Opel: Arbeitnehmer sollen sich selbst kastrieren
Von Jochen Hoff – Duckhome
In Deutschland gibt es ein festgelegtes Szenario, wenn eine Firma vor dem Aus steht. Die Angst der Mitarbeiter wird sofort durch Lohnverzicht ausgenutzt. Es ist ein Ritual, das Gewerkschaften und Arbeitnehmer ohne viel Federlesen einfach standardisiert durchziehen. Die Opel-Mitarbeiter sollen jetzt auf tarifliche vereinbarte Lohnerhöhungen verzichten und im Endeffekt sogar Einbußen im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen. Die Maßnahmen sind Schwachsinn, haben aber Methode.
Mit dem Lohnverzicht ist zwar Opel nicht zu retten, weil das Problem GM und die jahrzehntelange Misswirtschaft nicht durch zu hohe Löhne, sondern durch falsche, arrogante und vor allem unfähige Manager entstanden sind. Die Arbeitnehmer haben immer ihre Pflicht getan – und meistens viel mehr als das. Ihr Lohnverzicht wäre nicht nur das falsche Signal, sondern vor allem schädlich für sie selbst und andere Arbeitnehmer in Deutschland.
Die Arbeitgeber rund um Gesamtmetall und die neoliberalen Truppen um die INSM werden den gleichen Lohnverzicht überall fordern und damit ihr System der Umverteilung von unten nach oben ein wenig weiter am Leben erhalten. Denen reicht es ja, wenn es bis zur Bundestagswahl so weitergeht, weil sie hoffen, danach mit Schwarz-Gelb eine Diktatur errichten zu können, in der es keine Bürger-, vor allem aber keine Arbeitnehmerrechte mehr gibt.
Für die Opelmitarbeiter sind die Folgen aber noch schlimmer. Der Lohnverzicht wird nicht helfen, er kann nicht helfen, weil er am strukturellen Problem nichts ändert. Er sorgt nur dafür, dass im Rahmen eines Sozialplans die Kosten sinken und hinterher weniger Arbeitslosengeld gezahlt werden muss. Die Mitarbeiter, die ihr Unternehmen retten wollten, werden also dreifach abgezockt.
Mit der jetzigen Bundesregierung ist eine Verstaatlichung von Opel nicht machbar, und auch die europäische Union wird viel reden, aber nichts tun. Das Eigentum ist heilig, egal wie es geschädigt wird, und die Arbeitnehmer haben keinen Anspruch auf vernünftigen Umgang mit den Firmen, in denen sie die Gewinne erwirtschaften. Sie haben nur die Lasten zu tragen und müssen sich beschimpfen lassen, weil ihr Arbeitsplatz verspielt wurde.
Die Opelmitarbeiter sollten auch keinesfalls auf ihren Betriebsrat hören. Opel-Betriebsratschef Harald Lieske verschenkt – für wenige Tage Erhalt seiner Position – das Geld seiner Kollegen, obwohl die Berufsbetriebsräte ja meist die Arbeitnehmer schon lange nicht mehr als Kollegen empfinden. Die Gewerkschaften verfolgen eigene Interessen, die mit denen der Arbeitnehmer nicht mehr viel zu tun haben.
Genauso abenteuerlich ist allerdings der Versuch der Vereinigung der Europäischen Opel-Händler Eureda, die gerne 20 Prozent an Opel übernehmen würde und das mit 150 Euro pro verkauftem PKW bezahlen will. Wenn die Händler glauben, in der Weltwirtschaftskrise noch 150 Euro Marge pro Fahrzeug abgeben zu können, dann haben sie die Krise nicht verstanden. Die Abwrackprämie ist endlich. Viele Käufe, die jetzt überhastet getätigt und wahrscheinlich schon bald bitter bereut werden, sind vorgezogene Investitionen.
Denn natürlich hoffen aufgrund der seltsam zurückhaltenden Berichterstattung viele Leute, dass es bald wieder aufwärtsgeht, und wollen die Abwrackprämie mitnehmen. Die jetzt schnell ansteigende Arbeitslosigkeit wird viele Kredite, die im Zusammenhang mit dieser Prämie gegeben wurden, schon bald kritisch oder unhaltbar werden lassen. Die Autobanken werden dann erneut zum Staat rennen und Geld fordern.
Das weiß die Politik natürlich, und sie weiß auch, dass Sarkozys Förderung der französischen Autoindustrie zusammen mit der deutschen Abwrackprämie den Untergang zwar gebremst, aber in Wirklichkeit nur verschoben haben. Sie wissen, dass Opel nicht zu retten sein wird, ohne das GM gerettet wird. GM ist aber nur zu retten, wenn Opel viel Geld oder viel Hilfsgeld einbringt. Beides wird jedoch nicht geschehen, weil es den Markt für die VW-Gruppe, BMW und Mercedes enger macht. So schlimm es für die Betroffenen auch ist, Opel wird nicht gebraucht.
Natürlich sollten die Opel-Arbeitnehmer kämpfen. Für eine Verlängerung des Arbeitslosengeldes I auf drei Jahre. Das könnte kurz vor den Bundestagswahlen Erfolg haben und sie weichen damit der Hartz-IV-Falle aus. Vielleicht könnten sie auch für einen Hartz-IV-Betrag kämpfen, der eine Teilnahme am Leben ermöglicht, aber das ist wohl nicht mehr möglich in Deutschland.
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» Von Jochen Hoff (68) am Donnerstag, 12. März 2009, 19:37 Uhr
» read: 3954 · today: 5 · last: 16. Mai 2012
» Kategorien: Politik, Wirtschaft
» Tags: Finanzkrise | Opel | Politik | Subventionen | Wirtschaft | Wirtschaftskrise
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