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SaarBreaker - http://www.saarbreaker.com, 16.03.2010
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Aufruf an die Bevölkerung: Gaza geht uns alle an

Von SaarBreaker am Sonntag, 18. Januar 2009, 13:27 Uhr

GAZA GEHT UNS ALLE AN

Am Sonntag dem 28.12. telefonierte Frau Bundeskanzlerin Merkel mit dem Ministerpräsidenten Israels Ehud Olmert und ließ am Montag von ihrem Pressesprecher bekanntgeben, dass “sie und Olmert sich einig gewesen seien, dass die Verantwortung für die jüngste Entwicklung “eindeutig und ausschließlich” bei der Hamas liege“.
Merkel sah “die islamistische Hamas als alleinige Schuldige für den Beginn der Kampfhandlungen.”

Dies heißt nun aber, dass demzufolge die Israelis nicht schuld an dem sind, was in Gaza passiert, also auch nicht schuld, wenn sie eine UN-Schule beschießen (“diente als Versteck für Hamas-Kämpfer”) oder wenn sie Krankenwagen nicht zu den Verletzen lassen (“Krankenwagen könnten als Transportmittel für Hamas-Kämpfer benützt werden”).

Werden also internationale Konventionen in Gaza gebrochen, wird gegen Menschen-/und Völkerrecht verstoßen, so sind die Israelis im Vorfeld aber schon “entschuldet” worden, unter anderem von unserer Kanzlerin.

Ob nun also ein israelischer Soldat ein Baby zertritt, ob ein israelischer Soldat einem Mädchen in den Kopf schießt, ob Kleinkinder tagelang neben den Leichen ihrer Eltern ausharren… keiner dieser Soldaten macht sich schuldig.

Wäre nun wenigstens Israel der Staat der Juden, wäre es nun wenigstens so, dass die Juden in Israel einen Staat gefunden hätten, in dem sie glücklich und zufrieden, sicher und in Ruhe und Frieden leben würden.

Aber es ist doch nicht so. Die schärfsten und stärksten Stimmen, die die israelische Politik/die die israelische Regierung/die das Vorgehen des israelischen Militärs ablehnen, kommen von Israelis und von nichtisraelischen Juden selbst.

Israelische Offiziere, die Soldaten zur Kriegsdienstverweigerung aufrufen (“Courage to Refuse”)

“Dieser Krieg hat bereits mehr als 500 Menschenleben gekostet und ein Ende ist nicht absehbar. Die brutale, beispiellose Gewalt in Gaza ist schockierend. Wir können nicht einfach zuschauen, wenn Hunderte von Zivilisten durch die israelische Verteidigungsarmee abgeschlachtet werden.”

ein israelischer Rabbi, der für die Kinder von Gaza betet:

“Wenn es je eine Zeit für ein Gebet gegeben hat, dann ist es jetzt.
Wenn es je einen verlassenen Ort gegeben hat, dann ist Gaza der Ort.

Herr, der Schöpfer aller Kinder, höre unser Gebet an diesem verdammten Tag. Gott, den wir als gesegnet nennen, dreh Dein Gesicht zu diesen, den Kindern von Gaza, dass sie Deinen Segen und Deinen Schutz, dass sie Licht und Wärme kennenlernen können, wo es jetzt nur Finsternis und Rauch gibt und eine schneidende Kälte die Haut zusammenziehen lässt. … “

deutsche Juden, die Anzeigen in deutschen Zeitungen schalten:

“Deutsche Juden und Jüdinnen sagen NEIN zum mörderischen Krieg der israelischen Armee

Nach einer 18 Monate währenden Blockade, nach systematischer und umfassender Bombardierung eines unentrinnbar umschlossenen Landstreifens, der mit 1,5 Millionen Menschen der dichtest besiedelte Raum der Welt ist,
nach einem Blutbad, das über 900 Menschen in den Tod gerissen, Tausende schwer verletzt und die gesamte Bevölkerung von Gaza traumatisiert hat,
nach den unsäglichen Zerstörungen, die seit dem 27. Dezember die
Weltöffentlichkeit täglich entsetzen, …. “

Hier noch ein Aufruf von einem breiten Bündnis israelischer Frauenorganisationen:

“We women’s organizations from a broad spectrum of political views demand an end to the bombing and other tools of death, and call for the immediate start of deliberations to talk peace and not make war. The dance of death and destruction must come to an end. We demand that war no longer be an option, nor violence a strategy, nor killing an alternative. The society we want is one in which every individual can lead a life of security – personal, economic, and social.
It is clear that the highest price is paid by women and others from the periphery – geographic, economic, ethnic, social, and cultural – who now, as always, are excluded from the public eye and dominant discourse.
The time for women is now. We demand that words and actions be conducted in another language.”

Ich bin weder Israelin, noch Palästinenserin, noch Jüdin, noch Muslimin.

Ich bin eine junge Deutsche, der jahrelang in Deutchland vermittelt wurde, wie schrecklich die Zeit des Nationalsozialismus war und was in dieser Zeit unschuldigen Menschen an Unrecht angetan wurde und dass es unter anderem nur zu dem Unrecht kommen konnte, weil die deutsche Bevölkerung der damaligen Zeit wegschaute und weil die deutsche Bevölkerung “dem Adolf” vertraute, und außerdem waren die Juden schließlich selbst schuld, glaubte man damals ja (“Schwarzer Freitag”…).

Es geschieht viel schlimmes auf der Welt, schaue man nur nach Afrika: Darfur, Ruanda, Kongo… schrecklich und unvergleichbar (jedes Unglück ist für sich unvergleichbar).

Aber es war meines Wissens noch nie – seit Gründung der BRD so, dass die deutsche Bundesregierung offen eine Regierung eines Landes unterstützte, die nachweislich sich nicht um geltende Rechtssprechung kümmert (alleine schon, dass keine unabhängige Berichterstattung zugelassen ist, dass Hilfsorganisationen ihre Arbeit nicht machen dürfen/angegriffen werden).

Es kann nicht sein, dass das palästinensische Volk für die Schuld aufkommen muss, in welcher die Deutschen gegenüber den europäischen Juden stehen.

Dies ist auch nicht der Wunsch vieler Juden/Israelis selber.

Deutsche Medien schweigen über Greueltaten, die in Gaza begangen werden, deutsche Medien berichten, wenn, dann meist über das Leiden der israelischen Zivilbevölkerung. Dieses ist im Vergleich zu unserem ruhigen und sicheren Leben hier in Deutschland sicherlich vorhanden, es steht aber dem unvorstellbaren Grauen gegenüber, in dem die Menschen in Gaza gefangen sind: es gibt keinen Ort, an dem Zivilisten sicher sind, KEINEN: es gibt KEINE KELLER, SELBST SCHULEN und KRANKENHÄUSER werden von israelischen Soldaten beschossen, es gibt kaum noch Nahrung, sauberes Wasser, Medikamente Strom (z.B. um Brot zu backen), es gibt nur noch Angst, Verzweiflung und Horror.

Auszug aus dem Brief von Karim, einem Jungen aus Gaza an die Berliner Kinder:

“Liebe Berliner Kinder,

alle Kinder in Palästina möchten wie du lachen, spielen und zur Schule gehen.

Du hast Glück gehabt, dass ihr in Deutschland geboren seid. Aber ist es meine Schuld, dass ich in Gaza geboren bin?

Könnt ihr nicht etwas für mich tun, damit dieser Krieg zu Ende geht?

Bitte lasst mich nicht allein. “

Karim hat vor dem Krieg schon Ali, seinen besten Freund verloren, weil dieser nicht die Medikamente bekam, die er brauchte, vor kurzem musste sein Großvater sterben:

“An dem gleichen Abend wurde unser Haus von zwei Raketen getroffen. Mein Großvater, den ich sehr liebe, ist dabei schwer verletzt worden. Wir konnten ihn nicht zum Krankenhaus bringen, da wir seit längerer Zeit kein Benzin mehr haben. Wir konnten auch die Ambulanz nicht anrufen, weil die Telefonleitungen zerstört sind. So musste mein Opa sterben. Und so starben auch viele andere Menschen.”

Ich bitte Sie, seien Sie aufmerksam.

Bloß weil in deutschen Zeitungen nicht darüber berichtet wird, heißt dies nicht, dass es dies nicht gibt.

Bitte hören Sie aufmerksam hin und schauen Sie aufmerksam hin.
Im Deutschlandfunk kommen oft kritische Stimmen zu Wort.
In der Jungen Welt wird sehr viel über Hintergründe berichtet.
Im Internet gibt es viele engagierte und aktuelle Seiten, die sich mit Gaza beschäftigen, Hintergründe beleuchten, Betroffene zu Wort kommen lassen (z.B. http://gaza.falastin.de, http://www.palaestina-heute.de, http://www.muslimmarkt.de)

Auf meinem Blog http://gazagehtunsallean.blog.de finden Sie alle Texte, aus denen ich hier zitiere in voller Länge und zum Teil mit Hintergrundinformation. Sie haben dort auch die Möglichkeit als Gast zu kommentieren.

Bitte seien Sie wachsam.

Aus einem Interview der ZEIT vom 08.01.2009 mit Joschka Fischer

ZEIT: Eine Mehrheit der Öffentlichkeit hierzulande fühlt sich eher aufseiten der palästinensischen Opfer. Wie soll die Regierung damit umgehen?

Fischer: Das ist eine Führungsaufgabe, da müssen Sie die Bundeskanzlerin fragen. Ich weiß, dass »Solidarität mit Israel« eine schwierige Position ist. Aber in einer offenen Gesellschaft muss man seine Positionen eben auch so erklären, dass aus Minderheiten Mehrheiten werden. Die Israelis als die Täter, die Palästinenser als die Opfer – das ist eine falsche Wahrnehmung der Nahostkonflikts. Es wäre eine Falle für die deutsche Politik, dieser verzerrten Wahrnehmung zu folgen und quasi als Palästina-Solidaritätskomitee zu agieren. Und ich rate der Bundesregierung, dem zu widersprechen und zu widerstehen. Dem Volk aufs Maul schauen – ja. Aber eine Regierung wird nicht ins Amt gewählt, um dem Volk nach dem Maul zu reden. Das ist das Gegenteil von Staatskunst.

Nun, wie sehen Sie das?

Verfügen Sie über Internetzugang, so möchte ich Sie bitten, auf eigene Faust “nachzuforschen”/sich Gedanken zu machen, Sie können mir auch gerne emailen: maria.zeiser@gmx.net

Wenn Sie sich nicht mit Internet auskennen/keinen Internetzugang haben, sich aber trotzdem weiter mit diesem Thema beschäftigen wollen und nicht wissen wie, melden Sie sich bei mir: (nur auf Anfrage)

Falls Sie sich fragen sollten, wer ich bin:

Ich komme aus Freiburg in Breisgau, habe einen Bachelor in “Mathematics with Computer Science”, habe eineinhalb Jahre in der Türkei, ein halbes Jahr in Frankreich, sechs Wochen in Russland und vier Wochen in Ecuador verbracht und außerdem noch drei Jahre in Greifswald alles Mögliche außer dem was ich sollte (“Deutsch als Fremdsprache und Russistik) “studiert”.

Wie Sie sehen, bin ich einigermaßen “gebildet und weltgewandt”, muß außerdem zur Zeit für mein Geld nicht arbeiten und wie schon oben erwähnt, bin ich als Deutsche dazu “erzogen” worden, nicht wegzuschauen, wenn Unschuldige und Hilflose unter der Willkür Starker zu leiden haben.

Ich bin letzten Dienstag spontan nach Berlin gefahren, um die Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses an diesem Dienstag, sowie die Sondersitzung des Bundestags am Mittwoch darauf (14.01.09), in der der zweite Teil um die aktuelle Lage in Nahost ging, mit einer “Mahnwache für die Kinder in Gaza” zu begleiten und bin seitdem – mehr oder weniger erfolgreich “vor Ort” und habe beschlossen, dass ich nicht lockerlasse, als bis zumindest die Mittäterschaft Deutschlands gegenüber dem palästinensischen Volk beendet wird.

Unter anderem mit dieser Flugblattaktion.

Falls Sie dieses Flugblatt informativ fanden, freue ich mich, wenn Sie es weitergeben.

Es ist ebenfalls über meinen blog http://gazagehtunsallean.blog.de verfügbar.

Sie dürfen das Flugblatt für eigene Zwecke beliebig verändern/ergänzen/verkürzen/verbessern, veröffentlichen es dann aber bitte unter Ihrem Namen/im Namen einer Gruppe.

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» Von SaarBreaker (12) am Sonntag, 18. Januar 2009, 13:27 Uhr
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2 Kommentare zu “Aufruf an die Bevölkerung: Gaza geht uns alle an”
  1. 1
    Gravatar von Lazy
    Kommentar von Lazy
    am Dienstag, 20. Januar 2009 11:54

    Selten so eine wirklich realitätsfremde Aussage gelesen wie von Olmert sowie unserer Bundeskanzlerin.. es ist schade, dass man Fakten anscheinend einfach links liegen lässt – ohne der Hamas eine Mitschuld abzusprechen, die haben sie gewiss.

  2. 2
    Gravatar von SaarBreaker
    Kommentar von SaarBreaker
    am Mittwoch, 21. Januar 2009 18:37

    Ganz unschuldig ist die Hamas natürlich nicht. Aber wenn man die israelische Belagerung betrachtet, die ja schon seit geraumer Zeit besteht, und berücksichtigt, dass Israel durch Waffenlieferungen unterstützt wird, dann frage ich mich, ob es wirklich so verwunderlich ist, dass die Hamas ein paar selbst hergestellte Raketen auf Israel abfeuert?
    Was hätte die Hamas denn tun sollen? Weiter warten und darauf hoffen, dass die Presse vielleicht einmal ihr schweigen aufgibt und ausnahmsweise einmal über die Tatsachen berichtet?
    Der Krieg hat wieder einmal mehr gezeigt, dass auf die ausländische Presse mehr verlass ist als auf die deutsche “Systempresse”, die ausnahmslos die Hamas für den Krieg verantwortlich machte, ohne überhaupt einmal zu erwähnen, dass der Gazastreifen seit einigen Jahren schon von Israel belagert wird. Und daran wird sich auch jetzt – nach dem Krieg – nichts ändern. Das aber wiederum bedeutet, dass der Waffenstillstand nicht lange halten wird. Denn die Forderung der Hamas ist seit Jahren bekannt: Keine Belagerung und offene Grenzen.

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