Hoffnung für Afghanistan?
Es gab in den vergangenen Wochen bereits Anzeichen für eine substanzielle Änderung der amerikanischen Afghanistan-Politik. Gestern nun hat US-Präsident Obama sie in einem spektakulären Interview mit der New York Times vollzogen. Auf die Frage: „Gewinnen wir den Krieg in Afghanistan?“ antwortete er mit einem knappen: „Nein.“
Dieser bemerkenswerte Sachverhalt hat den hervorragenden Afghanistan-Kenner und jahrelangen harten Kritiker der Afghanistan-Politik des Westens, Christoph R. Hörstel, veranlasst, den Mitgliedern des Deutschen Bundestages heute Mittag in einer E-Mail u.a. folgendes zu schreiben:
„Ich habe Präsident Obama in den letzten Wochen auch deshalb kritisiert, weil die ’Restmengen’ entscheidend sind: Es ist eben auch möglich, dass eine sehr substanzielle Änderung einer Politik die mögliche Heilwirkung nicht ausreichend in Gang setzten kann, weil das letzte Quäntchen Änderung gefehlt hat. Und das wäre besonders in Afghanistan geradezu verheerend.
Heute jedoch bin ich Präsident Obama für die Courage und Führungskraft dankbar, die er in den wenigen Wochen seit Amtsübernahme gezeigt hat, und kann ihm nur von Herzen wünschen, dass er sich nicht beirren lässt, nunmehr auch vollständig aufzuräumen mit dem schädlichen und verbrecherischen Weg, den sein unkluger Vorgänger genommen hatte.
In Afghanistan heißt das, in Ruhe und Fairness mit allen Kräften, also auch mit den Taliban, zu sprechen. Und da Obama im Interview von künftigen Kontakten mit gemäßigten Taliban gesprochen hat, könnte in Kontakten mit Mullah Mohtasem Agha Jan, der seinerseits eine revolutionäre Kehrtwendung der Taliban skizziert hatte, der gute Weg einer konstruktiven US-Politik in Afghanistan liegen.
Die Taliban werden sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass sie zwar die USA unter fruchtbaren Verlusten zur oben erwähnten Einsicht gebracht haben – doch dass es in Afghanistan eine starke Mehrheit von Menschen gibt, die zwar eine islamische Ausrichtung des Landes wünschen, jedoch keine Alleinherrschaft der erfolgreichen Kämpfer. Fairness, Zurückhaltung und Milde ist die Stärke des Siegers. Insofern gibt es nicht nur auf Seiten der USA Lernpensum – sondern auch bei den Taliban.
Für mich persönlich, wenn ich das anfügen darf, ergibt sich hier nach bitteren und harten Jahren der Auseinandersetzung eine positive Perspektive auf die Zukunft, an die ich kaum noch glauben mochte. Es ist jedoch jetzt an der Zeit, positiv in die Zukunft zu denken: nicht im Vergessen der Verbrechen – doch in der Hoffnung, dass Gerechtigkeit, Fairness, Aufrichtigkeit und guter Wille jetzt die Agenda bestimmen.
Es gibt noch eine Menge zu tun, wir stehen gerade erst am Anfang davon – aber jetzt glaube ich doch, dass es eine Chance gibt. Wachsamkeit und Klarheit sind jetzt gefragt, damit zum guten Erfolg kommt, was Präsident Obama heute früh in der NYT so erfreulich begonnen hat. Ich wünsche Amerika von Herzen die Stärke, die es durch Beachtung und Befolgung seiner Ideale verdient.“
Abschließend bringt Christoph R. Hörstel zum Ausdruck, dass diese Stärke darin liegen könnte, den Friedensplan (PDF-Datei 848KB) umzusetzen, vielleicht auch beschleunigt umzusetzen, den er in den letzten Wochen an das Weiße Haus und das State Departement gesendet hat.
Hans Fricke
Hans Fricke ist Autor des im August 2008 im Berliner Verlag am Park erschienenen Buches “Politische Justiz, Sozialabbau, Sicherheitswahn und Krieg“, 383 Seiten, Preis: 19,90 Euro, ISBN 978-3-89793-155-8.
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» Von Hans Fricke (65) am Sonntag, 8. März 2009, 19:54 Uhr
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» Kategorien: Krieg und Frieden, Politik, USA
» Tags: Afghanistan, Deutschland, Frieden, NATO, Obama, Politik, USA
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am Dienstag, 10. März 2009 02:49
[...] Hans Fricke – Hoffnung für Afghanistan? … in Anlehnung an eine wenig wahrscheinliche Auslegung der „Zeichen Obamas“ hinsichtlich einer „Friedensoption“ für Afghanistan und ähnliche Gedankenspiele werden in diesem Artikel hinterfragt. [...]