungsaufnahmen eindeutig zeigen – angegriffen worden war. Wenige Wochen vor dem Termin am 1.4.2009 wurde er von ‘unseren’ Sicherheitskräften in einem Supermarkt festgenommen und dem Amtsarzt vorgeführt, was für ihn äußerst demütigend war, auch wenn ihn der Amtsarzt sofort entließ.

Die Behörden der BRD dürfen direkt keine Todesstrafen mehr verhängen. Als Ersatz dafür werden Leute, die sich mit Behörden anlegen, so lange gemobbt, bis sie verzweifeln und sich selbst umbringen.

Ulrich Brosa

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5 Antworten auf Christian Schäffer hat sich umgebracht

  1. Clive McGillen sagt:

    :-x
    Ja von sowas kann ich ein Lied singen. Ich bin auch ein Betroffener von Justizwillkür und polizeilicher Inkompetenz. Ich hatte ein Strafverfahren weil ich nachdem ich zichfach proviziert und körperlich angegriffen wurde auch mal zurückgeschlagen habe. Ich fühle mich nach wie vor im Recht auch wenn ich nicht in Notwehr gehandelt habe. Aber ich wusste einfach auch zahlreichen Verfahren bei denen ich selbst als Zeuge aufgetreten bin wie willkürlich und ungerecht die deutsche Justiz ist. Und ich sollte mal wieder Recht behalten. Mein Ego hat die Gegenwehr gestärkt. Ich fühle mich dadurch nicht so hilflos wie wenn ich mir das alles hätte gefallen lassen. Ich würde gerne einiger dieser “Verbrecher” und dazu zählen in meinen Augen auch die Richter und vor alle der damalige Staatsanwalt öffentlich anprangern und mit ihrer Feigheit und Falschheit konfrontieren. So dass jeder Nachbar und Freund weiß was für Leute das sind und sie sich nicht mehr vor die Tür trauen. Und die Geschichte mit den Anwälten:
    die kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich musste meiner damaligen Anwältin das Mandat entziehen weil sie so faul und inkompetent war. Mein späterer Anwalt war allerdings auch nicht viel besser. Aber ohne diese Geier bekommt man ja keine Akteneinsicht.

    Ich würde gerne mit anderen Betroffenen gemeinsam Aktionen dagegen unternehmen. Ich bin bereit etwas zu riskieren. Das alles soll mit legalen Mitteln im Rahmen der Gesetze der Bundesrepublik Deutschland geschehen.

    Was mich am meisten ärgert ich bin ja nicht wehrlos. Ich hätte kein Problem diese Leute persönlich aufzusuchen und das von Mann zu Mann zu klären.
    Aber dazu sind die zu feige und dann würde ich wieder unnötige Kosten und Ärger mit der Justiz haben.

    Ich würde mich freuen wenn weitere Betroffene sich zu Wort melden und wir gemeinsam eine Art Verein zur Wahrung unserer Interessen gründen. Geteiltes Leid ist halbes Leid und gemeinsam sind wir stark und hätten auch mehr finanzielle Mittel um dagegen anzugehen.

    Viele Grüße

    Clive

  2. Kollege sagt:

    Christian kannte ich als Kollege. Wir hatten nicht oft Kontakt, haben aber wenn wir dann Kontakt hatten immer über viele Dinge gesprochen und so weiß ich um diese und andere Schwierigkeiten. Christian war vielleicht etwas anders als die Masse, aber er war ein guter Mensch. Was auch immer von den Behörden gesagt und behauptet wurde ist eine Farce. Wenn ich dann auch noch Dinge wie Gewalt in Verbindung mit dem Namen Christian Schäffer lese möchte ich verzweifeln an dieser Welt und vor allen an den Behörden die nichts besseres zu tun haben. Sterben werden wir alle, Christian: Das war dumm von Dir, es war schlimm und irgendwie warst Du mit allem alleine …. trotzdem, das Ende kommt sowieso – für jeden in dieser Geschichte und der Ausgang Deiner Geschichte geht so jetzt nicht in Ordnung. Gruß, dirk

  3. SaarBreaker sagt:

    Diese Prozesse, die letztlich nur zum Zweck geführt werden, um Behörden sauber dastehen zu lassen, müssen an den Pranger gestellt werden. Und zwar mit allen Namen und Beteiligten. Es bringt uns nichts, nur die Opfer dieses Systems zu betrauern und selbst untätig zu bleiben. Damit helfen wir niemanden – schlimmer noch, damit zeigen wir nur, dass diese Menschen umsonst für ein korruptes System gestorben sind.
    Wir alle haben diese Geschichte erst ermöglicht, indem wir weggesehen haben. Wenn wir weiterhin so tun, als sei alles in bester Ordnung, werden noch sehr viel mehr Menschen umsonst sterben müssen. Es liegt an uns!

  4. Helga J. sagt:

    Ich lese das erst heute, Christian soll tot sein?? Ich kann es nicht fassen, er war so ein liebenswürdiger, hilfsbereiter Mensch. Was ihm die Leute angetan haben, ist mehr wie heftig.

    Liebe Familie mein herzliches Beileid, lieber Christian wir werden Dich sehr vermissen.

  5. Ralf sagt:

    Christian kannte ich seit 10 Jahren und er hat mir auch viele Probleme erzählt. Ich hatte versucht Ihm zu helfen aber hat meinen Rat leider nicht befolgt. Ich selbst mache mir auch Vorwürfe über das was geschehen ist. Er hat immer nur an seine Eltern gedacht und zu wenig an sich selbst. Auf jeden Fall war er nicht gewaltätig aber die Behörden können einem das Leben total versauen. Christian es war der falsche Weg den Du gegangen bist.
    Grüße ein Freund.

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