Wie können Blogger die Politik beeinflussen?
Feynsinn hat eine interessante Frage aufgeworfen, in der es darum geht, wie Blogger mehr Einfluss in der Politik erreichen und zu einer freien Meinungsbildung bei den Wählern beitragen können. Inzwischen ist eine fruchtbare und lange Diskussion in Form von Kommentaren entbrannt, die auch bei anderen Blogs zu interessanten Beiträgen geführt hat (Links am Ende).
Aus der Flut von Kommentaren und Beiträgen stolpert man immer wieder über einen Ansatz, die Idee der Gegenöffentlichkeit. Der Gedanke eine Gegenöffentlichkeit aufzubauen ist zwar nicht neu, dennoch, die Zeit ist Angesichts der vielen Fehlentscheidungen, Verharmlosung der Missstände und die anhaltende Verarmung in der Bevölkerung, reif. Die Diskussion bei Feynsinn ist inzwischen beendet, dennoch möchte ich die Idee einer Gegenöffentlichkeit hier aufgreifen und ein paar Gedanken dazu beisteuern.
Warum Gegenöffentlichkeit?
Das Problem der Medien ist, dass sie es sich einfach nicht leisten kann, Aussagen von Politikern unter kritischen Gesichtspunkten zu bewerten und zu veröffentlichen. Würden die Medien derart kritisch berichten, bekämmen sie bald keine Informationen mehr worüber sie berichten könnten. Blogger hingegen unterliegen dieser Beschränkung nicht. Außer der gesetzlichen Regelung, die unter anderem grobe Verunglimpfung und Aufruf zu gesetzeswidrigen Handlungen untersagt. Blogger können also frei darüber schreiben, was die Mainstreammedien nicht bringen können. Und genau darin liegt der Sinn von Gegenöffentlichkeit, es geht um Aufklärung. Aufklärung im positiven Sinne. Wer nur seine Unzufriedenheit über die Missstände zum Ausdruck bringt, erreicht aus meiner Sicht nichts. Denn Aufklärung erreicht man nicht, indem man seine Leser “vormault” was andere falsch gemacht haben könnten, sondern indem man die Hintergründe durchleuchtet und allgemein verständlich erklärt. Zu viele Fremdwörter und überlange Beiträge sind ebenso nicht zielführend wie zu kurz geratene. Ich finde es wesentlich besser, wenn man den Lesern alles in kleinen leicht verdauliche Häppchen serviert. Wer hat heute noch Zeit, einen vier Seiten langen Beitrag bis zum Ende zu lesen? Niemand! Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, dass erfordert auch, dass wir die Länge unserer Beiträge anpassen.
Wie können wir mehr Leser erreichen?
Was nützt uns die Aufklärung, wenn wir nur ein paar Hundert Leser haben? Nichts! Wir können uns biegen und wenden wie wir wollen, selbst mit sehr guten Beiträgen würden wir erst nach Jahren Gehör finden. Das ist leider ein Problem, das vor allem die meisten politisch orientierten Blogger haben. Die Allgemeinheit hat sich mit dem Argument “die machen ja eh was sie wollen” von der Politik abgewannt. Und die großen Blogs, die sich nicht gerade mit dem Thema Politik beschäftigen, werden wir kaum gewinnen können. Zwar gibt es in der Bloggerszene eine gute Verlinkung untereinander, doch reicht das aus um mehr Leser zu erreichen? Ich glaube nicht.
Ich glaube, dass wir mehr erreichen, wenn die Informationen frei verfügbar sind. Copyright frei! Jeder kann Beiträge kopieren und weiter verbreiten. Zunächst würden sich die Beiträge in der Bloggerszene verbreiten, was ein Plus an Lesern bedeuten würde. Und wer weiß, vielleicht schafft es der eine oder andere Beitrag in eine Zeitung. Auf jeden Fall erreichen wir dadurch mehr Leser und genau darum sollte es meiner Meinung nach in einer breiten Gegenöffentlichkeit gehen. Es nützt uns überhaupt nichts, wenn wir auf unser Urheberrecht bestehen und gute Aufklärungsbeiträge dadurch keine Leser finden.
Was wir tun können
Was wir tun können, ist dass, was die meisten politisch orientierten Blogger schon immer tun: Aufklären! Aufklären über die Missstände, die Hintergründe und die Zusammenhänge zwischen Politik und Wirtschaft. Achtet auf Presseberichte, die die Tatsachen verdrehen oder wie üblich verharmlosen und schreibt darüber. Gut wäre es auch, wenn einmal die von Armut Betroffenen, die Mitarbeiter der Tafeln und die die darauf angewiesen sind, sich zu Wort melden würden. Armut ist keine Schande sondern ein Missstand, den die Regierung zu verantworten hat. Gebt eure Beiträge frei, damit sie weiter verbreitet und dadurch mehr Leser finden können. Weitere Informationen und Ideen findet ihr auf mein Parteibuch und natürlich auf dem Parteibuch Wiki, welches ihr wie ich nutzen solltet.
Eine Partei gründen
Ein anderer Vorschlag war, eine Partei zu gründen. Den Gedanken finde ich gut, doch dürfte es Jahre dauern und sehr viel Geld kosten, bis eine neue Partei in den Köpfen der Bürger ankommen ist. Außerdem wird es schwierig werden, den etablierten Parteien Wähler abzuringen. Und wenn schon eine neue Partei, warum nicht “Die Basis“?
Bitte lest auch die folgenden interessanten Beiträge:
- Blogger in die Politik, Blogger in die Politik II und Geplättet
- Wie können Blogger auf die Politik Einfluss nehmen?
- Politikmüdigkeit?
- Blogger in die Politik. Eine Replik.
- Kritisches und solidarisches Engagement unvereinbar mit Individualismus?
- Wie funktioniert das mit der Politik?
- Lobbyismus für Nerds
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» Von SaarBreaker (2019) am Sonntag, 16. November 2008, 0:04 Uhr
» read: 7624 · today: 8 · last: 9. September 2010
» Kategorien: Bloggerszene, Deutschland, SaarBreaker
» Tags: Bloggerszene | Deutschland | SaarBreaker
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am Sonntag, 16. November 2008 00:33
Ich stimmt dem Vorgebrachten zu – gebe aber auch jene Aspekte nochmals zu bedenken, die ich in meinem Beitrag zum Thema aus dem selben Grund (Beschleunigung und weitere Streuung der Verbreitung von Gegenöffentlichkeit) angesprochen habe. Nebenbei wäre es meiner Ansicht nach auch nicht verkehrt, wenn man sich auf unverbindliche, aber dennoch gegenseitige Weise weiter und, sofern realisierbar, noch bedeutend stärker austauschen sollte. Ob dies in Blogs, einem eigens dafür einzurichtenden “Strategieforum” (meinetwegen auch Think-Tank – mit Blick auf die Waffengleichheit
) oder auch im direkten Austausch passiert, überlasse ich jedem aktiven Teilnehmer gerne selbst.
In diesem Sinne – in die Leser- und Interessentenrunde -
mfG
Moltaweto
(HDZ)
am Sonntag, 16. November 2008 15:06
Also um mehr Leser zu erreichen, wäre das sinnvollste Werbung zu machen. Und zwar möglichst ausserhalb des Netzes um auch neue Leser zu bekommen. Sticker/Aufkleber, Flyer, inserieren oder mal Flugblätter mit einem guten Artikel aus dem Blog und der URL herstellen. Mein Kommilitone gibt z.b. Visitenkarten raus mit der Adresse seines Blogs. Alternativ bleibt auch ein drängen auf Mund zu Mund Propaganda (was immernoch das effektivste Mittel ist). Auch muss man mehr Leute animieren Blogs zu schreiben!
Die Idee eines Strategieforums finde ich übrigens hervorragend!
Soweit mein Senf zur Idee
am Sonntag, 16. November 2008 17:47
@Moltaweto, Danke für Deinen Kommentar und Deinen großartigen Beitrag, den ich voll und ganz zustimme.
Ich halte ein “Strategieforum” für eine weitere Diskussion zum Thema sehr sinnvoll. Diskussionen in Blogs führen leider dazu, dass die Diskussion mangels Übersicht schnell abflaut und schließlich ganz vergessen wird.
Ein neues Forum ist mE allerdings nicht sinnvoll, da wir dafür erst Leser und das Interesse zum mitmachen wecken müssten. Besser wäre daher ein bereits bekanntes Forum mit ähnlichen Themenumfang. Meine Idee wäre das Parteibuch Forum, welches sich sicherlich erweitern ließe. Es gibt aber bestimmt noch viele weitere Foren, die in Frage kämen… Vorschläge?
am Sonntag, 16. November 2008 17:48
@Nülls, Danke, ich finde Deine Ideen super! Vor allem Inserate können hier, weil auch erschwinglich, viel bewirken. Aber auch die übrigen Ideen sind leicht umsetzbar und dürften ihre Wirkung nicht verfehlen.
am Sonntag, 16. November 2008 17:52
Ich möchte hier noch einmal kurz darauf eingehen, was ich in meinem Beitrag leider zu kurz angesprochen habe: Wir sollten versuchen, “Betroffene” zu Wort kommen zu lassen. Vielleicht in Form von Interviews oder auch ganz anonym durch ein noch einzurichtendes Postfach. Meiner Ansicht nach, wird gerade die Armut in Deutschland stark unterdrückt und verschwiegen – Niemand wagt es wirklich über seine tatsächlichen Verhältnisse zu sprechen, die Angst vor seinen Mitmenschen als “Versager” da zu stehen ist größer, als der Mut, dagegen anzukämpfen.
Ich bin der Ansicht, dass wir gerade da ansetzen können und auch müssen. Emotionen war schon immer ein starker “Willensträger”, warum also sollten wir das nicht für unsere Ziele nutzen? Natürlich bin ich mir auch der Gefahr bewusst, dass Emotionen in Wut umschlagen und zu einem “Flächenbrand” führen könnten. Wenn wir aber keine Aufklärung diesbezüglich betreiben, lassen wir unsere unterdrückten Mitmenschen im Regen stehen, die sich irgendwann in einem noch nie da gewesenen Volkszorn zu wehr setzen werden. Dessen bin ich mir sicher. Aufklärung könnte ebnen nicht nur genau das verhindern, sondern auch für mehr Transparenz in der Gesellschaft und somit für mehr Verständnis sorgen.
am Sonntag, 16. November 2008 21:30
“Das Problem der Medien ist, dass sie es sich einfach nicht leisten kann, Aussagen von Politikern unter kritischen Gesichtspunkten zu bewerten und zu veröffentlichen. Würden die Medien derart kritisch berichten, bekämmen sie bald keine Informationen mehr worüber sie berichten könnten.”
Das sehe ich nicht so. Das Problem ist nicht, dass die Medien keine “Kritik” ueben wuerden, sondern, dass sie diese Kritik von einem weitgehend gleichen (parteiischen) Standpunkt aus vornehmen. Oder anders: sie stuetzen mehrheitlich die herrschenden Gedanken die ja, Marx zufolge, stets die Gedanken der herrschenden Klassen sind. Das Problem ist vielleicht auch, dass die (meisten) Medien Wirtschaftsunternehmen sind und damit vor allem ihre wirtschaftlichen Interessen wahren (muessen). Man kann kein kommerzielles Medium etablieren, ohne dass man nicht a priori parteiisch waere. Das ist das Problem; ein Problem mit dem private Blogger – wie Du ja richtig bemerkt hast – nicht konfrontiert sind. Das Problem der Blogger ist eher das der Reichweite; theoretisch koennte jedes blog von Milliarden Menschen gelesen werden, praktisch tun das aber nur je ein paar hundert und wenn’s hoch kommt auch mal ein paar tausend und die weitaus meisten dieser wenigen Leser, da bin ich ziemlich sicher, muessen nicht erst zu kritischem Denken bewegt werden; sie bringen es bereits mit. Das Problem waere also: wie erreicht man (auch) die, die (noch) keine besondere Affinitaet zu kritischem Denken entwickelt haben? Und wie haelt man die, die sich eher zufaellig ins eigene blog “verlaufen” haben?
Einfach “andere Fakten” zu praesentieren (die dann je nach gegebener Grundeinstellung) vom Leser mehr oder weniger geglaubt werden oder nicht, reicht m.E. da nicht aus – den meisten Bloggern duerfte es auch kaum oder nur sehr begrenzt moeglich sein, ueberhaupt (ueber einen sehr begrenzten Bereich hinaus) an Fakten “aus erster Hand” zu kommen-
Zur Anregung, die sich bei feynsinnn fand, selbst Interviews mit Politikern zu fuehren etc.: was wuerden denn die einem Blogger anderes erzaehlen, als der restlichen Presse? – Wenn Interviews, dann waeren eigentlich nur solche interessant, die mit Personen gefuehrt wuerden, die in der normalen Presse keinen Raum finden – und da waeren wir wieder bei der Frage: wen interessierts? Eine Moeglichkeit “aufklaererisch” zu wirken, scheint mir deshalb eher darin zu liegen, die “gaengigen” Fakten, Nachrichten, Thesen, Meinungen usw. “neu” zu lesen – bzw. zu zeigen, wie sie sich noch – und anders – lesen lassen. Als Beispiel dafuer mag evtl. dieser Artikel dienen.
am Mittwoch, 19. November 2008 23:29
@ Saarbreaker:
Ich glaube es wäre besser das Strategieforum von einem einzelnen Blog zu lösen, dass beugt Problemen vor.
Mir schwebt ein Modell vor Ähnlich dem DSA-Ring ( ja klar das wäre jetzt Rollenspieler spezifisch aber die Idee ist nicht schlecht!)
Es handelt Sich dabei um eine Linkliste auf der alle mitmachenden Seiten stehen, jede Seite hat ein Button der auf die Seite mit der Linkliste verweist oder einen Schritt im Ring vor und einen zurück verlinkt, so sind alle Seiten im Kreis verbunden und mit der Haupseite, welche dann das angegliederte Forum hat.
http://www.dsa-ring.de/
Is natürlich nur n Vorschlag. Kann man auch anders machen.
am Donnerstag, 20. November 2008 21:02
@Roger, so hatte ich es ja auch gemeint – war nur sehr einfach formuliert.
Zu dem Thema, wie man Leser hält, wurde schon sehr viel geschrieben. Meine Erfahrung ist die, dass es kaum eine wirksame Möglichkeit gibt – außer man bezahlt den Leser.
Als Blogger verfasst man immer wieder einmal Beiträge, die nicht den Geschmack des Einzelnen treffen, was im schlimmsten Fall zum Verlust des Lesers führen kann. Andererseits gewinnt man dadurch auch wieder andere Leser, die vielleicht mehr lesen, als den Beitrag auf dem sie gerade gelandet sind.
Aus meiner Sicht können nur sehr wenige Blogs – Blogs von Abgeordneten und andere – Fakten aus erster Hand liefern. Die Mehrheit der Blogger kommt mangels Quelle nicht an diese Fakten heran. Darum sollte es aber auch nicht gehen, denn dann können wir gleich einpacken. Um Aufklärung zu betreiben muss man mE nicht zwangsläufig die Fakten in der Presse neu lesen um sie anschließend anders zu präsentieren, sondern vielmehr die “anderen” Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, die in der Presse keine Erwähnung fanden. Es ist ja leider so, dass die Presse bis auf wenige Ausnahmen nicht nachprüft, was sie da eigentlich schreibt. Die meisten Meldungen verbreiten sich – wie bei den Bloggern auch – durch abschreiben. Wobei ich das absolut nicht negativ bewerte, sondern gut finde, weil jeder “Schreiber” seinen eigenen Stil mit einbringen kann, was die Meldung wiederum interessant macht.
Was wir also brauchen, sind kluge Köpfe, die davon Ahnung haben worüber sie schreiben.
am Donnerstag, 20. November 2008 21:03
@Nülls, ich finde Deinen Vorschlag sehr gut. Auch deshalb, weil man – wie Du auch schreibst – bei den wirklich “wichtigen” Beiträgen nicht auf einen einzelnen Forenbetreiber angewiesen ist.
Allerdings hätte ich auch nichts gegen ein Forum, in dem wir über Aktionen und ähnliches diskutieren können, einzuwenden.