Haben Sie ein Gewissen?
Von Helene Doomsday – Duckhome
Jedes System beruht auf Belohnungen. Belohnungen die, je anreizender sie sind, einen in eine Art Abhängigkeit drängen und manchmal sogar Schlimmes tun lassen. Wenn du systemkonform bist, wirst du belohnt. Bist du es nicht, dann gibts eben keine Belohnung.
In der jetztigen Wirtschaftsschieflage, bei den steigenden Arbeitslosenzahlen und auch in sonst anderen Dingen ist das ein interessantes und ausbaufähiges Thema. Viele Menschen sind bereit, alles mögliche zu tun, um zum Beispiel beruflich aufzusteigen oder um Arbeit zu bekommen. Das geht mittlerweile soweit, dass man sich selbst oder sein eigen Hab und Gut zum Tausch anbietet. Hintergrund: Das Überleben.
Die Angst ums Überleben lässt uns bisweilen Dinge tun, die wir vor einigen Jahren noch strikt abgelehnt hätten. Gegenüber der angeblichen Meinung "Arm macht dumm oder lässt verblöden" steht der Instinkt. Der Überlebensinstinkt.
Jedem gefällt es Geld zu verdienen – um sich und seinen Lieben etwas bieten zu können, um es warm zu haben, um sich vielleicht ein neues Handy zuzulegen oder um am Ende des Monats noch etwas zum Essen im Kühlschrank zu haben. Dafür nimmt man auch Hungerlöhne in Kauf, wenn anderes nicht mehr möglich ist. Man fährt sich somit seine Belohnung ein; und ist sie auch noch so klein und unzureichend – man will schliesslich überleben.
Dann aber gibt es immer mehr Menschen, die auch über Leichen gehen. In letzter Zeit oftmals sogar über die eigene.
Wie verzweifelt ein Mensch sein muss, der diesen Überlebenswillen aufgegeben hat, erschließt sich meistens für uns nicht gänzlich. Wir haben immer nur gewisse Ahnungen, zählen Erfahrungswerte auf und vergessen darüber hinaus, dass es ein zusammenhängendes Ganzes gibt. Wir suchen die Schuldigen, wir diffamieren, wir diskriminieren, wir schikanieren. Über all dem … verdrängen wir unsere eigene Position in dieser Gesellschaft. Diese Gesellschaft, in der wir uns so dann wieder schön konform verhalten – systemkonform. Wir werden belohnt. Durch Aufmerksamkeit, durch Mitstreiter, durch neue brühwarme Geschichten über unsere Nachbarn, durch gute Schulnoten, durch Freunde und Bekannte.
Wer nicht passt, wird passend gemacht – wer nicht springt, wenn ein anderer pfeift, wird ausgegrenzt.
Das Ganze ist ein Erziehungskonzept. Verdienen tut der Staat – und nur er. Marschiert eine Masse, wie sie marschieren soll, kann man sie überall hin lenken.
In der Geschichte gibt es immer wieder Beispiele, an denen man diese Gruppenbewegungen anschaulich erklären kann. Der Nationalsozialismus wäre für Deutschland das wohl greifbarste Beispiel.
Auch damals schallten die Lockrufe. Zu hören, als solches, bekam man sie allerdings seltener.
Die Jugend wurde mit Versprechungen gelockt und sie kam. Die Erwachsenen wurden patriotisiert und spurten. Man gab den Massen was sie dringend brauchten plus ein wenig mehr zum wohl- und erhabenfühlen und dafür waren sie bereit alles zu tun.
Ganz aktuell in Deutschland wünscht sich die Mehrheit der Bevölkerung so etwas wie eine Struktur. Jemanden oder etwas, was ihnen die Richtung weist. Jemanden der auf den Tisch haut und sagt, wo’s lang zu gehen habe. Wir aber befinden uns in einer Art Vakuum – und das ist verdammt gefährlich. Wir merken gar nicht, was uns vorgesäuselt wird, weil wir froh darüber sind, dass sich jemand angeblich um unser Überleben sorgt.
Deutsche Leitkultur klingt da plötzlich ganz prima; dem Volk zum Terrorschutz die Überwachung schenken; auch der Papst hat Fehler gemacht, aber immerhin hatte er einen festen Standpunkt … Klopf, klopf – jemand zu Hause?
An wen glauben wir eigentlich?
Haben wir den Glauben an uns selbst mittlerweile schon an den Nagel gehängt?
Jeder will momentan irgend etwas machen, die wenigsten tun es tatsächlich – geschimpft wird viel. Wir harren in einer Art Winterstarre, die sich schleppend über den bevorstehenden Frühling hinausziehen wird. Es scheint alles zersplittert. Hier eine kleine Gruppe, dort eine Gewerkschaft, dort hinten Atomkraftgegner, hier Datenschützer, woanders Menschenrechtler, Hartz-IV-Gegner, 1-Euro-Jobber, unterbezahlte Ärzte, Lehrer, usw. Dabei hat man eigentlich ein gemeinsames Ziel …
Wieso es keinen Ausweg gibt, solange diese Gruppen nicht zusammenfinden, und was geschieht, wenn das so bleibt, kann sich jeder denken.
Am Ende allerdings steht eine nicht zu verachtende Belohnung – wir haben die Wahl zu entscheiden, ob diese gut oder schlecht sein wird.
Wir haben tief drinnen ein eigenes System – nur diesem sind wir zur Konformität verpflichtet! Nennen wir es ruhig wie die Politiker: unser Gewissen.
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» Von SaarBreaker (1894) am Donnerstag, 5. März 2009, 19:12 Uhr
» read: 1967 · today: 7 · last: 19. März 2010
» Kategorien: Arbeitsmarkt, Armut, Politik
» Tags: Arbeitslos, Arbeitslosenzahlen, Arbeitsmarkt, Armut, Deutschland, Gewerkschaft, Gewissen, Politik, Recht und Unrecht, Reichtum, Terror
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am Donnerstag, 5. März 2009 21:52
Volle Zustimmung:
Wo kämen wir hin, wenn alle nur sagen würden: “Wo kämen wir hin?” und niemand ginge um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?