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WUT: ZDF erklärt die Jugendgewalt

Von WUT am Freitag, 16. Mai 2008, 18:31 Uhr

Was wäre ich nur ohne die Aufklärungsarbeit des BRD-Staatsfernsehens “ZDF” und seinen Nachrichtungen unter heute.de? Dieses “Qualitätsmedium” erklärt mir nämlich heute.de, woher die ganze Jugendgewalt kommt, nämlich von den pösen Metzelspielchen:

Brutale PC-Spiele sind nach Einschätzung von Experten das größte Risiko für Jugendkriminalität. Das ergaben wissenschaftliche Untersuchungen. Gründe für Gewalt seien zwar vielfältig, aber der stärkste Risikofaktor sei der Konsum von Mediengewalt.

Etwas unklar in diesem aufklärerischen Artikel bleibt zwar, wer diese Experten bezahlt hat, damit sie solche starken Risikofaktoren wie die zunehmende institutionelle Entelterung der Kinder; die persönliche Aussichtslosigkeit auch noch des jüngsten und hilflosesten Menschen in der BRD; den Verlust jeglicher familiärer Bande und jedes fühlbaren Begriffes von Heimat unter den Bedingungen eines gesellschaftlichen Prozesses, der jeden Menschen nur noch nach seiner Verwertbarkeit und Verwurstbarkeit im betrieblichen Produktionsprozess bewertet oder schlicht die gesellschaftlich und p’litisch allgemein und jeden Tag ein bisschen mehr als Weg zur Konfliktlösung akzeptierte und propagierte Gewalt übersehen. Dafür wird aber um so klarer, was unter dem Begriff der “Mediengewalt” zu verstehen sei, dieser bezieht sich keineswegs auf die mit hypnotischen Psychogeklimper unterlegten seelischen Zerfleischungen, die vom Vorabendprogramm des öffentlich-schlechtlichen Fern-Sähens im alltäglichen Dutzendpack in jeden Haushalt getragen werden sollen, sondern natürlich vor allem auf das genussvolle Abmetzeln irgendwelcher Pixelmonster:

Dabei habe sich gezeigt, dass PC-Spiele die bedeutsamste Ursache für Delikte wie Prügeln, Vandalismus, Mobbing oder Automatenaufbrüche seien – noch vor gewalthaltigen Fernsehsendungen und Horrorfilmen.

Etwas anderes hätte ich auch nicht erwartet. Jedenfalls nicht bei einer Meldung, die ausgerechnet von einem Fernsehsender verbreitet wird.

Immerhin, es gibt auch einen Eindruck von Fakten, Fakten und nochmal Fakten — ach, das war ja der Claim dieser Bildzeitung für Besserverdienende, die man als “Focus” kaufen kann, auf das auch ja der Blick richtig gebündelt werde. Na, Spaß beiseite, hier kommen die blutigen Details:

Demnach stehen Gewaltspiele auf Platz zwei der Risikofaktoren für Kriminalität [...]

Übrigens sterben die meisten Menschen im Bett. Die Benutzung eines Bettes steht also an erster Stelle für die Risikofaktoren, die zum Tode führen. Zu solchen Schlüssen kommt man leicht, wenn man vorher weiß, was herauskommen soll. Denn was Ursachen sind, was Wirkungen sind und was der Ausfluss komplexerer gesellschaftlicher Zusammenhänge, das geht beim gewaltsamen Spiel mit Zahlen schon einmal unter. Klar, dass auch eine konkretere Aussage nicht fehlen darf:

Bei einer Langzeituntersuchung mit Fragebögen unter 200 Schülern stellten Forscher der Universität Potsdam laut “Geo Wissen” zudem fest, dass ohnehin aggressive Kinder nach der Beschäftigung mit Gewaltspielen noch gewalttätiger werden.

Übrigens könnte man auch feststellen, dass Alkoholiker durch den regelmäßigen Konsum von alkoholischen Getränken noch abhängiger werden. Oder dass sich Ernährungsstörungen durch regelmäßiges Absolvieren von Diäten noch verschlimemrn. Und auch in solchen Zusammenhängen könnte man Schreckliches wie das Folgende sagen:

“Das ist eine Abwärtsspirale”, sagte die Potsdamer Psychologin Ingrid Möller dem Magazin.

Aber es geht hier ja nicht um die gesellschaftlich akzeptierte und geförderte Droge Alkohol oder um den gesellschaftlich akzeptierten und geförderten Wahn des verhungert aussehenden Körperkultes, sondern um die schnelle Ursachenforschung für kaum zu übersehende gesellschaftliche Probleme, die immer wieder einmal zu spektakulären Folgen mit übrigens großem und sensationsgeilem Medieninteresse führen. Und es soll auch nicht um individuelle Psychologie gehen, sondern um ein weltweit einmaliges Verbot gewisser recht dummer Computeranwendungen, das frisch zum Gesetz geworden jetzt vom BRD-Staatsfernsehen erklärt und gerechtfertigt werden muss. Kann sich noch jeder Leser hier daran erinnern, wie damals von allen Medien unter Beteiligung gezielter staatlicher Zensur und Fehlinformation der Emsdettener Mordlauf von Sebastian zu einem Produkt der Beschäftigung mit gewissen Computerspielen umgedeutet werden sollte, während die im Abschiedsbrief dieses fatal gescheiterten Menschen gut dokumentierten gesellschaftlichen Ursachen aus dem Internet entfernt werden sollten?

Vieles hat sich seitdem nicht verändert. Mal schauen, wann die nächste Sensationsmeldung gebracht werden kann — vermutlich wieder von einer Schule, dem Ort, wo dem erwachenden Individuum die gesamte Wucht der gesellschaftlichen Gewalt entgegen gebracht wird. Es wird bei solcher systematischer Verdrängung gesellschaftlicher Missstände nicht so schnell die letzte Schule geben, die von verzweifelter Mordswut eines Verlierers betroffen wäre.

Aber zum Ende hin wird diese Meldung noch richtig lustig (die Hervorhebung ist von mir):

Das Gesetz stellt zudem klar, dass Spiele, in denen Gewalthandlungen wie Mord- und Metzelszenen zu sehen sind oder in denen Selbstjustiz als einziges Mittel zur Durchsetzung von Gerechtigkeit dargestellt wird, von der Bundesprüfstelle in die Liste jugendgefährdender Medien aufgenommen werden sollen.

Wenn ich noch einmal ein ordentliches Metzelspiel programmiere, werde ich ein besonderes Augenmerk darauf legen, dass die Selbstjustiz nicht das einzige Mittel zur Durchsetzung dessen ist, was im Kontext der Spielhandlung als “Gerechtigkeit” empfunden werden muss. Stattdessen werde ich vor jeder Mordoption einen Button sichtbar machen, mit dessen Hilfe man das Opfer auch bei der heiligen Inquisition oder beim nächsten, privatisierten Scharfrichter verpetzen kann, damit diese sich mit heiliger, monopolisierter Gewalt um die “Gerechtigkeit” kümmere. :mrgreen:

Denn wir sind schließlich alle Papst, oder? Und wie man Propaganda macht, das wissen wir doch auch, nicht wahr? Dafür muss man noch nicht einmal so ganz genau wissen, wovon man spricht.

(Quelle: WUT)

Das Staatsfernsehen ist ja bekannt für Volksverdummung, Parteienpropaganda und das Verbreiten von verdrehten Tatsachen. Die größere Gefahr geht nicht von den bösen Computerspielen aus, sondern vielmehr von Staatssendern, die sehr genau zeigen, wie jemand ermordet wird oder in seiner Blutlache liegt. Sie sind auch sonst nicht gerade zimperlich wenn’s um Details geht, so habe ich schon die eine oder andere verkohlte Leiche, Vergewaltigung, Kindesentführung, Messerstecherei, Selbstmord, Überfall mit Geiselnahme usw. gesehen. Den Mist habe ich mir nicht ausgesucht, er wurde mir ohne zu fragen ins Haus geliefert. Computerspiele hingegen suche ich mir selbst aus und ich kaufe sie mir nicht so oft, wie Gewaltsendungen im Staatsfernsehen ausgestrahlt werden.

Es gibt im übrigen Studien, die genau das Gegenteil herausgefunden haben. Das aber hat der Staatssender nicht übersehen sondern einfach weggelassen!

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2 Kommentare zu “WUT: ZDF erklärt die Jugendgewalt”
  1. 1
    Gravatar von Roger Beathacker
    Kommentar von Roger Beathacker
    am Freitag, 16. Mai 2008 18:43

    Nur gut, dass es zumindest vor der Erfindung der Videogames ueberhaupt keine Jugendkriminalitaet gegeben hat!

    8-)

  2. 2 Pingback von Computerspiele(r)versteher-Buch zensiert » Beitrag » SaarBreaker
    am Sonntag, 18. Mai 2008 16:24

    [...] passt natürlich überhaupt nicht zur propagierten „Gewalt durch böse Computerspiele“ Nach einer Analyse des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens (KFN) verharmlose das [...]

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