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"Er erschlug ein vierjähriges Mädchen"

Von Mein Parteibuch am Donnerstag, 17. Juli 2008 - 21:37

Zum Beitrag der Tagesschau
“Er erschlug ein vierjähriges Mädchen”
Quelle: Tagesschau.de

Die Tagesschau berichtet heute darüber, dass in Israel unter anderem von der “Übergabe von 200 libanesischen und palästinensischen Aktivisten an die Hisbollah”, der Freilassung von “Top-Terrorist” Samir Kuntar und vier anderen libanesischen Gefangenen im Austausch gegen die Leichen der israelischen Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev.

Dass die deutsche Märchenschau bei dem Ausdruck “Übergabe von 200 libanesischen und palästinensischen Aktivisten an die Hisbollah” zu erwähnen vergaß, dass diese als Leichen in Särgen übergeben wurden, ist sicher verzeihlich, denn dem aufmerksamen Leser erschließt sich das aus einer Bildunterschrift eines Bildes mit vielen Särgen, wo es heißt: “Rund 200 Särge übergab Israel an die Hisbollah - und ließ fünf Gefangene frei.” Bilder und ihre Unterschriften sind eben wichtig.

In dem Artikel der deutschen Märchenschau findet sich auch ein Bild des “Top-Terroristen” Samir Kuntar, wo es in der Bildunterschrift heißt: “Feiert seine Freilassung: Samir Kuntar ist für den Tod dreier Israelis verantwortlich. Er erschlug ein vierjähriges Mädchen.”

Im Artikel der Bundesnachrichtenschau heißt es dazu passend zu Samir Kuntar unter der Zwischenüberschrift “Top-Terrorist freigelassen”:

“Er verbrachte mehr als die Hälfte seines Lebens im Gefängnis, weil er 1979 einen israelischen Polizisten tötete, dann einen Familienvater von hinten erschoss und anschließend dessen vierjährige Tochter mit einem Gewehrkolben erschlug.”

Mit dem Ausdruck “Verbrachte mehr als die Hälfte seines Lebens im Gefängnis” sagt die Tagesschau angesichts dessen, dass Samir Kuntar seit 29 Jahren inhaftiert war, ausnahmsweise die Wahrheit. Dass Samir Kuntar, der laut Tagesschau “für den Tod dreier Israelis verantwortlich” ist, zur Tatzeit 16 Jahre alt war, schrieb die Tagesschau korrekterweise nicht, denn zu viele Informationen verwirren die Leser ohnehin bloß. Wichtig ist hingegen, die Tagesschau-Leser zu informieren, dass die Hisbollah die Freilassung des Kindesmörders feiert:

“Hisbollah-Anhänger im Libanon und im Gazastreifen feierten die Austauschaktion als ihren Triumph.”

Da die Tagesschau die Leser nicht mit überflüssigen Details belästigt, läuft die Tagesschau wenigstens nicht Gefahr, die Botschaft zu verwässern, dass Hisbollah-Anhänger so pervers sind, die Freilassung eines kindsmordenden Top-Terroristen zu feiern.

Im gestrigen Artikel von Tomas Avenarius in der Süddeutschen wird die klare Botschaft zum Beispiel mit folgenden Details verwässert:

“Gut 30 Jahre ist es her, dass Kuntar Abey verlassen hat. Er war damals 16 Jahre alt und zog los, um zusammen mit drei anderen Untergrundkämpfern an einem Strand bei Nahariya in Israel anzulanden in einem Schlauchboot. Das Kommando, unterwegs im Auftrag der damals noch vom Libanon aus kämpfenden Palästinenserorganisation PLO, wollte angeblich Geiseln nehmen.”

Klare Fakten werden in dem Artikel der Süddeutschen obendrein noch mit dem Wörtchen “offenbar” in Frage gestellt:

“Fakt ist, dass am Ende vier Israelis tot waren: Ein Polizist, dann ein Familienvater, dessen vierjährige Tochter und deren zweijährige Schwester. Auch zwei der Kämpfer starben, die anderen beiden wurden festgenommen. Kuntar selbst hatte, so urteilte jedenfalls das israelische Gericht, den Polizisten erschossen und den Zivilisten. Vor allem aber hat er offenbar die Vierjährige ermordet: Er soll ihr mit dem Kolben seiner Gewehres den Schädel zertrümmert haben.”

Ein gewisser Ausgleich für die verwässerte Botschaft ist es, dass Tomas Avenarius geschrieben hat, dass am Ende der Tat vier Israelis tot waren, und nicht nur, wie die Tagesschau geschrieben hat, Samir Kuntar sei “für den Tod dreier Israelis verantwortlich”. Wer bietet mehr? Mehr bietet zum Beispiel die Welt heute im Artikel “Wie der Libanon einen Mörder feiert“. In dem Artikel der Welt wird Samir Kuntar, mit folgendem Satz für den Tod von fünf Menschen verantwortlich gemacht:

“Kuntar, der zur Tatzeit erst 16 Jahre alt war, ist für den Tod von fünf Menschen, darunter zwei kleinen Mädchen im Alter von zwei und vier Jahren, verantwortlich.”

Die Linie ist klar: drei, vier oder fünf ist egal. Fakten sind Nebensache. Antikommunist Luis Posada Carriles ist ein Freiheitskämpfer und Samir Kuntar ist ein “Top-Terrorist“. Mein Parteibuch weiß nicht, was in der Nacht zum 22.04.1979 am Strand von Naharija wirklich passiert ist. Aber soll es von der Farbe des T-Shirts, das ein Täter trägt, abhängen, ob Gewalt in den Medien als heroische Tat dargestellt oder als perverses Verbrechen ausgeschmückt wird?

Es gibt gute Gründe, die übertrieben heroisch klingende Darstellung Samir Kuntars zu bezweifeln, der seit 29 Jahren hartnäckig behauptet, er habe kein Kind erschlagen, seine erwachsene israelische Geisel sei ein israelischer Atomwissenschaftler gewesen und auf der Flucht am Strand bei einem Schusswechsel mit israelischen Sicherheitskräften im Kugelhagel israelischer Sicherheitskräfte ums Leben gekommen.

Folgt man der von den westlichen Medien kolportierten zwischenzeitlich öfter mal geänderten israelischen Darstellung, muss man sich den Tatablauf vermutlich so vorstellen, dass der 16-jährige Samir Kuntar während einer wilden Schießerei mit israelischen Sicherheitskräften seine erwachsene Geisel mit einem Schuss in den Rücken erschossen und obendrein noch Zeit gefunden hat, ein 4-jähriges Kind, das er als Geisel genommen hatte, zu erschlagen.

Angesichts des angeblichen Tatablaufes und der Widersprüche in der israelischen Darstellung darf man es wohl niemandem verübeln, der bezweifelt, dass Samir Kuntar das Kind tatsächlich erschlagen hat. Mindestens genauso wahrscheinlich ist es, dass diese Darstellung darauf zurückgeht, dass israelische Sicherheitskräfte mit dieser Darstellung ihr tödliches Versagen vertuschen. Aber davon berichtet die deutsche Märchenschau natürlich nicht, denn das würde die Botschaft verwässern. “Er erschlug ein vierjähriges Mädchen”, bringt die Botschaft viel klarer rüber.

Aber wer einmal lügt und dadurch auffällt, dass er nur eingesteht, was nicht mehr zu leugnen ist, dem glaubt man nimmer.

Da geht es Israel nicht anders als der Tagesschau. (Quelle: Mein Parteibuch)

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