Warum lügt das ZEW bei den Konjunkturprognosen
Von Jochen Hoff – Duckhome.de
Die Weltwirtschaft ist auf einer rasanten Talfahrt. Nirgendwo ist ein Haltesignal zu sehen. Egal, ob die Tigerstaaten, das Wirtschaftswunderland der billigen Löhne China oder Osteuropa. Alles klappt ziemlich gleichmäßig zusammen, und die sogenannte PIGS-Gruppe (Portugal, Italien, Griechenland und Spanien), aber auch Irland und Österreich könnten sehr schnell vor einem Staatsbankrott stehen, auch wenn die EU dies zur Zeit noch verneint.
Nun ist neben der Politik aber auch die Wirtschaft – trotz der desolaten Lage – noch der Meinung, mit viel gutem Geld, das dem schlechten Geld hinterhergeworfen wird, sich irgendwie durchmogeln zu können, und versucht, das Prinzip Hoffnung zu verbreiten. Dazu ist jedes Mittel recht, auch die Propagandalüge. Sie soll als sich selbst erfüllende Prophezeiung dazu führen, dass ein Wunder geschieht.
An diesem Wunder arbeitet auch das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). ZEW-Präsident Wolfgang Franz präsentiert zum 4. Male hintereinander steigende Konjunkturerwartung, gibt zwar zu, dass es im Moment noch abwärts geht, aber der Sommer soll es bei ihm richten. Schön wäre es ja, aber leider so unrealistisch, wie es die ganzen Wahrsagereien sind. Volkswirtschaft ist eben eine Religion, und welcher gemeinen neoliberalen Religion Wolfgang Franz anhängt, ist hinreichend bekannt. Er und seinesgleichen wollen das Volk immer tiefer ins Unglück schicken, um ihren neoliberalen Wahnsinn noch ein paar Wochen länger genießen zu können.
Allerdings lassen ihn sogar seine neoliberalen Freunde nun im Stich. Die fürchten sich nämlich schon recht kräftig vor dem Volk, das ihnen vielleicht einen heißen Herbst beschert und sie dann nicht nur aus ihren Pfründen treibt, sondern vermutlich auch vor Gericht stellen und enteignen wird. Deshalb klingt zum Beispiel beim ifo Institut die Wahrheit durch, das von Massenentlassungen im Sommer spricht und seine erwarteten Arbeitslosenzahlen mal eben schnell von 500.000 auf zusätzlich 700.000 gesetzt hat. Deutschland hätte Glück, wenn es weniger als 1 Million würden.
Aber auch in dieser Situation gibt es noch Leute wie Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), der schnell noch mal eben vor dem Untergang die Regeln für befristete Arbeitsverträge ändern möchte, um die Menschen ihr ganzes Leben lang ohne Sicherheit und in ständiger Angst zu halten. Auch den sollte man in einem heißen Herbst nicht vergessen und ihm eine schöne Zelle verschaffen, für das, was er den Menschen in Deutschland angetan hat.
Natürlich wird aber auch der ifo-Index am Dienstag nach oben zeigen. Auch Professor Unsinns Truppe kennt ihren gesellschaftlichen Auftrag. Aber irgendwie scheint Straubhaar die Parole nicht verstanden zu haben, er spricht nämlich von 5-10 Prozent Inflation, was wohl heißt, dass die durch einen falschen Warenkorb völlig falsch berechnete Inflation auf 15-20 Prozent steigen wird. Das ist realistisch, dient aber auch nicht der Beruhigung.
Auch der DIHK (Deutsche Industrie- und Handelskammertag) senkt seine Konjunkturprognosen und erhöht die Arbeitslosenzahlen, aber alles in kleinen Dosen, damit ihnen die Lüge nicht angekreidet werden kann, sie aber auch niemandem die Wahrheit sagen müssen. – Norbert Walter, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, glaubt, dass Deutschlands Wirtschaft in 2009 nur um fünf Prozent schrumpfe, lügt sich aber schon jetzt fein raus, indem er darauf verweist, dass dies nur klappe, wenn der Sommeraufschwung kommt – der aber eine weiterer verschärfter Abschwung sein wird.
Die wahre Lageeinschätzung lässt sich am Aktienmarkt finden. Wo Unternehmen sich weigern, einen Vorausblick zu wagen, und die Zahlen alles andere als rosig sind, da ist bestenfalls eine Bärenrallye zu erwarten – oder ein Strohfeuer, mit dem die Banken ihre Papiere noch einmal umrubeln wollen. Der Boden dürfte bei 2.200-2.300 Punkten im Dax liegen. Das hat aber zur Folge, dass die Banken und Lebensversicherungen noch mehr in die Bredouille kommen. Die Nachdenkseiten weisen sehr deutlich auf die Probleme der Versicherer hin. Es ist äußerste Vorsicht geboten.
Alles in allem gehen wir wohl weltweit auf düstere Zeiten zu. Die dunklen Jahre ließen sich abkürzen, wenn jetzt entscheidende Schritte für ein neues Weltwirtschaftssystem und ein neue ressourcenschonende Wirtschaft geschaffen würde. Dazu sind aber die aktuell Regierenden, die ja alle der neoliberalen Wahnidee folgen, nicht wirklich in der Lage. Sie müssten ja ihr eigenes Denken total umkrempeln und das kann man einfach nicht erwarten.
In einigen Ländern probt das Volk zwar den Aufstand, weitere Regierungen werden zerbrechen, aber leider wird immer wieder die gleiche politische Klasse nach oben gespült, mit der Änderungen unmöglich sind, und die alten Besitzverhältnisse, die gleichzeitig auch politische Macht bedeuten, bleiben erhalten. Änderung könnte nur eine Revolution bringen, die nicht nur die politischen Altkader entfernt, sondern auch nachfragt, wie die großen Vermögen entstanden sind, und dann entsprechende Beschlüsse über deren Einzug formuliert, wenn sie aus Arisierungen, Fremd- und KZ-Arbeit oder Betrug stammen.
Dazu eine verfassungsgebende Versammlung und ein direktes Wahlrecht – dies könnte ein neuer, unbedingt notwendiger Anfang sein.
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» Von Rebecca E. (57) am Montag, 23. Februar 2009, 22:06 Uhr
» read: 2490 · today: 7 · last: 17. März 2010
» Kategorien: Kapitalismus, Politik
» Tags: Angst, Arbeitslos, Arbeitsmarkt, Finanzkrise, Kapitalismus, Politik, Wirtschaftskrise
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