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Theoria cum praxi: Wissenschaft zum Nutzen und Wohl der Menschen

Von Jochen Hoff am Donnerstag, 12. März 2009, 22:39 Uhr

Von Jochen Hoff – Duckhome

"Theoria cum praxi: Wissenschaft zum Nutzen und Wohl der Menschen" lautet der angebliche Grundsatz der Leibniz-Gemeinschaft, und er ist nicht die einzige Lüge dieses Haufens.

Die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V., kurz "Leibniz-Gemeinschaft", vereint heute unter ihrem Dach 86 Einrichtungen, die Forschung betreiben oder wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen. Rund 6.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten in den Geistes- und Sozialwissenschaften, den Wirtschafts-, Raumwissenschaften und Lebenswissenschaften ebenso wie in der Mathematik, den Natur- und Ingenieurswissenschaften sowie der Umweltforschung. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute mehr als 14.000 Menschen bei einem Jahresetat von über einer Milliarde Euro.

Die Leibniz-Gemeinschaft zeichnet sich durch die große Vielfalt der in den Instituten bearbeiteten Themen ebenso wie durch ihre dezentrale Organisationsform aus: Ihre Einrichtungen sind in den meisten Fällen wissenschaftlich und organisatorisch unabhängig. Sie betreiben strategische, themenorientierte Forschung. Ihr Anspruch orientiert sich immer an wissenschaftlicher Exzellenz sowie gesellschaftlicher Relevanz.

Ja, die gesellschaftliche Relevanz. Relevant ist, was dem Großkapital nützt und die Umverteilung von unten nach oben begünstigt. Zu diesem Zweck werden der Politik pseudowissenschaftliche Vorgaben vorgelegt, die letztendlich nur zur Förderung des irrsinnigen Neoliberalismus dienen.


Im wiedervereinigten Deutschland gibt es die Leibniz-Gemeinschaft, die dem Staat Empfehlungen gibt, welche wissenschaftlichen Institute förderungswürdig sind. Auf dem volkswirtschaftlichen Sektor sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das ifo-Institut für Wirtschaftsforschung (ifo), das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und das Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) im Rahmen der Leibniz-Gemeinschaft organisiert. Dadurch kommen diese Institute in den Vorzug, staatliche Fördergelder zu bekommen – im Jahre 2006 flossen so insgesamt 1,1 Mrd. Euro in die Leibniz-Institute. Betrachtet man die Lehre der vier steuerlich geförderten Wirtschaftsinstitute, so mag dies überraschen, zeichnen diese sich doch vor allem durch eine einseitige ideologische Ausrichtung in Richtung „Neoliberalismus“ aus. Inhaltliche Differenzen zu Instituten, die wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) direkt von der Wirtschaft finanziert werden, sind – wenn überhaupt – marginal. Dies ist nicht unproblematisch, da diese Institute als Think-Tanks fungieren und Politik und Öffentlichkeit ideologisch beeinflussen.

Geht es nach der Leibniz-Gesellschaft, so soll zukünftig das ifo-Institut – unter der Leitung des berühmt-berüchtigten Hans-Werner Sinn – nun die höchsten Weihen erhalten und über die Evaluierung als „Forschungseinrichtung“ in den Genuss von noch mehr Steuergeldern kommen.

Es ist natürlich nicht zufällig, dass die Leibniz-Gemeinschaft die neoliberalen Lügner fördert, hängt sie doch selbst einem Weltbild an, dass sich eher feudal, als gemeinschaftlich gibt.

Die typische Leibniz-Einrichtung ist eine kompakte und flexible Exzellenzeinheit. Jede Leibniz-Einrichtung ist auf thematisch definierten, zukunftsweisenden Forschungsfeldern tätig. Die Bearbeitung der Thematik erfolgt interdisziplinär, in wissenschaftlicher Freiheit und unter strategischen Gesichtspunkten: Die Forschungsaufgaben der Leibniz-Einrichtungen liegen zwischen der erkenntnisorientierten Grundlagenforschung und der angewandten Forschung und schlagen eine Brücke dazwischen. Sie kooperieren mit Hochschulen, Einrichtungen anderer Forschungsorganisationen und Wirtschaftsunternehmen auf nationaler und internationaler Ebene.

Leibniz-Einrichtungen forschen komplementär zur universitären Forschung. Die enge Zusammenarbeit wird auch von der gegenwärtigen Exzellenzinitiative gespiegelt. Sie fördert Exzellenzcluster, Graduiertenschulen und herausragende Zukunftskonzepte.

Wir alle wissen, dass die Exzellenzarie ein Produkt der Familie Mohn/Bertelsmann ist, die über Studiengebühren und abgehobene Eliten der breiten Masse den Zugang zur Bildung verbieten will, um nicht zugeben zu müssen, dass die eigene miserable Erziehung, wie bei Christoph Mohn, Menschen schafft, die auch mit Unmengen von Geld kein Unternehmen führen können. Es geht um eine Elite der Nichtskönner, die nur dadurch zur Elite wird, dass sie sich selbst als solche sieht.

Die Leibniz-Gemeinschaft braucht ein solches Elitedenken, weil ihre Tätigkeit eben nicht komplementär, sondern abstauberisch ist, wenn überhaupt eine Forschungstätigkeit erbracht wird. Normale, nicht so phänomenal geförderte Universitäten sollen ausgetrocknet werden – und sei es um den Preis, dass ihre wissentschaftliche Arbeit in einem Exzellenzcluster beerdigt und anderen zugeordnet wird. Die Leibniz-Gemeinschaft, wie die Neoliberalen an sich, fürchtet nichts so sehr wie Wettbewerb. Das liegt einfach daran, dass sie dem Wettbewerb nicht standhalten, weil sie keine eigene Leistung erbringen, sondern nur parasitär von der Leistung anderer leben.

Die Wirtschaftsforschungsgesellschaften und insbesondere Prof. Sinns Unsinn sind solch ein typisches Beispiel. Gerade ist ihnen ihr Wirtschaftssystem mit einem bisherigen Schaden von 40 Billionen Euro um die Ohren geflogen, aber trotzdem wird ihre völlig falsche Denkweise über die Leibniz-Gemeinschaft gefördert, die sich vielleicht einmal an einer Fachhochschule von einem Betriebswirtschaftler erklären lassen sollte, was eine Bilanz ist und was ein Bilanzbetrug.

Aber die Leibniz-Gemeinschaft ist nicht lernfähig. Selbst Aussagen von anerkannten anderen Wissenschaftlern werden sie nicht zum Umdenken bringen, weil sie Propaganda betreiben und nicht forschen. Sie sind Knechte oder willige Helfer des Großkapitals und opfern dafür jeden wissenschaftlichen Anspruch. Wie es anders geht und auch bei uns gehen müsste beschreibt Karl Weiss.

Diese Flexibilisierung, auch Flexibilisierung der Arbeit genannt, war Hauptbestandteil, eigentlich sogar der wesentlichste Bestandteil all jener wirtschaftspolitischen Ansätze, die oft als Liberalismus oder Neo-Liberalismus bezeichnet wurden, aber auch unter Marktradikalismus liefen, bzw. die Namen der jeweiligen Protagonisten erhielten: ‘ Thatcherism’ und ‘Reagenomics’. Die Ökonomen selbst bevorzugten diese Maßnahmen am liebsten verniedlichend „angebotsorientierte Wirtschaftspolitik“ zu nennen.

Jetzt lehrt uns ein Wirtschaftsprofessor – es gibt also auch noch lernfähige – in einem Gastkommentar in der „Financial Times Deutschland“, wieso die Anbetung des Götzen „Flexibilisierung“ sich jetzt als so falsch herausstellt.

Der Professor der Ökonomie an der Universität Leuven mit dem Namen Paul de Grauwe hat das Erfolgsrezept „Flexibilisierung“ jetzt in der Krise unter die Lupe genommen und siehe: Es ist kontraproduktiv.

Er schreibt: „Wirtschaftlich erfolgreich waren Länder, die beim Warenverkehr und auf dem Arbeitsmarkt Flexibilität zuließen. Es winkte rasches Wachstum, wenn sie zuließen, dass Unternehmen ohne Einschränkung einstellen und entlassen konnten, und wenn Lohnvereinbarungen rasch der aktuellen Konjunkturlage entsprechend nach oben oder unten korrigiert werden konnten. Ökonomen entwickelten Wachstumsmodelle, die die Notwendigkeit der Flexibilität hervorhoben. Länder mit starren Regulierungen von Arbeitsmarkt und Warenhandel wurden von internationalen Organisationen angeprangert und zu "Strukturreformen" aufgefordert. Ganz fasziniert reagierte die Europäische Kommission auf die Idee der Flexibilität. Sie entwarf die Lissabon-Strategie mit dem Ziel, die EU in eine flexible Volkswirtschaft zu verwandeln. Großes Vorbild waren die USA. Dank ihrer Flexibilität galt Amerika als Land mit einem höher entwickelten Wirtschaftsmodell.“

Doch nun, in der Krise, wird die Wahrheit ans Tageslicht gebracht: Ursache des Problems ist, man hat so viele billige Kredite angeboten und nun sind viel Leute verschuldet, haben ein Auto auf Pump gekauft oder anderes. Auch Unternehmen und Banken konnten extrem leicht an scheinbar extrem billiges Geld kommen. Er sagt:

„Weisen Haushalte und Unternehmen (dazu zählen auch Banken) übermäßig hohe Schulden auf, müssen sie Vermögenswerte verkaufen. Die Preise für Vermögenswerte fallen, was Liquiditätsprobleme an anderen Stellen des Systems verschärft. Firmen sind gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen und/oder Gehälter zu kürzen. Als Folge sehen sich noch weniger Haushalte imstande, ihre Schulden zu bedienen. In einer Schuldendeflation wird der Schuldendienst der einen also dadurch erschwert, dass andere sich bemühen, ihren Schuldendienst aufrechtzuerhalten. Ursache des Problems ist der Umstand, dass das Schuldenniveau eine feste nominelle Variable ist. Muss ein Verbraucher eine Hypothek von 400.000 $ abtragen, steht diese Rückzahlungsdrohung unabhängig vom Wert seines Vermögens oder seiner Einkünfte im Raum. Das Problem bei der Schuldendeflation ist also, dass man eine starre Variable hat (den Wert der Schulden), während so viele andere Faktoren (Vermögenswert, Einkünfte, Arbeitsverhältnis) flexibel sind. Je flexibler diese Variablen, desto teuflischer gestaltet sich die Eigendynamik der Schuldendeflation und desto schwieriger wird es, die Wirtschaft aus dieser Lage herauszumanövrieren.“

Eigentlich lagen die Tatsachen ja schon lange auf dem Tisch, es wollte sie nur niemand sehen. Die 1,1 Milliarden Euro, die die Leibniz-Gemeinschaft ohne sinnvolle Gegenleistung frisst, können vollständig eingespart werden. Sie wären besser in Schulen, Hochschulen und normalen Universitäten angelegt. So sollten damit die Studiengebühren ersetzt werden.

Gleichzeitig ist es aber auch notwendig die sogenannten Wirtschaftsforschungsinstitute als das zu entlarven, was sie sind: Fehlerhafte Wahrsager oder übelste Demagogen, die nur darauf abzielen, die Menschen zu täuschen und um ihren Arbeitslohn zu betrügen. Da es sich dabei um gewerbsmäßigen Betrug handelt, wäre die Staatsanwaltschaft gefordert, zumindest bei den genannten Instituten einmal nachzusehen, wie deren Ergebnisse zustande kamen und was sie bewirken sollten und bewirkt haben.

Sie haben in Deutschland zu Reallohnsenkungen, Angst und Hoffnunsgslosigkeit geführt. Das sollte bei einer Strafbemessung dringend berücksichtigt werden. Die Angst der Millionen ist nicht wieder gutzumachen. Da hilft nur eine drastische Abschreckung vor Nachahmungstätern.

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1 Kommentar zu “Theoria cum praxi: Wissenschaft zum Nutzen und Wohl der Menschen”
  1. 1 Pingback von Duckhome - Solidarisch mit der Ente « DirkGrund - über Suboptimales
    am Samstag, 14. März 2009 14:59

    [...] ich bei Leibniz von einem Haufen spreche, ist Herr Grüter beleidigt. Haufen ist die deutsche Übersetzung des [...]

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