Offene Briefe zu den Äußerungen unseres Ministerpräsidenten
Von Hans Fricke
Sehr geehrter Herr Chefredakteur Emmendörfer,
wie ich der heutigen Ausgabe der "Ostsee-Zeitung", Rostock, entnehme, sind zwar alle Leserinnen und Leser der "OZ" auf bestimmten Gebieten "gleich", so zum Beispiel beim Verkaufspreis ihrer Zeitung, aber einige sind eben doch "gleicher"! So habe ich unmittelbar nach Ihren ersten Veröffentlichungen über die Äußerungen unseres Ministerpräsidenten zur DDR ihm einen Offenen Brief gesandt, in dem ich seine Sicht der Dinge begrüße.
Als langjähriger Leser der "OZ", war es für mich eine Selbstverständlichkeit, diesen Brief auch Ihrer Redaktion in der Erwartung zur Kenntnis zu geben, dass Sie Ihre Leserinnen und Leser über seinen Inhalt ebenso ausführlich informieren werden, wie über die Meinung seiner Kritiker, die, wie sich inzwischen zeigt, auffälligerweise n i c h t unter den "einfachen" ehemaligen DDR-Bürgern, sondern in den Parteien zu finden sind. Letzteres allein schon sollte zu denken geben. Während Sie in der heutigen Zeitung unter der Überschrift "SPD-Politiker üben ätzende Kritik an Sellerings DDR-Bild" aus dem Offenen Brief des ehemaligen Vizepräsidenten des Landtages und Vizechef der SPD-Fraktion, Manfred Rißmann (SPD), zitieren, der Herrn Sellering den an Unsachlichkeit kaum noch zu überbietenden Vorwurf macht, sich in die "Arbeiter- und Bauern-Front" einzureihen und auch den SPD-Bundestagsabgeordenten und ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Gunter Weißgerber mit der frechen Beleidigung "Sellering hat ein Rad ab." zu Wort kommen lassen, erwähnen Sie meinen zustimmenden Offenen Brief mit keinem Wort!
Was eine solche Praxis mit ausgewogener Berichterstattung einer Zeitung, die für sich in Anspruch nimmt, "unabhängig" zu sein, zu tun hat, wissen die Götter. Dass eine solche tendenziöse Informationspolitik auch nichts mit der Ziffer 1, des Pressekodex (journalistische Sorgfaltspflicht) zu tun hat: "Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse." erwähne ich nur zum besseren Verständnis meines Anliegens. Ich und andere Leserinnen und Leser, der "OZ", aus meinem Umfeld, mit denen ich über meinen Offenen Brief gesprochen habe, erwarten von der "OZ", nicht zuletzt auch in diesem speziellen Fall, dass Offene Briefe von Lesern nicht in Abhängigkeit von ihrer Parteizugehörigkeit behandelt werden, sondern nach den Geboten einer wahrheitsgemäßen und ausgewogenen Berichterstattung.
Eine Überschrift für Ihre hoffentlich bald erfolgende Information zu meinem Offenen Brief hätte ich schon vorzuschlagen: "Ehemalige DDR-Bürger begrüßen Sellerings DDR-Bild". Begrüßen würde ich angesichts der massiven Kritik an Sellerings Äußerungen aus Partei- und Regierungskreisen in Presse, Rundfunk und Fernsehen auch, wenn die "OZ" meinen Offenen Brief als relativ ausführlichen Ausdruck der Meinung eines einzelnen "einfachen" Bundesbürgers, der sicher ist, damit im Namen vieler ehemaliger DDR-Bürger zu sprechen, die aus den verschiedensten Gründen nicht in der Lage sind, sich in gleicher Weise zu äußern, vollinhaltlich veröffentlichen würde. Das wäre zwar noch immer keine reale Ausgewogenheit in der öffentlichen Meinungsäußerung zu Grundfragen, aber zumindest doch ein bescheidener Beitrag dazu, auch Kritiker von Parteien- und Regierungsmeinungen in angemessener Weise zu Wort kommen zu lassen.
Hans Fricke (78)
Hans Fricke ist Autor des im August 2008 im Berliner Verlag am Park erschienenen Buches “Politische Justiz, Sozialabbau, Sicherheitswahn und Krieg“, 383 Seiten, Preis: 19,90 Euro, ISBN 978-3-89793-155-8.
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» Von Hans Fricke (65) am Mittwoch, 25. März 2009, 20:10 Uhr
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am Donnerstag, 26. März 2009 12:23
Sehr geehrter Herr Fricke,
ich kann ihnen da absolut nur zustimmen. Für mich persönlich hat die OZ den Status einer seriösen Zeitung schon letztes Jahr verloren, als Sie Stil einer bekannten deutschen Tageszeitung mit 4 Buchstaben, Bilder von Kindern veröffentlichte mit schwarzen Balken über den Augen (!!!) die von den Seebrücken ins Wasser springen.
MFG
Thomas Gutteck